Die Quelle des Erlebens
Shownotes
Warum richtet sich unsere Aufmerksamkeit so oft nach außen?
Wir beschäftigen uns mit dem, was in der Welt geschieht, mit Ereignissen, Problemen und Möglichkeiten. Doch was geschieht eigentlich, wenn die Aufmerksamkeit sich dem Erleben selbst zuwendet?
Im Gespräch erkunden wir die Beziehung zwischen Welt, Aufmerksamkeit und Erleben. Wir sprechen darüber, wie Gedanken und Gefühle unser Erleben prägen, warum äußere Reize die Aufmerksamkeit so leicht anziehen – und was sichtbar wird, wenn wir uns der Frage öffnen, was all das überhaupt erlebt.
Themen: • Was bedeutet es, sich mit sich selbst zu beschäftigen? • Gedanken, Gefühle und Aufmerksamkeit • Die Frage: Was ist das, was erlebt? • Warum Aufmerksamkeit so leicht nach außen geht • Die Kommentarspur des Denkens • Stille und unmittelbares Erleben • Die Quelle des Erlebens • Die Quelle in der Welt • Lebendigkeit als Stille und Bewegung
Re-Source – Leben als Spielraum Gespräch 19
Mehr Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source
Transkript anzeigen
00:00:00: [B] Lieber Dittmar, warum wenden sich Menschen allem Möglichen im Außen zu,
00:00:05: bevor sie sich mit sich selbst beschäftigen?
00:00:07: [D] Was würdest du sagen, ist "sich mit sich selbst beschäftigen"?
00:00:11: [B] Sich selbst besser zu verstehen, wie man in gewissen Situationen reagiert,
00:00:15: warum man so reagiert, was da gedanklich und gefühlstechnisch abläuft in einem.
00:00:21: [D] Also sich mit sich selbst beschäftigen heißt, seine Gedanken verstehen und die Gefühle
00:00:27: verstehen, die mit diesen Gedanken verbunden sind und so. Und um es mal super grundsätzlich
00:00:35: zu sagen: Sich mit sich selbst zu beschäftigen heißt, zu erkunden, was heißt Erleben?
00:00:42: Wie ist das Erleben für einen Menschen, welche Kommentare tauchen dazu auf,
00:00:48: welche Emotionen tauchen dazu auf, wie reagieren die Kommentare auf die Emotionen und
00:00:55: umgekehrt – und was hat die Welt damit zu tun? Das ist nicht so isoliert „wir beschäftigen
00:01:01: uns mit uns, also nicht mit der Welt“. Aber die umgekehrte Seite, so wie deine Frage
00:01:06: ja eben auch ist, ist: Man kann sich natürlich extrem viel nur mit der Welt beschäftigen.
00:01:13: Aber was immer wir von der Welt mitkriegen, hat ja auch mit dem zu tun,
00:01:18: wie wir sie auffassen, wie wir sie erleben. Und das hat damit zu tun: Wie denken wir darüber,
00:01:25: wie interpretieren wir das, was wir erleben, aus welcher Art der Aufmerksamkeit erleben
00:01:31: wir das, welche Emotionen gibt es dazu. Dieses Zusammenspiel zu verstehen ist,
00:01:37: glaube ich, ein wesentlicher Punkt. Es geht weder nur um die Welt, noch geht
00:01:46: es nur um mein Innenleben, sondern einfach: Wie ist mein Kontakt in der Welt,
00:01:53: wie ist meine Aufmerksamkeit zur Welt, und wie reagiere ich auf das, was passiert?
00:02:00: Was ist mein Input und was ist mein Output, um es so zu beschreiben.
00:02:09: Und dann gibt es noch einen interessanten Aspekt von dem: Wenn die Aufmerksamkeit
00:02:14: auf mich geht, was ist das, was da erlebt? Da sind diese ganzen Sinneseindrücke, wir
00:02:23: machen den Fernseher an und sehen was über Krieg, und dann sehen wir was über Gorillas
00:02:30: im Regenwald und so, und dann schauen wir aus dem Fenster und sehen Autos und Bäume, und dann hören
00:02:37: wir in uns rein und hören Gedanken und fühlen Emotionen – und was ist das, was das erlebt?
00:02:46: Diese Erlebensfähigkeit, diese Offenheit, was ist denn das?
00:02:54: Um auf die Frage zurückzukommen, warum geht die Aufmerksamkeit eher nach außen?
00:03:02: Ja, erstens ist es super gewohnt und zweitens ja auch super leicht und gefördert durch diese
00:03:12: ganzen Reize, die die Welt halt zu bieten hat. Und wenn wir nach innen schauen oder fühlen, ist
00:03:21: es irgendwie … erst mal scheinen unsere Gedanken oft ja gar nicht so wahnsinnig interessant zu
00:03:27: sein, sondern Gedanken sind ja das, was das Leben so super alltäglich erscheinen lässt.
00:03:34: Ja, was so erzählt, was wir erleben, und das alles in bekannten Begriffen,
00:03:38: und deswegen erscheint es so: So interessant ist das Denken dann auch wieder nicht.
00:03:43: Und dann sind wir halt auch was, was nicht so wahnsinnig interessant ist,
00:03:48: weil: ja, der übliche Körper mit den üblichen Gedanken und den üblichen Gefühlen sozusagen.
00:03:56: Dann merken wir, dass dieses Normalisieren, ja, so einfach „ich weiß,
00:04:03: woran ich bin“ und was für viele Leute so die mentale Orientierung in der Welt ist,
00:04:09: dass das wie so eine Schicht ist in dem Ganzen, ja, so ein Erklärungsprogramm,
00:04:14: so eine Kommentarspur sozusagen – und dass davor einfach dieses ursprüngliche Erleben ist, was,
00:04:25: wenn die Aufmerksamkeit dahin geht, was wirklich erlebt, dass das eben nichts Bekanntes ist,
00:04:33: nichts, worüber man sagen kann: „Ja ja, das ist halt das und das, also das Denken sagt das,
00:04:39: aber das Erleben ist halt einfach ganz, ganz anders als das Denken darüber.
00:04:48: Was findet die Aufmerksamkeit interessanter? Action, Lautstärke oder Stille?
00:04:57: Oder Bewegung und Stille, was, wo geht die Aufmerksamkeit hin?
00:05:03: Und dann können wir merken, ja, es gibt diesen Zug von, es verändert sich was, es ist bunt,
00:05:08: es ist in Bewegung, das ist interessant für die Aufmerksamkeit – und gleichzeitig
00:05:15: ist es super interessant: Was ist das, was still ist?
00:05:20: Finde ich was, was nicht kommentiert? Finde ich was, was diese ganzen Bewegungen
00:05:32: und Veränderungen erlebt? Und bewegt sich das oder ist das still?
00:05:47: Diese Empfänglichkeit für das Erleben, das ist was mega Lebendiges.
00:05:58: Und für das Denken ist es was, womit es nichts anfangen kann.
00:06:03: Das ist schon mal interessant: Etwas, mit dem das Denken einfach gar nichts anfangen kann!
00:06:11: Und dann kann das Denken natürlich seine Theorien dazu entwickeln und seine Philosophien und:
00:06:16: „Ja, ja, genau, die Stille und das ist ja auch, da kann man ja dann
00:06:20: auch Nirwana …“ oder was weiß ich was, ja so, und kann seine Konzepte dazu erfinden
00:06:26: oder abspulen oder was auch immer. Und gleichzeitig ist es super klar,
00:06:31: ja, das ist einfach halt eine Bewegung im Denken, das ist ein Formulieren und
00:06:36: das ist ein Kategorisieren und das ist … Und davor ist diese Lebendigkeit, die still
00:06:43: ist und das erlebt, dieses Kategorisieren. Diese ganze Bewegung erlebt.
00:06:50: Warum ist die Aufmerksamkeit so selten da? Weil sie so oft bei was anderem ist.
00:06:58: Aber wenn sie mal da ist, dann kommt sie sehr leicht auf den Geschmack von: Das ist schön.
00:07:11: Und „schön“ ist ein bisschen schwaches Wort fast dafür, das ist einfach eine Quelle.
00:07:22: [B]
00:07:25: Und die Quelle, oder wenn man es so beschreibt, die Quelle schließt das andere ja nicht aus.
00:07:31: [D] Ne, genau, weil das ist die Quelle von all dem, was wir da erleben.
00:07:36: [B] Das meine ich, aber oft ist ja manchmal so diese Unterscheidung auch da wieder,
00:07:41: dass der Verstand versucht, da zu unterscheiden.
00:07:44: Zu sagen: „Die Quelle kann‘s einfach nicht sein, ich muss ja auch was bewirken mit dem allen,
00:07:49: was da sich zeigt. Ich muss da was machen, ich habe eine Verantwortung dem gegenüber.“
00:07:53: [D] Und das ist was, wenn das Denken ins Spiel kommt,
00:07:57: dann kann es auch diese Quelle so sozusagen in den Vordergrund stellen, dass es sagt:
00:08:02: „Ja, der Rest ist alles nur Erscheinung oder Illusion“ oder was auch immer.
00:08:09: Und das wäre das andere Extrem zu dem: die Aufmerksamkeit ist nur bei der Welt.
00:08:17: Und dieses Zusammensein zu erleben von, das ist die Quelle, die sich in der Welt zeigt.
00:08:24: Und dieses ursprüngliche Erleben ist körperlich da, ist auch im Geist da,
00:08:34: ist in den Sinnen da, ist im Kontakt. Der Kontakt muss keine Ablenkung sein
00:08:41: von dieser Quelle, sondern das ist die Quelle in Aktion sozusagen, in Bewegung.
00:08:50: Das ist, wie die Quelle sich zeigt oder wie sie sich spiegelt.
00:09:02: [B]Und dann passiert was. Oder man macht was. Und man tut was. Oder auch nicht.
00:09:06: [D] Ja, und dann geschieht das, was geschieht. Und das ist nicht "die Quelle, ist distanziert
00:09:17: von dem Ganzen", sondern die Quelle ist der Ursprung von dem Ganzen.
00:09:25: Diese ursprüngliche Aufmerksamkeit kann beibehalten werden in der Welt, in der Action.
00:09:37: Darin kann ich mich auch bewegen. Lebendigkeit ist nicht Stillhalten.
00:09:42: Aber es ist auch kein Ausschließen der Stille, sondern das ist einfach:
00:09:45: Lebendigkeit ist diese Stille, die die ganze Action erlebt, und ist diese Action.
Neuer Kommentar