Re-Source und Ressourcen
Shownotes
Was ist eine Ressource – wenn es nicht darum geht, etwas zu erreichen, sondern zum Ursprung des Erlebens zurückzukehren?
In dieser Folge sprechen Dittmar Kruse und Bernd Stadlober über Re-Source als Rückkehr zur Quelle: zu Präsenz, Offenheit und ursprünglicher Lebendigkeit.
Themen dieser Folge:
Re-Source: zurück zum Ursprung des Erlebens
Ressourcen als Offenheit statt Mittel zum Zweck
Synchron und asynchron sein
Präsenz als Intelligenz
Denken als Werkzeug – nicht als Identität
Nervosität, Energie und Flow
Spontanität und Struktur
Ein Gespräch über Klarheit ohne Druck und Spielräume, die sich öffnen, wenn Erleben nicht optimiert werden muss.
🔹 Gespräch: Gespräch 1 🔹 Reihe: Re-Source: Leben als Spielraum
Grundlage der Reihe: Dittmar Kruse – Re-Source: Metaphern für Lebendigkeit
Weitere Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source
Transkript anzeigen
00:00:00: [B] Und diesen Zug oder diesen „Bezug zum
00:00:04: Ursprung“ unter Anführungsstrichen, den
00:00:06: hast du ja auch in dein Buch als Titel
00:00:08: Gewählt: Re-Source. Vielleicht
00:00:11: sprechen wir da noch ein bisschen
00:00:12: drüber, warum Re-Source für dich so ein
00:00:14: treffendes Wort ist für unseren
00:00:16: Podcast und auch für dein Buch.
00:00:20: [D] Ja, Re-Source, zurück zum Ursprung, zurück
00:00:24: zur Quelle.
00:00:26: Im NLP gibt's diesen Begriff
00:00:28: „Ressourcen“, und das wird oft beschrieben
00:00:32: als die Mittel, die ich brauche, um mein
00:00:34: Ziel zu erreichen. Wenn ich müde bin und
00:00:38: mein Ziel ist, wacher zu sein, dann hilft
00:00:41: Kaffee, z.B. ist eine Ressource dann.
00:00:44: Oder eine interne Ressource könnte sein,
00:00:48: sich zu bewegen, durchatmen
00:00:51: oder auch schlafen könnte dann eine
00:00:52: Ressource sein, wenn es darum geht,
00:00:54: anschließend wach zu sein. Und das ist
00:00:57: Ressource in dem Sinne von: Wie komme ich
00:00:59: woanders hin, wo ich noch nicht bin. Und
00:01:03: was ich meine mit Ressource ist eben
00:01:04: dieses Zurück zum ursprünglichen
00:01:08: Erleben, zu dieser Offenheit,
00:01:12: die nirgendwo anders hin muss, sondern
00:01:15: die offen ist für das, wie es jetzt
00:01:16: gerade ist, dieses
00:01:19: Bewusstsein, diese Offenheit,
00:01:22: Empfänglichkeit für den Moment, dass das
00:01:23: der Ursprung von unserem Erleben ist und
00:01:26: deswegen ursprüngliches Erleben und dass
00:01:29: unsere
00:01:31: Intelligenz, Klarheit, auch körperliche
00:01:33: Intelligenz daher kommt,
00:01:38: aus dieser direkten Offenheit für wie
00:01:40: dieser Moment ist. Die sich z.B. zeigt
00:01:43: als die Neugier, über die wir gesprochen
00:01:45: haben: Ich möchte diesen Moment
00:01:48: kennenlernen, bevor ich ihn durch
00:01:50: Bedingungen filtere.
00:01:53: Ich bin offen fürs Erleben, wie es sich
00:01:57: gerade zeigt.
00:02:01: Weißt du, das ist ja mal super sinnvoll
00:02:04: aus Sicht des Lebens. Je klarer wir
00:02:06: unsere Informationen aufnehmen, desto
00:02:11: klarer und sinnvoller können wir darauf
00:02:12: reagieren.
00:02:15: Wenn Musiker zusammen spielen wollen,
00:02:19: dann stimmen sie sich erstmal ein, was
00:02:22: ist die Tonart, in der wir spielen? Z.B.
00:02:24: in welchem Tempo, in welchem Rhythmus,
00:02:25: in welcher Stimmung sind wir? Dieses
00:02:28: Einstimmen,
00:02:32: je
00:02:34: stiller wir sind, je offener wir dafür
00:02:36: sind, für diese Informationen, die
00:02:38: reinkommen, desto sinnvoller können wir
00:02:42: mitspielen.
00:02:46: Und das ist diese Re-Source: das
00:02:49: Zurückkehren zu diesem ursprünglichen
00:02:52: Erleben, bevor uns das Denken erzählt,
00:02:55: was wir erleben und was sich daran
00:02:57: bessern müsste. Und das heißt
00:03:00: nicht:
00:03:02: „Ich lasse alles so wie es ist.
00:03:05: Mir tut der Fuß weh. Ja, weil ich
00:03:07: einen Stein im Schuh habe. Tja, es ist wie
00:03:09: es ist.“
00:03:13: Das ist das Denken aus dem eine Regel
00:03:15: machen will, die es dann „Man muss
00:03:19: akzeptieren“ nennt oder so. „Akzeptanz
00:03:22: bedeutet, ich will nichts verändern.“
00:03:26: Im Gegensatz zu: Je klarer ich fühle, was
00:03:29: mit meinem Fuß los ist, desto leichter
00:03:31: ist es den Stein aus dem Schuh zu
00:03:34: tun.
00:03:37: [B] Je
00:03:39: klarer ich fühle, was da in meinem
00:03:42: Kopf abgeht im Bett am Abend, desto
00:03:44: leicht ist es für mich, das Karussell zu
00:03:46: beobachten und nicht einzusteigen.
00:03:48: [D] Genau. Genau das.
00:03:52: Wir sind so gewöhnt dran aufs Denken zu
00:03:54: setzen, dass das Denken das ist, was wir
00:03:58: sind oder womit wir die Situation
00:04:02: managen können.
00:04:04: Und Erfahrung zeigt immer wieder:
00:04:08: Sobald das Denken
00:04:11: nachlässt
00:04:13: oder die Aufmerksamkeit nicht mehr sich
00:04:16: im Karussell mitdreht, sondern dieses
00:04:18: Karussell als Ganzes sieht,
00:04:21: sieht es noch mehr und fühlt es viel
00:04:23: klarer, was das für ein Moment ist. Und
00:04:26: diese ursprüngliche Lebendigkeit geht
00:04:30: voll über das hinaus, wofür das Denken
00:04:32: uns hält.
00:04:34: Mit dem Denken wird ja immer gleich eine
00:04:36: Version von uns mitgeliefert, in der wir
00:04:39: eine bestimmte Rolle haben, wo wir z.B.
00:04:42: derjenige sind, der morgen im Büro
00:04:44: funktionieren muss oder so.
00:04:49: Und wenn wir abends im Bett liegen z.B.
00:04:51: und nachts im Bett liegen und
00:04:54: übers Büro nachdenken – natürlich bringt
00:04:56: das schnell ein Gefühl von Überforderung
00:04:59: mit sich oder von Unlust,
00:05:02: weil wir gerade müde sind. Der Körper
00:05:04: will gerade schlafen.
00:05:07: Natürlich passt es nicht zur momentanen
00:05:09: Gefühlslage
00:05:11: und macht den Körper dann asynchron mit
00:05:14: dem Bett, in dem er gerade liegt, mit
00:05:17: der Situation, mit der Tageszeit.
00:05:24: Und das zu verstehen, ja, das
00:05:26: ist keine Aussage über morgen, sondern eine
00:05:29: Aussage darüber, dass wir gerade
00:05:33: schlafen wollen
00:05:36: und das Denken uns gerade asynchron mit
00:05:38: dem macht.
00:05:42: [B] Das heißt auch, das zu sehen und dann
00:05:44: durch den Unterschied zu lernen: Wie ist
00:05:47: es, asynchron zu sein, wie ist das Erleben
00:05:49: dann, wie zeigt sich das und auch wie
00:05:52: ist es, wenn das synchron ist.
00:05:55: [D] Ja, und wir kennen beide Erfahrungen
00:05:59: wirklich gut. Ja, also wir wissen, wie
00:06:01: das ist, in Gedanken zu sein und dann
00:06:03: irgendwo gegenzurennen z.B.
00:06:06: oder sonst irgendwie was aus
00:06:09: Unaufmerksamkeit zu machen.
00:06:13: Und wir kennen auch das, voll im Moment
00:06:15: zu sein, synchron
00:06:18: mit der Situation, synchron mit der
00:06:22: Gegend, in der wir gerade sind, mit dem
00:06:23: Menschen, mit dem wir gerade sind, mit
00:06:25: dem Gefühl, das gerade im Körper ist.
00:06:28: Das kennen wir auch. Das ist nur, dass
00:06:31: uns diese Beschreibung vielleicht nicht
00:06:33: aufgefallen ist. Ich halte es für eine
00:06:34: sehr nützliche Beschreibung, das synchron
00:06:37: und asynchron zu nennen oder kongruent
00:06:39: und inkongruent
00:06:42: übereinstimmend ganz hier oder
00:06:46: zerstreut und gespalten.
00:06:53: [B] Ich hab ja vor ein paar Wochen ein
00:06:56: Erlebnis gehabt, das glaube ich auch
00:06:57: sehr gut so direkt beschreibt, was du
00:07:00: gerade gesagt hast, und zwar eine
00:07:03: Moderation, wo ich im Vorfeld schon sehr
00:07:06: sehr sehr nervös war und dann direkt
00:07:09: diesen Unterschied gemerkt habe, was
00:07:11: passiert, wenn man synchron ist mit dem,
00:07:13: was ist und das beschreibt man dann
00:07:15: wirklich auch so als Flow, im Sport,
00:07:17: aber es gibt's ja überall auch
00:07:20: die
00:07:22: Bezeichnung Flow ist ja bekannt, und
00:07:25: diesen Unterschied von vorher in
00:07:26: Gedanken an Zukunft: Was ist, wenn ich mich
00:07:29: verrede, irgendwelche Vorstellungen,
00:07:32: die dann wahrscheinlich eh nicht
00:07:34: Eintreten, und wie sich das angefühlt
00:07:36: hat, dieses wirklich asynchron sein mit
00:07:38: dem, was gerade passiert und dann
00:07:40: gleichzeitig die paar Sekunden nach dem
00:07:42: Auftritt, also auf die Bühne gehen und
00:07:44: dann dort so richtig anzukommen
00:07:46: eigentlich und dann voll synchron zu
00:07:48: sein mit dem, was ist, mit den Menschen
00:07:50: interagieren, aber nicht, dass da
00:07:51: irgendwas jetzt genau geplant, welches
00:07:53: Wort, sondern es war dann wirklich so,
00:07:54: als würde das alles so aus mir heraus
00:07:56: kommen, woher auch immer. Einfach voll
00:08:00: Synchron, kongruent, um deine Worte zu
00:08:02: benutzen. Und wie gesagt, diesen
00:08:04: Unterschied zu vorher, also es ist
00:08:06: unfassbar der Unterschied, wie das Leben
00:08:08: sich zeigt und wie es ist.
00:08:12: Und dann ist auch klar irgendwie, was
00:08:14: sich natürlicher, schöner und, ja, einfach
00:08:17: besser anfühlt.
00:08:20: [D] Lass mich raten: synchron.
00:08:24: [B] Ja.
00:08:25: [D] Ja. Und diese Erfahrung ist, weißt
00:08:29: du, es
00:08:31: ist ja irgendwie klar:
00:08:33: Wenn man an die Zukunft denkt, dann ist
00:08:37: die Aufmerksamkeit nicht mehr ganz in
00:08:39: der Gegenwart. Natürlich macht es
00:08:42: asynchron. Und wenn dann der Filter noch
00:08:44: ist, was alles hoffentlich nicht
00:08:46: passieren soll, ja, dann macht
00:08:50: es noch zusätzlich eine Anspannung
00:08:52: und all das fällt dann weg, wenn du
00:08:56: wirklich auf der Bühne bist. Ja, weil
00:08:59: dann ist es nicht mehr nötig, über
00:09:01: die Zukunft nachzudenken – und vorher ist
00:09:04: es auch nicht nötig, aber vorher scheint
00:09:06: das irgendwie wichtig oder scheint es
00:09:07: dem Denken zumindest wichtig.
00:09:11: Und in dem Moment, wo du synchron bist
00:09:15: mit der Situation, kommt diese
00:09:19: natürliche Intelligenz zum Tragen, die
00:09:22: halt
00:09:24: präsent ist.
00:09:27: Präsenz ist Intelligenz,
00:09:30: und das reimt sich sogar.
00:09:33: [B] Und aber auch spannend ist, finde
00:09:35: ich, dass es ja – und das haben wir vorher
00:09:37: auch schon ein bisschen umschrieben und
00:09:38: Beschrieben –, dass es nicht ein Entweder-
00:09:40: oder ist, weil ich brauche das Denken ja
00:09:41: auch, um mich gut vorzubereiten. Es macht
00:09:44: echt Sinn, dass ich mir die Namen
00:09:45: aufschreib von den Personen und nicht
00:09:48: rausgehe und keine Namen aussprechen kann
00:09:50: Und niemanden kenne. Also es ist so, das
00:09:53: finde ich so schön an deinem Buch und
00:09:56: generell so dieses nicht Entweder-oder,
00:09:59: sondern so dieses Allumfassende und
00:10:01: eigentlich liebevoll Anschauende und
00:10:02: Forschende und, ja, Spielerische.
00:10:06: [D] Ja, es geht nicht darum, irgendwas
00:10:09: auszuschließen, auszumerzen.
00:10:13: „Ab jetzt ist mein Leben
00:10:17: Gedankenfrei“ oder was auch immer. Auch
00:10:20: dieser Gedanke darf da sein und darf
00:10:24: gehört werden, ohne ernst genommen zu
00:10:26: werden. Also, dass das super praktisch
00:10:30: ist, bevor man losfährt, sich zu
00:10:34: überlegen, was ich alles mitnehmen
00:10:36: möchte. Klar, dass du vor einer
00:10:39: Moderation dir überlegst, mit wem
00:10:44: sprichst du da? Wofür haben die
00:10:46: dich eigentlich engagiert? Das ist …
00:10:49: bevor ich ein Seminar mache, überlege
00:10:52: ich, welche Unterlagen ich ausdrucken
00:10:53: möchte dafür.
00:10:59: Und das ist die Funktion vom Denken, so
00:11:02: wie vorher wir über Schraubenzieher
00:11:05: geredet haben: Super nützliches
00:11:07: Werkzeug, wenn du gerade mal einen
00:11:08: Schraubenzieher brauchst.
00:11:11: Kein Grund an allem rumzuschrauben.
00:11:15: [B] Und
00:11:18: auch, dass es dazu gehört dann, dass
00:11:20: dann halt auch Gefühle ins Spiel
00:11:21: kommen, wie z.B. Nervosität,
00:11:23: weil oft ist ja Nervosität auch so
00:11:25: beschrieben als: Du darfst nicht
00:11:28: nervös sein oder so, aber wie das
00:11:30: Erleben ist, wenn man den Blickwinkel
00:11:33: drauf hat, dass es einfach dazugehört, das
00:11:35: macht was mit dem Organismus, wenn man da
00:11:36: jetzt vor 800, 1000 Leuten spricht und
00:11:38: vielleicht zum ersten Mal in so einem
00:11:40: Setting, dass es voll normal ist, dass
00:11:41: die Sinne hochfahren, dass das ganz
00:11:43: dazugehört, gleich wie bei Prüfungen oder bei
00:11:46: anderen Situationen, die ähnlich sind.
00:11:48: So, das gehört dazu, dass der Organismus
00:11:50: sich einfach irgendwie bereitmacht, und
00:11:52: die Sinne einfach in dem Fall auch
00:11:53: schärft. Und wenn es halt anders nicht so
00:11:57: gesehen werden kann, dann kann es halt
00:11:58: echt in eine Richtung gehen, die nicht
00:12:00: Sehr, ja, die sind nicht unbedingt gut
00:12:03: anfühlt und irgendwie hemmt und
00:12:05: blockiert.
00:12:07: [D] Mhm. Genau. Der Organismus stellt
00:12:10: Energie bereit, eine sehr wache Art von
00:12:13: Aufmerksamkeit,
00:12:15: und
00:12:17: die könnte man beschreiben als
00:12:21: Nervosität,
00:12:23: und je nachdem ist das dann eben
00:12:26: Lampenfieber oder Auftrittsangst oder
00:12:29: was auch immer. Vielleicht ist es
00:12:31: einfach auch Vorfreude, was ja auch ein
00:12:34: Energieschub sein kann. Ja, und auf alle
00:12:36: Fälle ist es eine sehr energetische Art
00:12:41: von Wachheit. Und die Schwierigkeit ist,
00:12:46: das erlebe ich oft bei bei Menschen,
00:12:48: die zu mir kommen mit dem Thema
00:12:50: Prüfungsangst,
00:12:51: die so die Erwartung haben: Ich sollte
00:12:53: total entspannt in diese Prüfung gehen.
00:12:57: Und dann in dem Moment, wo diese Energie
00:13:00: kommt, Aufregung, wie immer du das nennen
00:13:02: willst,
00:13:03: geht's los, dass das Denken sich dagegen
00:13:05: stellt und sagt: "Oh Gott,
00:13:08: hoffentlich kriege ich keinen Blackout."
00:13:10: Ja, und das macht dann noch mal einen
00:13:11: kleinen Energieschub dazu und dann ist es:
00:13:13: Oh Gott, ich werde einen Blackout kriegen
00:13:15: oder so.
00:13:17: Das ist aber die Interpretation von:
00:13:20: Da ist eine Energie, die mir gleich sehr
00:13:23: zunutze kommen wird. Ja, das ist die
00:13:26: Energie, die mich durch die Moderation
00:13:29: oder durch die Prüfung trägt.
00:13:32: Es ist einfach nur Energie.
00:13:35: Aber wenn ich mich dagegen stelle,
00:13:37: stelle ich fest, dass ich die nicht
00:13:38: wegkriege.
00:13:40: Und dann ist es so: „Oh Gott, wie soll
00:13:42: das werden?“ Dann
00:13:45: wird das als Vorbote von nem Blackout z.B.
00:13:48: interpretiert oder von einer Blamage
00:13:50: oder was auch immer, aber die Erfahrung
00:13:53: Zeigt: Jo, die Energie kommt gleich zum
00:13:56: Tragen und dann hat sie ihren Platz.
00:13:58: Auch das ist ja sozusagen erstmal schon
00:14:00: so ein bisschen
00:14:02: asynchron. Auch asynchron ist ja nicht
00:14:04: wirklich ein Problem. Ja, also Vorfreude
00:14:06: ist asynchron. Das ist: Iich bin noch
00:14:09: nicht in dem Moment,
00:14:13: aber es ist es ist kein Problem.
00:14:16: Das ist einfach eine Vorbereitung und
00:14:18: sonst nichts.
00:14:23: Und dann kommt dieser Moment und ich bin
00:14:25: voll synchron und die Energie ist schon
00:14:28: da, statt dass die sich aufbaut über die
00:14:31: ersten Minuten oder so.
00:14:36: [B] Und was da irgendwie auch spannend ist,
00:14:38: finde ich, und es war für mich ja sehr
00:14:40: sehr wertvolle Beobachtung, dass es
00:14:44: kein Ende im Denken gibt, dass das Denken
00:14:46: ja alles dir erzählen kann und
00:14:49: dramatisieren kann und schlimmer machen
00:14:50: kann oder einfach intensivieren kann.
00:14:53: Beispiel Prüfung, Prüfungsangst und
00:14:57: die ganzen Sachen, die da vielleicht
00:14:58: hochkommen und dann könnte das im Denken
00:15:00: soweit gehen, dass man sagt: „Ich kann
00:15:02: überhaupt nichts, ich bin ein
00:15:03: Nichtsnutz.“
00:15:04: Das finde ich so spannend, dass das
00:15:05: Denken einfach ein Fass ohne Boden ist.
00:15:07: Wenn man das nicht erkennt und da
00:15:09: irgendwie auch wie gesagt das
00:15:11: Können entwickelt oder die Möglichkeit
00:15:12: hat, rauszugehen und das mal zu sehen,
00:15:15: was das eigentlich für ein, ja, ich will nicht
00:15:18: sagen Wahnsinn, weil dieses Wort
00:15:19: vielleicht zu … falsch verstanden werden
00:15:22: kann, aber eigentlich könnte man es
00:15:23: vielleicht sogar so beschreiben,
00:15:25: dass es wahnsinnig arg ist, um ein
00:15:28: österreichisches Wort zu benutzen, arg,
00:15:29: wie das Denken sich zeigen kann
00:15:34: und wie sich das irgendwie entwickeln
00:15:35: kann.
00:15:37: [D] Ja.
00:15:41: Das Denken
00:15:43: sucht halt Orientierung, und es möchte
00:15:47: Anhaltspunkte, und es möchte aus diesen
00:15:49: Anhaltspunkten Regeln ableiten können,
00:15:52: und eine Erklärung, wer du bist und
00:15:55: was das … wie das Leben ist und wie man
00:15:57: sich da verhält und so weiter. Kurz
00:16:00: gesagt, das Denken steht auf
00:16:01: Verallgemeinerungen, wie: Du bist ein
00:16:06: Irgendwas. Ja, Genie, Loser, irgendwas
00:16:09: Dazwischen. Aber jedenfalls weiß das
00:16:11: Denken, was du bist und hat eine
00:16:12: Kategorie, in die diese Situation passt.
00:16:16: Und
00:16:18: das ist, was es für Klarheit hält oder
00:16:20: für Orientierung hält, ist Klarheit
00:16:24: durch Begriffe und durch Kategorien, in
00:16:28: die einordnen kann und an die sich dann
00:16:30: halten kann.
00:16:31: Und dann gibt es diese
00:16:35: wortlose Intelligenz, sinnliche
00:16:38: Wachheit, Präsenz,
00:16:41: die z.B. beim Auftritt
00:16:44: super deutlich ist, dass die auf die
00:16:48: Situation reagiert, bevor es
00:16:50: irgendwelche Benennungen dafür gibt und
00:16:52: nicht dadurch, dass sie auf Regeln
00:16:55: zurückgreift
00:16:57: oder auf einem Plan zurückgreift: Wenn
00:16:59: mir jemand diese Frage stellt, dann
00:17:00: werde ich das antworten oder solche
00:17:03: Sachen, also die das einfach nicht
00:17:06: braucht. Spontanität, die aus dem aus
00:17:10: dieser aus dieser klaren Präsenz kommt,
00:17:14: die so viel kreativer ist, als das
00:17:19: Denken sich das vorstellt, aber nicht
00:17:20: berechenbar. Und deswegen tut
00:17:22: das Denken sich schwer darauf zu
00:17:25: vertrauen auf diese
00:17:27: Intelligenz außerhalb vom Denken.
00:17:30: Fürs Denken ist es wie ausgeliefert
00:17:32: sein.
00:17:37: Und fürs Erleben ist es ein ein
00:17:41: Loslassen, ein Freilassen von dieser
00:17:44: Intelligenz.
00:17:48: [B] Ja, und das ist auch spürbar. Ich kann
00:17:50: mir erinnern, ich hab manchmal
00:17:51: Moderationen gehabt, wo jetzt die
00:17:54: Person, die ich interviewe, mir vorher
00:17:57: eine Frage gegeben hat, die ich stellen
00:17:58: muss. Genau so. Und es ist so eklatant,
00:18:02: den Unterschied zu merken, wenn eine
00:18:04: Frage recht spontan gestellt ist und
00:18:07: locker oder frei oder eine auswendig
00:18:11: gelernte Frage gestellt wird und dann
00:18:13: auch – würde ich mal so jetzt
00:18:16: wiedergeben oder beschreiben – eine
00:18:18: auswendig gelernte Antwort
00:18:20: runtergerasselt wird. Also, wenn man das
00:18:22: so … es ist einfach
00:18:26: unglaublich den Unterschied zu
00:18:27: spüren auch. Und ich z.B. bemerke, wenn
00:18:29: ich moderiere: Ich bin dann
00:18:31: irgendwie besser und fühle mich wohler.
00:18:32: Je freier das es ist, je mehr ich in
00:18:35: diesem Moment aufgehen darf und einfach
00:18:38: Teil von dem allen sein darf, was da
00:18:40: passiert.
00:18:42: Das heißt, in mir gibt's da auch einen
00:18:44: Zug zu dieser Spontanität,
00:18:48: hin zu dem, was du eh schon
00:18:50: beschrieben hast und nicht so: Ich lerne
00:18:52: jetzt ausfindig irgendwas und … wobei
00:18:55: aber auch das sehr sehr angenehm sein
00:18:57: kann, das als Einstieg zu haben, weil es
00:18:59: dann doch so ein bisschen Sicherheit
00:19:01: gibt, die auch wieder voll okay ist. Es
00:19:03: macht ja Sinn, dass man sich irgendwie
00:19:06: ein bisschen … dass man
00:19:08: den Rahmen so steckt, dass man sich
00:19:09: irgendwie gut wohlfühlt und dann
00:19:11: leichter hineinflowt oder
00:19:13: reinsynchronisiert.
00:19:15: [D] Mhm. Ja. Und auch da ist es ja kein Entweder-
00:19:19: oder, sondern sehr fließende Übergänge.
00:19:22: Ja, also z.B.
00:19:25: nehmen wir eine ähnliche Situation und
00:19:27: das ist Musik.
00:19:30: Nehmen wir da das Extrem: klassische
00:19:33: Musik, wo es nicht darum geht, dass
00:19:36: irgendein Musiker plötzlich denkt, er
00:19:39: könnte jetzt anfangen zu improvisieren
00:19:41: oder was. Ja, sondern da sind die Noten
00:19:43: und du spielst genau die Noten, die da
00:19:45: stehen und keine weniger und keine mehr.
00:19:47: Das steht schon mal fest. Das ist dein
00:19:48: Job.
00:19:51: Und trotzdem
00:19:54: muss es nicht mechanisch sein.
00:19:57: Wenn ich es einfach nur mechanisch
00:19:59: runterspiele,
00:20:00: ist das hörbar.
00:20:04: Diese Form mit Leben, mit Lebendigkeit,
00:20:07: mit Gefühl zu erfüllen,
00:20:10: das macht's dann zu wirklicher Musik, zu
00:20:13: was Berührendem, zu was Einmaligem, auch
00:20:16: wenn es die Musik seit 200 Jahren
00:20:18: gibt.
00:20:21: Also, es ist nicht irgendwie: Ja, dann
00:20:23: mach doch alles nur Freistil oder so.
00:20:27: Klassische Musik wäre so ein Extrem-
00:20:29: Beispiel. Alles ist gescriptet.
00:20:32: Jeder Ton steht fest, und trotzdem ist es
00:20:35: jedes Mal einmalig und lebendig.
00:20:39: Und dann gibt's so diese Versionen
00:20:42: Von: Jazz-Band wird viel mehr
00:20:45: improvisieren, aber trotzdem haben auch
00:20:47: die eine Reihenfolge und eine gewisse
00:20:50: Struktur, wie das wie das losgeht,
00:20:54: bevor sie diese Struktur öffnen und dann
00:20:58: frei spielen.
00:21:01: Bei einer Moderation bist du zum Beispiel
00:21:02: vielleicht mehr ein Jazzer als ein
00:21:05: klassischer Musiker,
00:21:08: und trotzdem hast du eine Struktur. [B] Ich
00:21:11: bin anfangs ein klassischer Musiker.
00:21:13: Vielleicht habe ich auch gelernt so für
00:21:15: mich, dass es für mich echt Sinn macht
00:21:16: So einen guten, also einen passenden
00:21:19: Einstieg jetzt nicht ausfindig lernen jedes
00:21:20: Wort, aber einfach so das ist der
00:21:22: Einstieg und dann weiß ich flowt‘s dahin.
00:21:25: Es macht auch für mich gar keinen
00:21:27: anderen Sinn das anders zu machen, weil
00:21:29: ja die Art und Weise wie moderieren
00:21:31: möchte und wie ich mich wohlfühle ist halt
00:21:33: eher so dann jazziger.
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