Gewohnheiten aus Liebe entwickeln

Shownotes

In diesem Gespräch geht es darum, wie wir neue Gewohnheiten entwickeln können, ohne uns selbst unter Druck zu setzen oder innerlich zu bekämpfen.

Wir sprechen darüber, dass nicht jede sinnvolle Tätigkeit sofort Freude macht – und warum das kein Hindernis sein muss. Anhand von Beispielen aus Arbeit, Bewegung und Gesundheit wird deutlich, wie hilfreich es ist, den Blick vom momentanen Widerwillen auf das zu richten, wofür man etwas tut.

Ein zentraler Aspekt ist dabei die Rolle von Vorstellungskraft und Erfahrung: Wie konkrete innere Bilder helfen können, Motivation aufzubauen – und wie sich Gewohnheiten leichter etablieren lassen, wenn sie mit einem fühlbaren Ziel verbunden sind.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit körperlichem Feedback. Beschwerden, Rückmeldungen und Rückschritte werden nicht als Störung verstanden, sondern als Information – als Teil eines Lernprozesses, der Aufmerksamkeit und Feinjustierung braucht.

Themen des Gesprächs sind unter anderem:

– warum nicht alles, was sinnvoll ist, sofort Spaß machen muss

– Gewohnheiten als Investition in Wohlbefinden und Lebensqualität

– Vorstellungskraft als Unterstützung beim Aufbau neuer Routinen

– Lernen und Kompetenz als Gewinn im Tun

– körperliches Feedback als Orientierung

– liebevolle Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber

– Gewohnheiten entwickeln, ohne innere Diskussionen und Widerstände zu verstärken

Das Gespräch lädt dazu ein, neue Gewohnheiten aus einer zugewandten Haltung heraus entstehen zu lassen – als einen Prozess, der Zeit braucht, von Erfahrungen lebt und durch Aufmerksamkeit und Klarheit getragen wird.

Weitere Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source

Transkript anzeigen

00:00:01: {B] Ja, ich kenne es auch aus meinen selbständigen

00:00:04: Tätigkeiten, dass es Aufgaben gibt, die mir gefallen und Spaß machen und die mir leicht

00:00:09: fallen – und Dinge gibt, die mir nicht sehr viel Freude machen. Und ich kenne da auch beide Welten.

00:00:17: Wie geht's mir? Wie fühlt sich an, wenn ich in dem Gedanken hänge,

00:00:22: wenn ich dem Gedanken Glauben schenk, so: „Ah, alles blöd, nervt mich, hin und her“ –

00:00:25: aber wie geht's mir, wenn ich es dann irgendwann mach, und wie fühlt sich es dann an?

00:00:31: Und wie oft ist dann so, eigentlich immer:

00:00:34: Es ist gar nicht so blöd, und es ist dann irgendwie auch richtig cool,

00:00:37: wenn man das gemacht hat – und nicht „eigentlich“: Es ist so.

00:00:40: Aber wie gesagt, aus eigener Erfahrung diesmal – diesmal ist es kein Freund,

00:00:44: keine Freundin – kenne ich das schon sehr gut auch, diese Möglichkeiten.

00:00:54: [D] Ja,

00:00:55: und da sind wir auch wieder bei diesem Thema Gewohnheiten. Früher aufzustehen, um durch die

00:01:02: Gegend zu laufen, fühlt sich im ersten Moment vielleicht nicht so gut an, aber wenn ich weiß:

00:01:08: Hinterher werde ich mich drüber freuen – also ich tu es mir zuliebe, meiner Gesundheit zuliebe,

00:01:13: meiner Fitness, meinem Wohlgefühl zuliebe – dann braucht es vielleicht nicht:

00:01:18: „Ja, aber der Moment aus dem Bett raus fühlt sich trotzdem blöd an.“

00:01:21: Ja, mein Gott, ich weiß, dass ich mich freue drüber.

00:01:25: {B]

00:01:26: Und man hat auch die Möglichkeit, was Neues zu lernen dabei. Ein Freund von mir hat

00:01:31: jetzt die Buchhaltung übernommen in seiner Firma sozusagen. Und das war auch jetzt nicht unbedingt

00:01:39: die Tätigkeit, die man am meisten Freude macht, aber er hat's halt jetzt gemacht und hat gemeint,

00:01:45: das ist so spannend, weil jetzt kennt er sich aus, so richtig.

00:01:49: Er kann auch Kleinigkeiten besser machen und einfach da merkt er,

00:01:54: dass das voll gewinnbringend ist, dass er das jetzt selber macht.

00:01:58: [D] Ja, absolut.

00:02:00: Und wenn der Anspruch nicht ist die ganze Zeit: „Alles, was ich mache, muss mich begeistern“,

00:02:06: ja, dann ist es so ähnlich wie wenn wir z.B. in Urlaub fliegen wollen oder sowas.

00:02:14: Das ist nicht irgendwie: „Ja, ich hänge so gern an Flughäfen rum“

00:02:18: oder „ich stehe so gern beim

00:02:19: Zoll in der Schlange“ oder

00:02:21: „ich sitze dann gern irgendwie paar Stunden im Flieger“.

00:02:25: Sondern wir nehmen das alles in Kauf, um wo zu sein, wo es schön ist.

00:02:30: Also das ist ja für uns super gewohnt, dass wir Sachen in Kauf nehmen – um mal

00:02:37: so eine Business-Metapher zu nehmen – weil es sich lohnt.

00:02:45: [B] Aber vielleicht

00:02:46: hilft auch … beim in Urlaub fahren, das ist ja das Beispiel, da ist die Vorstellungskraft einfacher,

00:02:50: weil man halt dann irgendwie so … das ist vielleicht ein bisschen klarer.

00:02:54: Aber vielleicht bei Dingen, die jetzt beruflich nicht so lässig sind,

00:03:01: tu ich mir bissl schwieriger. Jetzt habe ich ja auch gelernt durch die eigene Erfahrung,

00:03:05: wie sich es anfühlt – aber ist der Startpunkt ein

00:03:09: bisschen langwieriger oder schwieriger oder braucht vielleicht mehrere Anläufe.

00:03:13: Also es gibt da auch, glaube ich, Unterschiede in der Intensität, wie man das dann erlebt.

00:03:17: [D] Ja. Wenn wir in Urlaub fliegen z.B.,

00:03:21: dann haben wir eine ziemlich klare Vorstellung, wo wir da hinfliegen und wie es da sein wird.

00:03:27: Und die ist oft sehr viel konkreter als: „So, jetzt übernehme ich die Buchhaltung,

00:03:34: weil dann ähm … ja kann ich die Buchhaltung selber machen.“

00:03:38: Ja, das ist ein bisschen trockener …

00:03:42: [B] … habe ich mehr Arbeit.

00:03:46: [D] Ja, aber ich

00:03:48: habe z.B. mehr Geld oder ich habe Überblick oder im Endeffekt gewinne ich Zeit, weil ich

00:03:54: nicht dauernd irgendwie mit der Buchhaltung mich arrangieren muss oder nachfragen muss oder sowas.

00:04:02: Dass sich diese Sachen lohnen – oder wenn sie sich nicht lohnen. Könnte ja genauso sein:

00:04:10: „Nö, ich habe jetzt eine gute Buchhaltung gefunden und jetzt kümmere ich mich gar nicht mehr drum.“

00:04:16: Aber andererseits:

00:04:19: Ich möchte was lernen, und ich möchte was selber machen können.

00:04:23: Und dass das vielleicht einfach auch was ist, was ein schönes Ziel ist – und was vielleicht genauso

00:04:31: konkret gefühlt werden kann wie der Gedanke an den Urlaub, wenn ich mir halt die Zeit nehme,

00:04:37: mir zu überlegen: Wofür mache ich das?

00:04:41: Um auf unsere Fitness- oder gesunde Ernährungsbeispiele zurückzukommen:

00:04:47: Was erhoffe ich mir von dieser Gewohnheit?

00:04:50: Und dann könnte es sein: Es ist echt hilfreich,

00:04:52: mir vorzustellen, wie das ist in einem Jahr, wenn ich mich gesund ernährt habe

00:04:58: und mehr bewegt habe – wie werde ich dann drauf sein? Wie wird sich das anfühlen?

00:05:03: Und vielleicht haben wir da auch Referenzen aus Zeiten, wo wir uns echt fit gefühlt haben.

00:05:11: Jede Challenge ist etwas, was mich da hinführt. Wenn ich das mache,

00:05:16: steigen die Chancen sehr, dass ich mich fit fühle.

00:05:20: Und dass die Vorstellung dann z.B. ist: Ich sehe mich da Treppen hochrennen oder

00:05:24: was auch immer. Ich fühle, wie leicht ich mich jetzt bewege,

00:05:30: wie beweglich ich bin – und wie gut sich das anfühlt, leichtfüßig durchs Leben zu gehen.

00:05:36: [B] Ja,

00:05:38: auch wieder persönliches Beispiel bei mir: Ich hab mir den Meniskus gerissen vor einigen Jahren,

00:05:42: und seitdem ist es sportlich oder körperlich ein bissl bergab gegangen.

00:05:45: Vorher war ich schon sehr aktiv und sehr fit auch, und jetzt ist voll der Impuls schon länger da:

00:05:52: Ich möchte wieder mehr machen für mich.

00:05:53: Dann war ich laufen, hab Dinge gemacht, und dann zwickt der Rücken, zwickt das.

00:05:58: Und dann kenne ich das auch gut, wenn der Gedanke kommt:

00:06:01: „Ah, nicht schon wieder irgendwas! Jetzt war ich gerade so drinnen …“

00:06:05: Und aber auch da wieder – durch unsere Gespräche wird's noch mehr unterstrichen und hilft mir auch

00:06:09: extrem, das klarer zu sehen: Gehört halt dazu!

00:06:13: Ist ja klar, wenn man wieder mehr macht, dass das halt wieder zwicken darf. Das ist

00:06:18: einfach auch nicht nur ein Pfeil bergauf, sondern wie alles im Leben gehört es dazu.

00:06:24: Part of the Game.

00:06:25: [D] Ja, und einfach auch Feedback:

00:06:28: Was hat dem Rücken jetzt nicht gefallen? Was braucht der Rücken,

00:06:33: damit es auch für ihn hilfreich und schön ist?

00:06:37: Und vielleicht ist es einfach … weißt du, es gibt ja so Sachen wie

00:06:40: Muskelkater – Part of the Game – und dann gibt's:

00:06:43: „Dieser Bewegungsablauf ist irgendwie nicht so gut für den Rücken.“

00:06:46: [B] Ich

00:06:47: sollte vielleicht nicht gebückt mit dem Handy in der Hand laufen gehen.

00:06:51: [D] Genau. Zum Beispiel.

00:06:55: Was braucht der Rücken, damit er in diese Bewegung mehr integriert ist? Und vielleicht auch:

00:07:00: Was braucht er jetzt, um sich wieder frei bewegen zu können?

00:07:04: [B] Was so

00:07:05: immer wieder für mich rauszuhören ist, ist diese liebevolle Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber.

00:07:15: Bei allen Dingen, die wir jetzt gesprochen haben,

00:07:16: ist das so der umfassende Rahmen, von dem alles ausgeht.

00:07:22: Sei es bei den stressigen Momenten, die wir besprochen haben – liebevolle Aufmerksamkeit,

00:07:27: Check-in – oder auch jetzt beim Feedback: Ist es der Rücken, ist es das Knie, wie immer:

00:07:32: liebevolle Aufmerksamkeit. Was braucht es jetzt gerade?

00:07:35: [D] Ja,

00:07:37: und wir lernen liebevolle Aufmerksamkeit auf echt viele Arten.

00:07:43: Zum Beispiel auch durch diesen Kontrast von: Wie unterscheidet sich das von dieser ärgerlichen,

00:07:50: genervten Aufmerksamkeit – „Nicht das schon wieder!“

00:07:54: Oder frustrierte Aufmerksamkeit: „Ich werde das nie hinkriegen.“

00:07:58: Oder: „Ach nein, jetzt nicht auch noch der Rücken!“

00:08:02: Diese ganze Art von Aufmerksamkeit – im Gegensatz zu:

00:08:10: „Okay, das sind die Bedingungen. Wie fühlt sich der Körper gerade?“

00:08:14: Und wie ist dieser Moment gerade – ohne dass er in Gedanken beschrieben, in

00:08:21: Worte übersetzt, in ein Plädoyer oder eine Anklage verwandelt wird.

00:08:28: Wie ist dieser Moment ohne Geschichte?

00:08:33: Diese neugierige, friedliche Aufmerksamkeit

00:08:37: auf „Wie ist dieser Moment?“ bringt eine Klarheit hervor, die im Denken nicht ist.

00:08:44: Denken bringt auch Klarheit – etwa: „Was für eine Situation ist das,

00:08:48: und was werde ich der Chefin sagen?“

00:08:55: Aber gleichzeitig diese liebevolle Aufmerksamkeit:

00:08:58: „Jo, das ist mein Leben in diesem Moment. So zeigt sich Lebendigkeit jetzt gerade.“

00:09:11: Wenn ich nur die Momente zähle, in denen nichts zwickt oder ich im Urlaub in der Hängematte liege,

00:09:19: dann reduziert sich das Leben auf sehr wenige Momente.

00:09:25: Im Gegensatz dazu: Diese Lebendigkeit,

00:09:27: die jetzt fühlbar ist – das ist Lebendigkeit.

00:09:34: Und dadurch, dass dem Aufmerksamkeit geschenkt wird, kommt eine tiefere

00:09:40: Intelligenz als das Denken ins Spiel. Die reguliert das dann.

00:09:43: Zum Beispiel:

00:09:44: Der Rücken weiß, was ihm gut tut, was er jetzt braucht nach dem Lauf.

00:09:51: Und alles, was er dafür braucht, ist ein bisschen Zeit und keine Gegenmaßnahmen.

00:09:57: Sich vielleicht auf den Rücken legen oder auf den Bauch legen und fühlen:

00:10:02: Was möchte der Körper machen, um sich wieder frei zu fühlen?

00:10:07: Wenn wir nicht den gedanklichen Manager aufrufen – was passiert dann?

00:10:14: Das ist nicht: „Ich lasse alles, wie es ist.“

00:10:19: Sondern: „Ich lasse

00:10:19: es nicht managen von Gedanken, die weniger Ahnung haben, als sie glauben.“

00:10:27: Ich überlasse es dem Körper, wieder in das zu kommen, was ihm gut tut.

00:10:32: Und das ist z.B. bei neuen Gewohnheiten genauso: In dem Moment, wo ich keine Diskussion

00:10:38: mehr mit mir habe – „Oh nee, heute bitte nicht“ –

00:10:49: fühlt es sich von vornherein besser an.

00:10:51: Dann gibt es vielleicht sogar eine Vorfreude – aus der Erfahrung:

00:10:54: „Ja, Laufen macht mir Spaß.“

00:11:00: Und dann ist es so ähnlich wie bei der Aufgabe von der Chefin:

00:11:05: Wenn ich weiß, ich mache es eh – warum mache ich es mir dann extra schwer

00:11:10: mit inneren Diskussionen und inneren Plädoyers?

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