Wie Krisen uns wecken

Shownotes

Was macht uns wirklich bewusst?

Im Gespräch gehen wir der Frage nach, wie Krisen und schwierige Erfahrungen uns helfen können, das Leben anders zu sehen. Dabei wird deutlich, dass Schmerz, Verlust und Veränderungen keine Ausnahme, sondern Teil des Lebens sind.

Anhand einer persönlichen Geschichte über einen Mann, der nach einem Unfall im Rollstuhl lebt und heute große Lebensfreude ausstrahlt, sprechen wir über Neuorientierung, Dankbarkeit und die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen lebendig zu bleiben.

Themen: • Glück und Berührtsein • Die Rolle von Bewusstsein • Was ist wesentlich im Leben?

Re-Source – Leben als Spielraum Gespräch 16

Mehr Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source

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00:00:00: [B]: Lieber Dittmar, was sagst du zu  dem Satz, das Leben ist nicht dafür da,

00:00:04: uns glücklich zu machen, sondern  dafür, uns bewusster zu machen?

00:00:09: [D]: Ja, interessanter Satz. Wäre schön, wenn uns das Leben glücklich macht.

00:00:16: Und damit es uns glücklich macht, ist es  schon mal super hilfreich zu bemerken,

00:00:23: was macht uns denn glücklich? Und dafür braucht es halt Bewusstsein.

00:00:28: Deswegen geht es auf alle Fälle mal mit  Bewusstheit los, mit einer Klarheit darüber,

00:00:35: was macht denn glücklich? Und so unsere Erfahrung

00:00:38: und die Erfahrung von allen Menschen  und allen Wesen auf dem Planeten ist,

00:00:43: dass niemand durchgehend schöne Sachen erlebt. Dass es Schmerzen gibt, zum Beispiel, das ist

00:00:53: universelle Erfahrung, dass es Verluste gibt, dass  Menschen, die wir lieben, sterben, dass wir selber

00:01:02: krank werden oder Schmerzen haben und so. Deswegen, was wir auf alle Fälle

00:01:08: sagen können, ist: Wir können daraus

00:01:10: lernen und wir können eine Klarheit darüber  finden, wann fühlt sich das Leben schön an?

00:01:17: Und „schön“ ist schon mal  auch anders als „glücklich“.

00:01:24: Also zum Beispiel: Wir können schöne Musik

00:01:27: hören und die kann sehr, sehr traurig sein. Und unser Gefühl ist nicht Glück in dem Sinne

00:01:32: von irgendwie ekstatisch oder was auch immer,  nicht „happy“ in dem Sinne, sondern berührt.

00:01:39: Und es kann einen Zauber in  diesem Berührtsein geben.

00:01:46: „Bewusst“ heißt auch für mein Verständnis nicht: „Aha, ich habe das jetzt alles analysiert und

00:01:53: ich kann es erklären; ich bin die ganze  Zeit in so einer Meta-Ebene“ oder sowas,

00:01:58: sondern „bewusst“ heißt, ich bin da  und erlebe diesen Moment ganz und klar.

00:02:06: Und das ist – scheint mir – die  Voraussetzung für Glücklichsein.

00:02:15: Also ich würde den Satz so beschreiben:  Bewusstsein hilft sehr, um glücklich zu sein.

00:02:25: [B]: Und können vermeintlich schlimme Erlebnisse,

00:02:30: negative Dinge, das auch beschleunigen  oder befördern, dass man bewusster wird,

00:02:38: dass man dann eventuell auch mehr  Glück empfindet oder mehr berührt ist?

00:02:45: Weil in meiner Beobachtung oder in auch  vielen Unterhaltung, die ich geführt habe,

00:02:49: ist das schon auch so der Fall, dass einschneiden de Erlebnisse oder auch wirklich Dinge, die jetzt

00:02:55: nicht lässig sind, dafür gesorgt haben, dass  man offener wird, dass man Dinge anders sieht,

00:03:00: dass man ja auch berührter ist, lebendiger sich  anfühlt. Und auch dem Leben, das ist einfach,

00:03:09: alles sehr … „Berührt“ ist eigentlich  ein super Wort. Ich finde das Wort super.

00:03:16: [D]: Evolution läuft so ab, dass  es Probleme gibt und dann gibt

00:03:21: es eine Reaktion darauf und eine Veränderung. Also Bäume werden riesengroß und nehmen allem,

00:03:30: was unter ihnen wächst, das Licht weg. Und das ist ein Problem für das,

00:03:35: was da unten ist und dann gibt es  halt irgendwie eine Reaktion darauf.

00:03:41: Ein Lernen wie zum Beispiel, dass sich  dann andere Pflanzenarten entwickeln,

00:03:46: andere Arten der Ausbreitung. Und oft kommen diese Entfaltungen durch

00:03:52: Umdenken, durch eine Neuorientierung, dadurch,  dass irgendwas nicht mehr so funktioniert,

00:03:58: wie es funktioniert hat oder  wie wir es uns wünschen würden.

00:04:03: Oft kommt Veränderung und Bewusstseinserweiterung  durch schmerzhafte Erlebnisse oder durch eine Art

00:04:13: von Niederlage, durch Verluste,  durch diese ganzen Sachen.

00:04:18: Und das ist eben, wie gesagt,  universelle Erfahrung.

00:04:23: So ist das Leben eben auch, dass niemand  nur gesund und schmerzfrei da durchkommt.

00:04:32: Und das zu akzeptieren, dass das einfach  Teil vom Spiel ist und Teil vom Leben ist,

00:04:41: hilft schon mal sehr, glücklich zu sein,

00:04:44: eben glücklich, lebendig zu sein. Und das all inclusive.

00:04:55: [B]: Mir fällt gerade eine Geschichte  ein von einem Freund, Bekannten,

00:05:02: den ich kennengelernt habe im Zuge meiner  Suche nach einem Sporttrainer oder Trainerin,

00:05:07: der oder die auch im Rollstuhl sitzt. Weil wir wollen ja inklusiv

00:05:10: arbeiten bei unseren Sommercamps. Und dann habe ich Markus getroffen

00:05:16: und dann habe ich mit ihm geredet, hab mich auch interessiert, was seine Geschichte ist.

00:05:21: Und er hat gesagt, um es kürzer zu  machen, er hat einen Unfall gehabt

00:05:25: mit dem Auto, wo er nicht selber gefahren ist,  aber dann ist er aufgewacht und war halt dann

00:05:30: sozusagen an den Rollstuhl gebunden. Also hat seine Beine nicht

00:05:33: mehr bewegen können und so. Und ist jetzt halt auch Profisportler,

00:05:38: Kletterer und hin und her. Da habe ich gesagt, ja,

00:05:41: also er ist ein Hero, ein Wahnsinn. Also das ist so cool und lässig,

00:05:46: wie er damit umgegangen ist und umgeht und so. Und er hat gesagt, weißt du, Bernd, ich bin kein

00:05:51: Hero, hat er gesagt. Er hat gesagt, für mich sind die die Heroes,

00:05:54: die keinen Unfall brauchen, um das Leben  auch so zu sehen, wie er es jetzt sehen kann.

00:05:59: So dankbar zu sein und so einfach auch  die Dinge zu tun, wo es ihn hinzieht.

00:06:04: Wo wir auch schon in anderen  Folgen darüber gesprochen haben,

00:06:07: einfach diese Orientierung zu haben und  dem zu folgen, wo es einen hinzieht.

00:06:11: Und das habe ich sehr inspirierend gefunden  und der Satz, der ist hängen geblieben.

00:06:16: [D]: Ja, und gleichzeitig ist  er natürlich ein Hero auch.

00:06:24: Ja, so das, weil diese Art, damit  umzugehen und daraus Kraft zu

00:06:32: ziehen und Klarheit darin zu finden und sowas. Und vielleicht braucht es keine so großen Unfälle.

00:06:42: Aber es ist einfach: natürlich, wenn  was nicht so läuft, wie gedacht,

00:06:47: hilft es, das Denken in Frage zu stellen.

00:06:50: [B]: Das Spannende ist, jetzt  fällt es mir auch wieder ein:

00:06:55: Er war in Hamburg zu der Zeit und hat  gesagt, er hätte sich zu Tode gearbeitet.

00:07:00: Und dann ist halt der Unfall passiert  und ist auch irgendwie, ja, ich glaube,

00:07:06: da gibt es jetzt kein passendes Adjektiv dafür,  aber es ist spannend oder interessant oder

00:07:11: das Leben einfach, dass so ein Mensch  dann sowas erlebt und jetzt einer der

00:07:18: glücklichsten Menschen ist, den ich kenne. Weil er einfach glücklich ist mit dem Leben,

00:07:23: das er lebt. Und er hätte sich  zu Tode gearbeitet vorher.

00:07:28: [D]: Das Thema „Bewusstsein“ ist in gewisser Weise  ja: Was ist denn eigentlich wesentlich am Leben?

00:07:38: Was ist so die, um es mal so zu  sagen, die Essenz von Lebendigsein?

00:07:44: Und das ist die Essenz, ist lebendig sein. Und das ist, ob die Beine funktionieren

00:07:50: oder nicht, ist nicht so essentiell. Und gleichzeitig ist es natürlich,

00:07:57: wenn man das hört zum Beispiel, neues  Erleben der Beine und eine Freude darüber,

00:08:03: aufstehen zu können und so weiter. Und so hat er halt vielleicht diese Freude,

00:08:11: einfach lebendig zu sein,  weiterhin erleben zu können.

00:08:16: Und so ist es halt mit all diesen  Einschränkungen und Verlusten, die wir erleben:

00:08:23: Wir erleben diesen Verlust,  weil wir lebendig sind.

00:08:28: Wie fühlt sich das an, lebendig zu sein?

00:08:31: Und was heißt es zu erleben? Das ist essentiell.

00:08:37: Diese ursprüngliche Freude, die nichts  anderes braucht als lebendig zu sein.

00:08:42: Und um zu dieser Lebensfreude  hinzukommen, hilft es zu akzeptieren,

00:08:49: was das Leben alles so mit sich bringt. Wie zum Beispiel auch einen Verlust von

00:08:54: Beweglichkeit oder Verlust von einem Menschen,  Verlust von einem Job, Verlust von was auch immer.

00:09:00: Aber da ist weiterhin "ich erlebe". Da ist weiterhin Lebendigkeit als ich, als wir.

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