Liebe als Orientierung

Shownotes

• Orientierung und das Gefühl von Stimmigkeit • Sich selbst treu bleiben • Leistung, Konsum und gesellschaftliche Erwartungen • Der Zug zu dem, was wir lieben • Mit welchen Menschen und an welchen Orten bin ich gern? • Was gibt meinem Leben Orientierung? • Worauf möchte ich am Ende meines Lebens zurückblicken? • Ich habe es geliebt zu leben • Ein waches, aufmerksames und liebevolles Leben • Geld, Verantwortung und Liebe • Kinder, Präsenz und Aufmerksamkeit • Weniger Dinge, mehr Aufmerksamkeit • Was will ich? • Was liebe ich wirklich? • Eine Art zu sein statt etwas zu erreichen • Sich von Liebe leiten lassen • Aufmerksamkeit in der Gegenwart • Wie ist es jetzt? • Direktes Erleben und Wachheit

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00:00:00: [B] Lieber Dittmar, wie finde ich Orientierung in dieser Welt?

00:00:04: [D] Also „Orientierung“ heißt ja, ich möchte wohin; ich brauche eine Richtung.

00:00:13: Und es könnte sein, es geht um ein Ziel oder es geht auch um ein schönes Unterwegssein.

00:00:18: Was ist ein schöner Weg, wo es nicht so ums Ankommen geht.

00:00:22: Deswegen ist es vielleicht sinnvoll,

00:00:24: wenn du ein bisschen mehr darüber sagst, was du unter Orientierung verstehst.

00:00:30: [B] Ich meine damit, dass man neben den ganzen Dingen, die passieren auf der Welt, sich treu

00:00:41: bleibt und trotzdem einen Weg im Leben findet oder geht oder lebt, der sich stimmig anfühlt.

00:00:52: [D] Genau, das wäre eine schöne Orientierung, einen Weg zu gehen, der sich stimmig anfühlt und

00:00:59: der sich anfühlt, als würde ich mir treu bleiben. Was dann die Frage ist: Wann fühlt es sich an,

00:01:07: als würde ich mir treu sein? Und das ist ein Gefühl.

00:01:13: Es könnte sein zum Beispiel: Ich habe eine Arbeit, die ist echt gut bezahlt, aber es fühlt sich total

00:01:20: sinnlos an, das, was ich da tue. Ich mache es nur fürs Geld,

00:01:25: und Geld an sich ist vielleicht nicht so der Wert – aber vielleicht schon.

00:01:30: Wer soll das für uns entscheiden, was sich stimmig anfühlt oder was unser Weg ist.

00:01:38: Und unsere wesentliche Orientierung ist: Wann fühlt es sich stimmig an, wann fühlt es sich an,

00:01:46: als würde es mir entsprechen, als wäre das natürlich für mich, als wäre das schön?

00:01:52: Wenn wir nach dem gehen, was uns die Umgebung erzählt, dann geht es darum, möglichst viel zu

00:01:59: leisten, möglichst viel darzustellen und möglichst coole Sachen zu konsumieren.

00:02:06: Also, dass uns die Welt erzählt: „Leiste und konsumiere!“, klar.

00:02:13: Und dass das sich unterscheiden kann von unserer Orientierung oder was für uns sinnvoll ist,

00:02:18: ist vielleicht anders als was für die Medien oder für die Industrie sinnvoll ist.

00:02:27: [B] Und welchen Satz ich dann auch öfters höre, wenn es um so Sachen geht, mit irgendwie,

00:02:32: was man vielleicht wirklich machen möchte, wo‘s einen wirklich so hinzieht, ist ja, dass es diese

00:02:38: gesellschaftlichen Normen zum Beispiel gibt. Und dass ja die Gesellschaft so und so und so ist.

00:02:42: Ja, okay, wir sind Teil einer Gesellschaft, aber wo zieht es dich wirklich hin? Oder ist in 20, 30,

00:02:49: 40, 50 Jahren, wenn wir am Sterbebett liegen, willst du dann sagen, so, ja,

00:02:53: du hast der Gesellschaft konform oder brav irgendwie mitgelebt?

00:02:58: Da auch so den Mut zu haben, diesem Zug,

00:03:03: dem inneren und dieser Stimmigkeit nachzugehen. Wie kann ich das schaffen?

00:03:08: [D] Ein anderes Wort für Orientierung ist, Zug zu fühlen zu dem, was wir lieben.

00:03:18: Und das kann sich sehr unterscheiden von dem, was wir haben wollen oder was wir denken,

00:03:24: dass man haben sollte oder machen müsste oder so. Aber es ist, wie du sagst, ein Zug.

00:03:32: Den zu fühlen, das gibt die Orientierung. Zum Beispiel: Mit welchen Menschen habe

00:03:38: ich gern zu tun, an welchen Orten bin ich gern, welche Art von Zusammensein liebe ich,

00:03:45: welche Art von Aufmerksamkeit liebe ich, wie bin ich gern in der Welt?

00:03:53: Diese Perspektive, die du angesprochen hast: Wenn wir mal vom Ende unseres Lebens zurückschauen,

00:03:57: was ist das, worauf wir gern zurückschauen würden. Das ist eine gute Orientierung.

00:04:06: In meiner Zusammenfassung wäre es, ich habe es geliebt zu leben.

00:04:11: Ich habe Liebe gefühlt in diesem Leben, ich war mit Menschen zusammen, die ich geliebt habe.

00:04:17: Ich habe geliebt. Und im Unterschied von,

00:04:23: ich habe so viele coole Sachen gehabt. Das ist kein Gegensatz in dem Sinne,

00:04:29: aber es ist einfach, du kannst dir vorstellen, Leute, die sehr wenig erreicht haben in ihrem

00:04:38: Leben und sehr wenig besessen haben und ein sehr erfülltes Leben geführt haben.

00:04:46: Es war ein waches Leben und ein aufmerksames und liebevolles Leben.

00:04:54: Das ist kein Fernziel in dem Sinne, sondern das ist, was jetzt direkt erlebbar ist.

00:05:01: Und das ist, in dieser lebendigen Wachheit zu leben.

00:05:11: Liebevoll und offen für das, wie sich das Leben jetzt gerade zeigt.

00:05:16: [B] Und dann könnte sich die Stimme im Kopf einschalten und auch sagen:

00:05:22: „Ich muss auch eine Wohnung bezahlen. Ich möchte dann auch irgendwie

00:05:26: meinen Lebensstandard halbwegs erhalten. Vielleicht habe ich Kinder, vielleicht ...“

00:05:32: Und wie schaffe ich es trotzdem, egal wo ich gerade im Leben stehe,

00:05:35: wie meine Umstände sind, vielleicht auch wieder dieser Orientierung den Raum zu geben,

00:05:41: den sie gern hätte oder den sie auch verdient hat oder wo es einen hinzieht einfach?

00:05:47: [D] Indem ich zum Beispiel das fühle, die Liebe, in dem :

00:05:51: Ich möchte meinen Kindern ein schönes Leben bieten.

00:05:55: Ich möchte, dass die Kleidung zum Anziehen haben. Ich möchte, dass die ein schönes Zuhause haben.

00:06:02: Und dafür brauche ich Geld. Und das Gefühl von Liebe kann jetzt da

00:06:12: sein und kann die Motivation in dem Ganzen sein. Und vielleicht liebe ich den Arbeitsweg nicht

00:06:21: besonders oder vielleicht liebe ich es nicht, die Buchhaltung machen zu müssen oder so.

00:06:28: Aber ich liebe es, wofür ich das tue. Also ich tue es aus Liebe, und das, finde ich, ist

00:06:39: einfach eine sehr, sehr sinnvolle Orientierung. Und was wir eigentlich lieben ist,

00:06:46: dieses liebevoll und aufmerksam im Moment zu sein mit unseren Kindern.

00:06:54: Und für unsere Kinder ist es vielleicht schöner, liebevolle Eltern zu haben,

00:07:01: die mit ihrer Aufmerksamkeit bei ihnen sind, als „wir haben ihnen alles geboten“ – außer halt,

00:07:08: dass wir wirklich präsent waren. Wir waren halt so gestresst,

00:07:13: weil wir so viel arbeiten mussten, weil unsere Kinder so viel gebraucht haben.

00:07:18: Vielleicht brauchen sie weniger Sachen und mehr Aufmerksamkeit, genau wie wir.

00:07:26: [B] Ich glaube, das Wort „wirklich“ ist da ein cooler, ein passendes Wort,

00:07:34: weil was will ich wirklich? Wo zieht es mich wirklich hin? Was liebe ich wirklich?

00:07:39: Das ist irgendwie so ein guter Hinweis.

00:07:42: [D] Und das ist einfach auch ein Hinweis darauf: Das, was wir wirklich wollen, wie mit

00:07:48: dem Smartphone oder mit dem Karrieresprung oder mit dem, einen Gipfel zu erreichen oder sowas.

00:07:57: Ja, das sind Momente und dann, was kommt danach? Dass es vielleicht eher um eine Art geht,

00:08:05: da zu sein, als zu erreichen. Und das heißt, es geht nicht nur um

00:08:15: dieses Fernziel, sondern es geht jetzt darum, in diesem Moment, um es mal so romantisch zu sagen,

00:08:22: sich von Liebe leiten zu lassen. Ja, von diesem Gefühl,

00:08:26: was ist jetzt ein liebevoller Impuls. Und nicht unbedingt diese Frage in Worten, sondern

00:08:34: diese Frage als eine Art der Aufmerksamkeit. Offenheit für diesen Moment im Vertrauen darauf,

00:08:45: dass sich da was Liebevolles zeigen kann. Es zieht mich wohin, was ich liebe.

00:08:53: Das ist so diese supernatürliche Ausrichtung. Und wann fühle ich diese Ausrichtung

00:09:02: und diese Liebe? Wenn ich mit der

00:09:05: Aufmerksamkeit in der Gegenwart bin. Wenn meine Aufmerksamkeit frei ist von

00:09:12: all diesen Vorgaben, was ich noch alles erreichen müsste und sollte.

00:09:22: Und die Aufmerksamkeit bei dem ist: Wie ist es denn jetzt?

00:09:27: Diese offene Aufmerksamkeit ist von Natur aus schon liebevoll, braucht überraschend

00:09:35: wenig anderes als Aufmerksamkeit dafür, dass da Aufmerksamkeit ist.

00:09:46: Dass da eine Wachheit ist, die von Haus aus liebevoll ist.

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