Warum suchen wir Erleuchtung?
Shownotes
Viele Menschen suchen Erleuchtung. Dahinter steht oft die Hoffnung auf einen dauerhaften Zustand: Glück, Frieden, Klarheit oder Unverwundbarkeit.
In diesem Gespräch geht es um die Sehnsucht nach etwas Höherem oder Tieferem und darum, was wir eigentlich suchen, wenn wir Erleuchtung suchen.
Statt um Unberührbarkeit und Distanz geht es um die Bereitschaft, das Leben ganz direkt zu erleben: als Mensch, als Lebewesen, als Ausdruck von Lebendigkeit.
Themen dieser Folge sind unter anderem die Suche nach einem besseren und bleibenden Zustand, Offenheit für das gegenwärtige Erleben, Menschsein, Berührbarkeit und die Frage, was es heißt, lebendig zu sein.
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00:00:00: [B] Lieber Dittmar, warum suchen wir Menschen nach etwas Höherem?
00:00:05: [D] Was ist gemeint mit „was Höheres“? Wir könnten auch vielleicht dasselbe beschreiben als was
00:00:13: Tieferes, also was nicht so oberflächlich ist, so würde ich das verstehen. Oder was meinst du?
00:00:20: [B] Genau, die Frage geht in die Richtung, warum wir nach etwas suchen,
00:00:25: was man vielleicht Erleuchtung nennen kann oder einfach ein Höheres Selbst.
00:00:30: Oder man könnte es natürlich auch tiefer beschreiben, warum einfach so eine Suche da
00:00:37: ist nach etwas anderem als dem, was sich jetzt vielleicht zeigt oder was wir jetzt erleben.
00:00:42: [D] Wir machen ja die Erfahrung, dass was sich da zeigt und dass, was wir erleben,
00:00:47: dass sich das die ganze Zeit ändert und dass wir uns mitändern und dass durch
00:00:54: dieses Verändern nichts auf die Dauer stabil ist. Dass also nichts auf Dauer irgendwie Befriedigung
00:01:06: gibt oder einen Halt gibt, sondern einfach immer nur für eine Weile.
00:01:11: Und ich glaube, dass es unserer Natur entspricht, rauszufinden, was denn unsere Natur ist.
00:01:20: Und das ist, was unsere Natur ist, für mein Empfinden, was Tieferes oder Weiteres oder
00:01:28: Höheres, je nachdem in welche Dimension man, welche Metapher man dafür verwenden möchte,
00:01:35: als diese, einfach nur dieser Fluss der Dinge sozusagen.
00:01:42: Und dass es also diese natürliche Sehnsucht oder diesen natürlichen Zug dahin gibt,
00:01:51: von uns aus wirklich zu erleben, statt nur von Meinungen oder Bedürfnissen aus zu erleben.
00:02:00: Also tiefer als dieses „was bringt mir das“ oder „was stört mich“.
00:02:09: Tiefer als Hoffnungen und Befürchtungen,
00:02:11: tiefer als „will ich haben, will ich auf keinen Fall haben“, tiefer als das sind wir.
00:02:18: Und das rauszufinden, ist, glaube ich, ein Urbedürfnis von Menschen.
00:02:25: [B] Aber es kann ja auch passieren, dass man sich in dem ein bisschen verliert und verrennt.
00:02:33: Also wenn ich so zurückdenke an meine Suche, dann war schon so das Ziel,
00:02:39: wenn ich ganz ehrlich jetzt zu mir sein kann, dass es nach mehr war, nach irgendwie was anderem,
00:02:47: nach einem anderen Erleben auch, und nach einem, ja, einfach einem etwas,
00:02:55: was mehr ist als das, was ist. Und das war jetzt nicht unbedingt
00:02:57: immer sehr angenehm, beziehungsweise hat man ja dann auch ab und zu so „Erfolgserlebnisse“,
00:03:02: in Anführungsstrichen, die einem dann kurzzeitig ein gutes Gefühl geben.
00:03:06: Aber da merkt man, wie du ja auch schon vorbeschrieben hast, es ändert sich eh
00:03:10: wieder und es ist nicht so jetzt wirklich stabil und es ist eine ständige Veränderung.
00:03:15: Man kann sich ja nichts jetzt anklammern oder so. „Jetzt bin ich da oder jetzt habe ich das
00:03:19: erreicht oder jetzt habe ich das erkannt.“ – das ist halt nie so wirklich der Fall.
00:03:23: [D] Wenn die Sehnsucht nicht so sehr auf äußere Dinge geht, der nächste Karriere-Schritt,
00:03:33: der nächste Besitz, die nächste Beziehung, wenn das nicht im Vordergrund ist, dann geht es bei
00:03:39: vielen Leuten um einen besseren Zustand. „Ich will mich besser fühlen“, und dann
00:03:47: merken wir, wir können uns super fühlen durch Erfahrungen oder vielleicht auch
00:03:53: durch Drogen, und dann klingt das halt wieder ab. Und auch das gibt dann nicht wirklich einen Halt
00:04:00: und dann gibt es halt dieses Versprechen von dem ultimativen Zustand wie zum Beispiel Erleuchtung,
00:04:07: wo dann die ewige Glückseligkeit gefühlt wird oder auch eine ewige
00:04:15: Gleichgültigkeit gegenüber dem, was geschieht. „Das macht mir jetzt alles nichts mehr,
00:04:19: weil es ist nur Illusion“ oder so. Und da hinzukommen zu dieser sozusagen
00:04:26: Unverwundbarkeit, das scheint dann ein tieferes, höheres Versprechen,
00:04:34: auf eine höhere Ebene zu kommen, auf der einen nichts mehr tangiert, um es mal so zu sagen.
00:04:43: Also kannst nur du beurteilen, was du da gesucht hast, aber viele Leute suchen halt das.
00:04:49: [B] Ja, den würde ich auch beipflichten, also das würde ich bestätigen.
00:04:53: Und das Spannende ist ja jetzt, dass es irgendwie das Gegenteil ist.
00:04:56: Also nicht das Gegenteil wirklich, aber es hat sich sehr geändert, weil jetzt geht es bei
00:05:01: weitem nicht mehr für mich so darum, irgendwie unverwundbar zu sein oder irgendwie drüber zu
00:05:05: stehen oder irgendwie erleuchtet zu sein, sondern voll da zu sein und das zu fühlen,
00:05:12: was halt jetzt gerade zu erleben ist. Das heißt, irgendwie hat es sich so
00:05:16: ein bisschen auch umgedreht. Das ist jetzt weniger ein Drüberstehen, sondern voll da Sein.
00:05:22: [D] Ja, und das ist was anderes als die Suche nach einem besseren Zustand,
00:05:31: die ja auch verständlich ist.
00:05:33: [B] Absolut. Absolut verständlich.
00:05:35: [D] Wenn wir Schmerzen haben, wollen wir, dass es besser wird.
00:05:39: Aber statt den ultimativen Zustand erleben zu wollen, ist es interessant,
00:05:45: darauf zu achten, was ist denn das, was da erlebt?
00:05:49: Wir merken, die Zustände ändern sich die ganze Zeit und da ist diese Offenheit, die das erlebt.
00:05:58: [B] Das habe ich gemeint, auch mit dem voll da sein, ist für mich irgendwie diese Offenheit sein,
00:06:04: diesen Moment so wahrnehmen, wie er ist, wie er sich gerade zeigt, wie es sich das Leben gerade
00:06:08: zeigt, wie es die Lebendigkeit zeigt, dass das ein viel größeres Interesse, einen viel größeren
00:06:13: Zug dorthin hat, als jetzt irgendwo anders hin, was irgendwie ja mehr Vorstellung ist.
00:06:19: [D] Ja, und dieser Zug, voll da zu sein oder ganz da zu sein oder leer da zu sein für das,
00:06:28: was da ist, ist schon sehr wesentlich zu fühlen. Weil das weder heißt, auf einen besseren Zustand
00:06:36: zu warten, bevor ich mich aufs Leben einlasse, auf einen besseren Moment zu warten, noch irgendwie
00:06:45: sich das rauszupicken, was an dem Zustand sozusagen echt wäre und was Illusion wäre oder so.
00:06:56: Sondern einfach diese Bereitschaft, diesen Moment so zu erleben, wie wir ihn gerade
00:07:01: erleben – und nicht, um ihn festzuhalten und auch nicht, um was mit ihm zu machen.
00:07:09: Nicht, um ihn zu verbessern, sondern erstmal, um ihn wirklich zu erleben und wirklich in
00:07:16: Kontakt zu sein mit diesem Moment. So in Kontakt, dass es in gewisser
00:07:21: Weise kein „Ich und der Moment“ gibt, sondern dass eine Ganzheit fühlbar ist.
00:07:29: Dieses Ganz-Da-Sein ist die Ganzheit des Moments fühlen.
00:07:33: [B] Eine andere Beschreibung wäre vielleicht auch,
00:07:36: wenn man jetzt so die eine Variante beschreiben wollen würde mit ich möchte
00:07:42: Mensch sein ein bisschen ausweichen und suche was anderes als das menschliche Leben
00:07:48: und dann ist es irgendwie so dieses 100% akzeptieren, dass wir auch Menschen sind.
00:07:52: Also dass wir nicht „auch“, sondern dass wir Menschen sind und dass wir so erleben.
00:07:57: [D] Ja, auch Menschen sind, dass wir auch einfach als
00:08:02: Lebewesen da sind, als Säugetiere. Dass wir auch einfach Natur sind.
00:08:12: [B] Ja, und dass da alles dazugehört, dass es halt all-inklusiv ist und dass es nicht
00:08:16: so rausgepickt wird mit diesem, was wir vorhin besprochen haben.
00:08:22: [D] Ja, dass das Fühlen von allem ist, was Menschen so fühlen können.
00:08:34: Und natürlich gibt es die Tendenz zum Beispiel, dass wir, wenn es geht,
00:08:38: nicht unnötig Schmerzen erleiden. Aber wenn da ein Schmerz ist,
00:08:44: dass das sinnvoll ist, sich das fühlen zu lassen, statt sich davon zu distanzieren.
00:08:55: Und dass das vielleicht das Wesentlichste ist, was wir tun können.
00:09:01: Es ist nicht wirklich ein Tun, aber dass es was Wesentliches ist, zu fühlen:
00:09:06: Wie ist es, ein Mensch zu sein? Wie ist es, ein Lebewesen zu sein?
00:09:11: Wie ist es, lebendig zu sein?
00:09:15: Eine Chance, die wir haben und Steine vielleicht nicht so haben.
00:09:20: Kann ich nicht beurteilen. Ich erinnere mich nicht daran, ein Stein zu sein.
00:09:23: Aber wenn man sich das Universum so anschaut, ist es schon was sehr Seltenes, lebendig zu sein.
00:09:28: [B] Und dass das eigentlich so einfach angenommen wird,
00:09:35: ohne das Wunder darin auch zu sehen und anzuerkennen.
00:09:42: [D] Und das ist, glaube ich, ein wesentlicher Unterschied, dass es nicht mehr darum geht,
00:09:48: irgendwie was Übernatürliches zu finden,
00:09:50: sondern was heißt natürlich? Was ist Lebendigkeit?
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