Vom Stress zum Spielraum: Wie Aufmerksamkeit ganz wird
Shownotes
In diesem Gespräch geht es um Stress – nicht als Störung, die möglichst schnell verschwinden soll, sondern als Erleben, das genauer verstanden werden kann.
Ausgangspunkt ist eine Zuhörerinnenfrage: Warum erzählen Menschen einander so gern, wie gestresst sie sind – und wie lassen sich stressige Gedanken verändern? Wir sprechen darüber, welche Rolle Mitgefühl, Anerkennung und soziale Dynamiken dabei spielen und warum Stress sich im Gespräch oft unbemerkt verstärkt.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie Stress entsteht: durch innere Bilder, verengte Aufmerksamkeit und körperliche Anspannung – und wie sich unnötiger Widerstand im Tun als zusätzliches Gewicht bemerkbar macht. Dabei geht es nicht darum, Aufgaben zu vermeiden, sondern darum, sie nicht noch schwerer zu machen, als sie ohnehin sind.
Themen des Gesprächs sind unter anderem:
warum Stress im Gespräch Anerkennung sucht
wie Stress sich „ansteckend“ anfühlen kann
die Grundmetapher: Ist das Leben ein Kampf?
körperliche Anspannung und der enge Aufmerksamkeitsfokus
weshalb Widerstand Aufgaben zusätzlich erschwert
der Unterschied zwischen berechtigtem Klären und ungünstigem Timing
wie kurze Momente von Aufmerksamkeit dem Körper wieder Raum geben
Das Gespräch lädt dazu ein, Stress nicht zu bekämpfen oder zu managen, sondern ihn wahrzunehmen und zu verstehen – und dadurch im Alltag Einfachheit, Präsenz und Spielraum zu finden.
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00:00:00: [B] Zum Thema Stress haben wir auch eine Frage von einer Zuhörerin bekommen, weil:
00:00:07: Das wollen wir auch ermöglichen, dass man Fragen stellt direkt und da lautet die Frage wie folgt:
00:00:14: Wieso erzählen sich Menschen so gerne, wie viel Stress sie haben
00:00:18: und wie kann ich das Wort Stress und die stressigen Gedanken darüber loswerden?
00:00:23: Jetzt hast du eh eigentlich schon einiges beschrieben, aber magst du vielleicht noch
00:00:29: mal bissl genauer auf diese zwei Fragen eingehen? [D] Also Frage eins: Warum erzählen sich Leute
00:00:35: gern, wie viel Stress sie haben? Ein Punkt dabei, glaube ich, ist, dass wir gern Mitgefühl mögen.
00:00:45: Wir erzählen jemand, wie schlimm es uns geht und dann sagen die: "Ach, du Arme." z.B. Und
00:00:51: das ist fühlt sich einfach an: Ja, ich bin nicht allein in meiner Situation und jemand versteht,
00:00:57: wie schwierig meine Lage ist . Und Mitgefühl, Anerkennung und so weiter fühlt sich halt einfach
00:01:04: schön an und kann wie ne Verbundenheit sein und dann ist es natürlich ansteckend, weil:
00:01:11: Wenn dir jemand erzählt, ich bin so gestresst, mein Leben ist so anstrengend oder sowas,
00:01:18: dann haben wir ja nicht die Tendenz zu sagen: „Ach, ich bin entspannt und mein Leben ist
00:01:22: schön.“ Sondern dass wir uns da sozusagen anstecken lassen oder eingrooven und erzählen,
00:01:29: was bei uns gerade so schwierig ist, weil wir halt auch diese Gemeinsamkeit mit Leuten mögen und weil
00:01:35: es auch ist: „Ja, ich bin total entspannt“ und so weiter heißt oft in unserer Gesellschaft:
00:01:40: Du tust nicht genug. „Ich habe keine Zeit für gar nichts“ oder sowas, das ist ja wie: „Wow,
00:01:46: du bist echt aktiv!“, als wäre es dasselbe wie produktiv oder als wäre es sinnvoll.
00:01:52: Anerkennung, Mitgefühl und der Punkt Ansteckung und sich eingrooven auf Problemthemen. Also wenn
00:02:01: jemand erzählt, wie schlimm gerade alles ist, dann fällt uns auch was ein, was schlimm ist,
00:02:06: und deswegen erzählt man das gern. Ein anderer Punkt ist, dass zu erzählen, wie toll es mir geht,
00:02:14: weil es oft so in Richtung angeben, prahlen geht: „Mein Leben ist so super“ oder sowas,
00:02:21: dass man eher erzählt, wie schwierig das ist. [B] Das ist aber spannend, weil eigentlich
00:02:28: sollte die Tatsache, dass es einem gut geht und so weiter, das sollte nichts Besonderes sein und
00:02:36: nicht irgendwie sowas, was jetzt irgendwie mit schiefen Augen betrachtet wird oder so:
00:02:41: Warum geht's mir nicht so? Sondern was natürlich sein sollte, aber ist wahrscheinlich in unserer
00:02:46: Gesellschaft das nicht immer genauso gesehen. Ist ganz lustig vorher, weil du ähm erwähnt
00:02:51: hast auch diese Kombination zu ähm ich darf nicht also zu anderen Glaubensätzen, wenn
00:02:57: man jetzt so sich eingroovt oder synchronisiert mit dem Thema Stress mit jemand anderen. Weil:
00:03:04: Eine zweite Frage von der gleichen Zuhörerin war nämlich auch diese Brücke gleich zu bauen zwischen
00:03:09: diesen verinnerlichen Glaubenssätzen im Bezug auf Stress und so Unterhaltungen mit Menschen,
00:03:16: dass man da nicht schwach sein darf. Also ja eigentlich genau das unterstreicht auch allein
00:03:20: diese Fragestellung, was du beschrieben hast. [D] Also, wenn man gestresst ist,
00:03:26: ist man schwach oder stark? [B] Dass dieses Mitgefühl, was dann gezeigt
00:03:31: wird und was natürlich aufkommt, wenn man sagt, ich hab so einen Stress und mir gehts so und so,
00:03:37: dass man das dann irgendwie auch auf sich dann bezieht und bei sich selbst dann aufkommen kann
00:03:42: das Gefühl, ja, bei mir ist es so und so, dass man sich da synchronisiert und dass dann auch
00:03:46: so Glaubenssätze, verinnerlichte, hochkommen können wie: Ja, ich darf nicht schwach sein,
00:03:52: ich muss eigentlich gestresst sein, ich muss mehr machen, so. Weil du vorhin erwähnt hast,
00:03:56: dass ja man dann auch nicht so oft sagt irgendwie: „Eigentlich geht's mir gut und eigentlich passt es
00:04:03: so“, sondern dann könnte das angestoßen werden, dass auch sogar solche größeren Glaubenssätze
00:04:09: hochkommen wie: „Ich darf nicht schwach sein, ich muss mehr machen“ und so weiter.
00:04:12: [D] Mhm. Also gestresst sein wäre dann Zeichen von Stärke. Ich stelle mich dem Lebenskampf oder so.
00:04:24: Das Leben ist ja kein Spaß. [B] Vermutlich. Ja, vermutlich. Vermutlich.
00:04:27: [D] Ja. Mm. Und das könnte ganz interessant sein, du so diese Grundmetapher „Ist das Leben
00:04:34: ein Kampf?“ anzuschauen. Ist das Leben so gemacht? Je stressiger es ist, desto erfolgreicher ist man
00:04:42: oder desto … was auch immer. Oder wenn man nicht gestresst ist, ist man dann stark oder schwach?
00:04:50: Da sind wir bei der Frage, was heißt denn eigentlich Stress? Ja, das ist so ein Wort,
00:04:57: wo jeder sagt: "Ja, ich weiß, ja, Stress!“ oder so – aber vielleicht meinen Leute verschiedene
00:05:03: Sachen damit. Also z.B. ein Element vom Stress, worüber wir jetzt eine ganze Menge geredet haben,
00:05:10: ist körperliche Anspannung. Bin ich denn in ner Situation, wo ich körperlich angespannt sein muss?
00:05:17: Also bin ich denn beim Gewichtheben oder beim Ringen – oder ist es eher eine mentale Sache
00:05:23: und der Körper reagiert da drauf, als bräuchte es das jetzt. Als wäre ich in ner bedrohlichen
00:05:29: Situation oder in ner Kampfsituation statt in ner sehr friedlichen Umgebung eigentlich. Und
00:05:36: egal was das ist, selbst wenn es ein Büro ist, geht selten jemand mit nem Messer auf einen los.
00:05:43: Also von daher ist es einfach körperlich sehr sehr friedlich, selbst wenn ein Chef oder eine
00:05:49: Chefin kommt und sagt, es muss bis morgen fertig sein. Trotzdem bin ich einem sicheren Moment,
00:05:57: körperlich sicher. Und es könnte ganz interessant sein, wenn ich also in in diesem Moment entspannt
00:06:07: bin und weiß, die Chefin hätte gern, dass ich das bis morgen fertig habe, und ich weiß,
00:06:17: ich überlebe das so oder so, dass es vielleicht die körperliche Anspannung, die so ganz von selbst
00:06:25: kommt, dass das ein ganz interessanter Ansatzpunkt ist: Erleichtert mir das die Arbeit oder erschwert
00:06:31: mir das die Arbeit? Dass auch dieses Feedback ist: Ja, die Gedanken sagen: „Das muss passieren“, und
00:06:40: dann sagen die Gedanken als nächstes „Verdammt!“ oder „Warum immer ich?!“ oder „Das kann ich ja gar
00:06:45: nicht schaffen!“ oder so. Ja. Und dann reagiert der Körper darauf mit Anspannung in den Schultern,
00:06:52: Anspannung im Kiefer, Anspannung um die Augen und sowas. Und nichts davon ist wahrscheinlich
00:06:57: hilfreich für die Arbeit, die ich machen möchte, sondern all das erschwert es.
00:07:04: All das ist das, was wir dann Stress nennen, als wäre das nicht optional,
00:07:11: um es mal so zu sagen. In dem Moment, wo uns das bewusst ist, könnte das eine neue Gewohnheit sein,
00:07:17: ab und zu mal einzuchecken: Wie geht's mir gerade körperlich? Und ist da vielleicht eine Anspannung,
00:07:23: die nicht sein muss? Und kann ich mir das gönnen als neue Gewohnheit – statt „ich gönne mir jetzt
00:07:30: erstmal eine Zigarette“ oder „ich gönne mir jetzt erst mal was Süßes oder Chips“. Ich
00:07:36: gönne mir zu fühlen, wie es mir körperlich gerade geht und ohne dass ich sage: „Okay,
00:07:42: wo muss ich jetzt locker lassen?“ Sondern dass ich die Aufmerksamkeit dem Körper schenke für
00:07:47: diesen Moment, für zwei Atemzüge, und fühle, was der dann macht, wenn er machen darf, was
00:07:53: er will. Dass er sich vielleicht ein bisschen mehr Raum schenkt, z.B., ja, oder dass die Augen z.B.
00:08:00: wieder weit sehen können, den ganzen Raum sehen können, statt diesen Tunnel, indem es nur das
00:08:06: gibt, was ich noch unbedingt erledigen muss, aber auf keinen Fall schaffen kann. Klar macht das ne
00:08:12: Anspannung! Wenn das das einzig Wichtige ist oder das einzige, was da ist, dann wird's halt
00:08:18: anstrengend. Und die neue Gewohnheit könnte sein, aus diesem Aufmerksamkeitstunnel rauszukommen. Und
00:08:25: wie komme ich da raus? Indem ich diesem Moment Aufmerksamkeit schenke, so wie er gerade ist.
00:08:35: Und dadurch fällt unnötige Anspannung weg, die so das Hauptelement von Stress ist, würde ich sagen,
00:08:46: [B] Daws ändert ja aber auch nichts dann an – weil du das Beispiel mit der Chefin gegeben hast,
00:08:51: die jetzt eine Aufgabe von mir fordert. Es ändert nichts an den Tätigkeiten,
00:08:59: die zu tun sind, sondern an der Grundvoraussetzung oder? An dem,
00:09:04: wie es mir mit dem ganzen geht. Das ändert sich. Die Arbeit bleibt ja trotzdem irgendwie
00:09:08: die Frage bleibt trotzdem da oder die Aufgabe ist ja trotzdem da.
00:09:11: [D] Natürlich. Die Frage ist nur, ob ich mir die extra erschwere durch diese Anspannung und durch
00:09:17: die Verbissenheit oder ob ich mir das erlaube, so klar und einfach und entspannt wie möglich
00:09:27: an diese Aufgabe ranzugehen. Egal wie unfair ich das finde oder sowas, ist es ja: Vielleicht gibt's
00:09:33: die Entscheidung, dass ich jetzt mein Bestes tue. Je klarer und einfacher diese Entscheidung ist,
00:09:40: desto besser – statt dass ich innerlich mit der Chefin die ganze Zeit diskutiere z.B.,
00:09:46: was meine Aufmerksamkeit spaltet auf eine ähnliche Art, wie diese
00:09:50: ganze körperliche Anspannung ja Energie kostet, Aufmerksamkeit kostet und mich Spielraum kostet.
00:09:57: Also, wenn ich die Arbeit schon mache, dann mache ich sie mir halt so leicht wie möglich. Und in
00:10:03: beiden Fällen ist es: Ja, und ich tue mein Bestes, und was geht, geht und was nicht geht, geht nicht.
00:10:12: Und sehr selten ist es so, okay, jetzt habe ich das bis morgen nicht fertig gehabt, gut, dann
00:10:16: bin ich jetzt entlassen und muss unter der Brücke schlafen. Ja, das ist meistens ja nicht ganz so
00:10:22: dramatisch, wie es uns in dem Moment vorkommt. Und zu merken, wie viel von dem Drama kommt,
00:10:28: z.B. dass permanent diese Diskussion ist: “Es ist voll unfair und immer bleibt es an mir hängen.
00:10:34: Könnte die Kollegin ja auch machen, aber nein …“ und sowas … einfach was alles noch da mitmacht.
00:10:41: Oder „Das kann ich unmöglich schaffen“ oder sowas. Dass einfach die Entscheidung da ist auf
00:10:47: eine ähnliche Art wie: Wir haben ein bei einem Sportereignis meinetwegen einen voll unfairen
00:10:53: Schiedsrichter. Trotzdem können wir nur unser Bestes tun in der Situation und können es uns so
00:10:59: leicht machen wie möglich statt irgendwie: „Jetzt bin ich so verkrampft, jetzt ist alles doppelt so
00:11:04: anstrengend.“ Ich möchte dieses Ziel erreichen – also schleppe ich jetzt noch irgendwie einen
00:11:12: Zentner Gewichte mit mir rum. So Beschwerden. Ich beschwere mich mit irgendwas, statt zu sagen:
00:11:22: „Gut, dann schaue ich mal, wie weit ich komme und lass es mir möglichst gut gehen dabei.“
00:11:30: [B] Was da auch rauskommt ist, dass die Aufmerksamkeit dann voll in dem Moment ist, weil
00:11:36: wenn ich dauernd dran denke, ja, ich schaff es eh nicht und so weiter oder beim Sport irgendwie was
00:11:40: soll passieren hin und her, dann geht so viel – hast du dir auch schon beschrieben – Energie
00:11:44: in so das nur das Ziel oder nur den Output und geht in der Performance eigentlich verloren,
00:11:50: wenn man jetzt so bei Sportworten man das verwenden möchte. Performance
00:11:54: gibt's ja bei der Arbeit auch. Performance passt wahrscheinlich eh ganz gut aus Beschreibung.
00:11:57: [D] Mhm. Da sind wir bei dem: Ja, es gibt unfaire Schiedsrichter meinetwegen oder
00:12:03: unfaire Bedingungen, ja, unfairen Arbeitsplatz und so weiter. Und dann gibt's diese zwei sinnvollen
00:12:12: Optionen, scheint mir. Die eine ist zu sagen, gut, das sind jetzt die Bedingungen und ich tue mein
00:12:20: Bestes auf eine Art, die mir sinnvoll erscheint und die für mich körperlich möglichst leicht
00:12:28: ist – statt mir das extra noch schwer zu machen mit den ganzen Vorwürfen, die ich darum trag.
00:12:33: Und die Option 2 ist, diese ganzen Vorwürfe und das alles zu vertagen auf heute Abend oder auf
00:12:40: den nächsten Tag, und sich zu überlegen, ist es denn der Arbeitsplatz, an dem ich wirklich
00:12:44: gern sein möchte, wenn es immer wieder unfair ist? Oder war das jetzt eine Ausnahmesituation?
00:12:50: möchte ich was klären mit der Chefin oder sowas, aber vielleicht nicht in dem Moment,
00:12:56: wo mir das die Arbeit extra schwer macht, weil die Aufmerksamkeit gespalten ist, und wo sich
00:13:02: das wie Verrat an der Gerechtigkeit anfühlt, wenn ich meine Arbeit jetzt einfach erledige,
00:13:08: egal wie ungerecht das ist. Wenn ich mich entschieden habe, das zu machen, dann mache ich
00:13:14: es halt so einfach wie möglich, so angenehm wie möglich für mich. Und dieses die ganze Zeit mit
00:13:22: mir selber dieses Plädoyer der Ungerechtigkeit zu halten, das ist einfach nicht fair mir gegenüber,
00:13:32: nicht gerecht mir gegenüber, weil es mir die Arbeit extra schwer macht. Das wäre wie,
00:13:38: wenn die Chefin sagen würde: Okay, tippen Sie das ab, aber nur mit links. Unfair und macht's extra
00:13:46: schwer. Und so ist es halt mit dem Widerstand gegen das, was gerade zu tun ist. Und wie gesagt,
00:13:50: der Widerstand kann völlig berechtigt sein und ich kann anschließend z.B. überlegen: Werde ich mit
00:13:57: der Chefin da drüber reden, dass ich das ungerecht finde? Werde ich langfristig mir vielleicht eine
00:14:01: andere Stelle suchen? oder sonstige Sachen – aber ich mach es mir nicht in dem Moment
00:14:05: extra schwer. Das ist eine Frage vom Timing. [B] Und was da auch wie gesagt so stark mir
00:14:14: rauskommt, ist, dass es sehr selbstwirksam ist, weil ich … weil man nicht dann Energie bei der
00:14:19: Chefin oder bei dem und dem in dem Moment verschwendet oder die Energie dorthin geht,
00:14:23: sondern weil es sehr da hineingeht. Also für alle, die jetzt wieder sehen,
00:14:28: ich zeige auf meine Brust, für alle, die nur hören, nicht ich habe meine Hände auf der
00:14:32: Brust. Also es geht da, es geht in die Richtung. [D] Ja, weißt du, ich erlebe das oft bei Kindern
00:14:39: äh mit Schulproblemen, ja, die eine Matheaufgabe kriegen oder mehrere Aufgaben kriegen und das
00:14:47: total voll unfair finden und viel zu schwer und sowas – und dann in diesem Protest hängen
00:14:54: bleiben und das super widerwillig machen und viel lieber ein Videospiel machen würden mit einem echt
00:15:02: harten Gegner. „Wow, der hat mich jetzt dreimal hintereinander geschlagen. Ja, aber das ich weiß,
00:15:09: dass ich das schaffen werde – und wenn es beim 27. Versuch ist!“ Und der Unterschied ist der
00:15:15: Sportsgeist, oder ich nehme das als ein Spiel, wo ich mein Bestes gebe und wenn es schwer ist, umso
00:15:21: besser. Ich will kein Spiel wie was so babyisch ist, wie viele Kinder sagen: Das ist ja babyisch.
00:15:30: [B] Ich kann erinnern als ich einen Gameboy bekommen habe als Kind – wenn ich kurz einhaken
00:15:35: darf. Ich war genauso. Ich habe ein neeues Spiel mal bekommen; ich glaube, es war Monster AG.
00:15:39: Dann habe ichs in zwei Stunden durchgespielt. ich war richtig enttäuscht, weil es so leicht war,
00:15:44: weil so babyisch war, hats mir keine – also nicht wirklich so viel Freude gemacht. Und gleichzeitig
00:15:50: weiß glaube ich jeder, der schon mal irgendwas gespielt hat oder sich irgendwo reingehängt hat,
00:15:54: wie das ist, wenn dann wirklich einmal so ein Endgegner kommt oder wenn man wirklich hängen
00:15:57: bleibt und es öfters versucht, dann legt man auch nicht gleich den Gameboy – in meinem Fall
00:16:01: dann mit 10, 11 Jahren – weg, sondern dann bleibt man, soweit man halt darf,
00:16:05: noch ein bisschen sitzen mit dem Gameboy. [D] Ja. Ich habe meinen Stiefsohn immer im
00:16:11: Keller gehört, wie er Video gespielt hat: „Ja! Ja! Ja – Neeeein!“ Das war immer so der … Das
00:16:19: gehört halt einfach dazu, dass nicht alles funktioniert, ja, und dass es manchmal auch
00:16:23: Zeitdruck gibt und solche Sachen – und dass wir trotzdem ja freiwillig spielen und im Endeffekt
00:16:31: aus Freude an dem Spiel spielen. Und angenommen, wir hätten diese Einstellung statt: Der Anwalt für
00:16:40: Gerechtigkeit sagt, dieser Endgegner ist unfair und ich verklage jetzt den Spielehersteller
00:16:46: oder was auch immer. Und wie gesagt, Gerechtigkeit ist absolut ein sinnvoller Wert.
00:16:55: Aber wenn ich meine Aufmerksamkeit in dem Moment spalte zwischen „ich muss es erledigen“ und „ich
00:17:01: find es blöd, dass ich es erledigen muss“ – ja, dann ist das einfach ungerecht mir
00:17:05: selber gegenüber, weil ich Widerstand gegen etwas aufbau. Und das ist was ich meine mit:
00:17:12: Ich lauf da noch mit extra Gepäck rum, mit diesen ganzen Beschwerden.
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