Ablenkung verstehen

Shownotes

Ablenkung verspricht Erholung — aber oft hält sie den inneren Stressmodus aufrecht, von dem wir uns eigentlich erholen möchten.

Wenn die Ablenkung wegfällt, wird spürbar, was vorher im Hintergrund war: Anspannung, innere Unruhe, mentale Daueraktivität.

Im Gespräch geht es darum, wie Aufmerksamkeit den Körper wieder ins unmittelbare Erleben zurückbringen kann — und wie daraus Klarheit, Ruhe und neuer Spielraum entstehen.

Wir sprechen darüber,

• warum echte Ruhe sich anfangs ungewohnt anfühlen kann • weshalb der Körper Aufmerksamkeit braucht — nicht nur Unterhaltung • wie kleine Momente des Innehaltens helfen können • warum Fühlen nichts „wegmachen“ muss, damit sich etwas entspannen kann

Ausgehend von einfachen Beispielen — vom eingeschlafenen Fuß bis zum Arbeiten im Dauermodus — entwickelt sich ein Gespräch über Aufmerksamkeit, Körpergefühl und einen lebensfreundlichen Umgang mit sich selbst.

Themen: • Ablenkung als Überlagerung von Anspannung • innere Unruhe und körperlicher Stress • Aufmerksamkeit fürs Fühlen • Integration durch Körperwahrnehmung • To-Do-Modus und mentale Dauerbeschäftigung • kleine Übergänge zwischen Tätigkeiten • Bewegung statt weiteres Ruhigstellen • Körpergefühl, Spielraum und Lebendigkeit • lebensfreundlicher Umgang mit Arbeit und Pausen

Re-Source – Leben als Spielraum Gespräch 15

Mehr Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source

Transkript anzeigen

00:00:00: [B] Lieber Dittmar, was hält Ablenkungen,

00:00:03: diese innere Unruhe, ständig was tun zu müssen, am Leben?

00:00:07: [D] Ablenkungen haben ja eine Funktion, abzulenken. Und wenn die Ablenkung aufhört,

00:00:16: dann zeigt sich das, wovon sie ablenken sollten. Also zum Beispiel gibt es diesen Modus,

00:00:22: der einen weiter im Denken hält. Also man kommt zum Beispiel aus der Arbeit und hat den ganzen Tag

00:00:27: gedacht und dann kommt man nach Hause und die Arbeitsgedanken laufen irgendwie noch weiter.

00:00:32: Und um sich von diesen Arbeitsgedanken abzulenken und von dem körperlichen Stress,

00:00:39: der damit verbunden ist, dieser Anspannung, diesem Arbeitstunnel, – um sich davon abzulenken,

00:00:45: macht man den Fernseher an oder YouTube oder was auch immer. Und wenn man dann darauf verzichtet,

00:00:52: dann kommt halt diese Anspannung, die da im Hintergrund ist, zum Vorschein. Und warum hat

00:00:57: man sich davon abgelenkt? Weil diese Anspannung halt einfach nicht besonders angenehm ist.

00:01:03: Und die braucht halt einfach ein bissl, um zur Ruhe zu kommen. Weißt du, du kennst vielleicht

00:01:08: das, dass einem der Fuß einschläft, weil man irgendwie da drauf sitzt oder was auch immer. Und

00:01:15: das ist alles nicht so wild und unterschwellig, bis es einem bewusst wird. Und dann, wenn der Fuß

00:01:21: aufwacht, das fühlt sich seltsam an. Wenn die Ablenkung aufhört,

00:01:27: dann kommt das in den Vordergrund, wovon es ablenken wollte. Es fühlt sich leer an,

00:01:33: unvollständig an, unbefriedigend an. Wir fühlen halt Stress, der vorher eher im Hintergrund war.

00:01:41: Und dann wollen wir uns was Gutes tun und dann greifen wir halt auf das zurück,

00:01:47: wovon wir uns Besserung erhoffen. Wie zum Beispiel Ablenkung, irgendeine Art von Droge,

00:01:55: Schokolade, Alkohol, was auch immer. Die Ablenkung überlagert das Hintergrundgefühl

00:02:03: von Anspannung oder von diesem Arbeitsmodus. Das wird überlagert durch Ablenkung, geht aber nicht

00:02:12: wirklich weg dadurch. Und wenn die Ablenkung aufhört, kommt es wieder in den Vordergrund.

00:02:20: Und das scheint ja irgendwie eher ein Rückschritt zu sein. Wir wollen ja, dass wir uns gut fühlen.

00:02:25: [B] Ja, oder wirklich einmal Pause machen. Weil ich kenne es halt auch,

00:02:30: wie du das Beispiel beschrieben hast, wenn jetzt Arbeit ist oder was zu tun ist,

00:02:35: dass man dann eine Pause macht. Und in der Pause macht man, natürlich nicht ich,

00:02:42: nicht wirklich Pause. Oder manchmal nicht, was einem, was mir in dem Moment gut tun

00:02:46: würde. Sondern auch diese Gewohnheit, dann was auf YouTube anzuschauen oder was anderes zu machen.

00:02:53: [D] Ja, es ist einfach halt weiterhin mentale Beschäftigung, nur mit einem anderen Thema.

00:03:00: Statt dass ich jetzt denken muss, höre ich Gedanken von anderen Leuten. Aber es bleibt

00:03:06: halt weiter in diesem mentalen Wort-Modus. Und aus dem rauszukommen, braucht einen Moment Geduld,

00:03:17: dass es nicht ist, ich schalte das Denken ab und alles ist rosig. Sondern einfach,

00:03:22: ich schalte das Denken ab und merke, dass Anspannung im Körper ist. Und die braucht

00:03:27: Aufmerksamkeit, um zur Ruhe kommen zu können. [B] Ich finde das Beispiel von dir vorher mit

00:03:35: dem eingeschlafenen Fuß, finde ich sehr treffend. Weil das Gefühl, wenn dann das wieder aufwacht,

00:03:42: das kann ein guter …, also wird mich erinnern auch an diese Situation jetzt,

00:03:48: wenn das das nächste Mal so sein sollte. Weil das braucht einfach ein bisschen und

00:03:51: das ist ziemlich intensiv, aber dann ist es wieder angenehm. Und sozusagen nicht mehr eingeschlafen.

00:03:58: [D] Es ist auf alle Fälle eine gute Idee, irgendwann von dem Fuß runter zu gehen.

00:04:03: Selbst wenn es sich erst mal nicht besonders angenehm anfühlt. Und auch nicht von einer

00:04:09: Sekunde auf die andere weg ist. Und trotzdem ist es einfach das, was der Körper braucht.

00:04:16: Das zu fühlen: Wie geht‘s dem Fuß. Oder um das anders zu beschreiben:

00:04:23: Die Aufmerksamkeit war jetzt eine ganze Zeit nicht bei dem Fuß.

00:04:27: Der Fuß war sehr im Hintergrund des Erlebens. Und damit das wieder ins ganze Erleben integriert

00:04:34: werden kann, ist es nötig, dass der Fuß gefühlt wird, so wie es ihm gerade geht.

00:04:40: [B] Und dann meldet er sich halt ein bissl. Und dann kann man auch so beschreiben,

00:04:43: dass er vielleicht dann sagt, hey, ich bin auch noch da.

00:04:48: [D] Und vielleicht auch für einen Moment beleidigt reagiert, dass wir so lange auf

00:04:53: dem Fuß gesessen sind. Das ignoriert haben, ja. Und trotzdem ist es alles, was der braucht, ist

00:04:57: diese Aufmerksamkeit. Und dann, unsere Erfahrung ist: Das integriert sich wieder von selbst.

00:05:06: Diese Integration braucht nichts anderes als dass wir dem Fühlen die Aufmerksamkeit schenken.

00:05:12: [B] Eine kurze, hilfreiche Sache könnte auch sein, nach jeder Tätigkeit mal innezuhalten

00:05:18: und einmal durchzuatmen ein bisschen. Das versuche ich beim Camp auch mit

00:05:21: den Kids ein bisschen zu machen und auch den Trainerinnen und Trainern mitzugeben.

00:05:27: Ich merke auch, dass ich es dann ab und dann vergesse. Und ich weiß dann aber auch,

00:05:30: wie es mir geht, wenn ich es vergesse – und wie es mir aber geht, wenn ich auf das achte.

00:05:34: Nach jeder Tätigkeit einmal zumindest einen Atemzug und dann weitermachen. Also das kann

00:05:39: so ein kleines Tool vielleicht sein, was auch so hilfreich sein könnte.

00:05:42: [D] Sehr hilfreiches Tool, ja. Dass wir nicht über Stunden in demselben mentalen Modus sind. Weißt

00:05:51: du, ich arbeite ja viel mit Leuten, wo es auch um dieses Thema Burnout geht. Und ich empfehle

00:05:57: das vielen Leuten, nach einem Telefonat, zwei Sekunden, zwei Atemzüge einfach nur zu fühlen.

00:06:07: Wie sind die Füße auf dem Boden? Wie ist der Atem grad? Statt irgendwie „okay, das war das Gespräch,

00:06:12: was muss ich als nächstes tun?“ –zwischendurch einfach nur als atmendes Lebewesen da zu sein.

00:06:19: Meine Erfahrung und die von vielen Leuten, mit denen ich gearbeitet habe,

00:06:23: ist: Es ist super hilfreich, kurz mal durchzuatmen. Das ist einfach, um es in

00:06:29: ner Computermetapher zu beschreiben: Es hilft, den Arbeitsspeicher zu leeren. Dieses Fenster zu

00:06:36: schließen und Arbeitsspeicher freizugeben für das, was jetzt als nächstes ansteht.

00:06:43: Und zwischendurch sich zu erlauben, einfach nur körperlich im Moment zu sein, statt Stunden und

00:06:51: Tage im To-Do-Modus. Und dann aus diesem To-Do-Modus rauskommen zu wollen, indem man

00:06:57: sich ablenkt. Das macht es dann schwieriger. Und dann wird halt anschließend fühlbar:

00:07:04: Wow, es war ganz schön anstrengend für den Körper. Ganz schön viel Anspannung,

00:07:08: bei dem zu sein, was zu tun ist, statt was sich körperlich gut anfühlt. Nämlich durchzuatmen und

00:07:17: sich vielleicht auch ein bisschen zu strecken, da zu sein wie ein Hund oder wie eine Katze.

00:07:26: [B] Ja, bei Hunden, ich kann es nur von Hunden sagen, merkt man es aber auch,

00:07:31: dass die Meister sind, sich dann so zu bewegen, wie es sich gerade richtig

00:07:36: anfühlt. Und dann wieder einer Tätigkeit voll nachzugehen, wenn das gerade das Wichtigste ist,

00:07:41: das Lieblingsplüschtier-Spielzeug zum Beispiel. Und dann kann es sein,

00:07:44: auf der nächsten Sekunde, dass ein Strecker kommt und es wird wieder eine Pause gemacht.

00:07:49: Die sind wirklich da Meister in der Sache. Aber so könnte es beim Arbeiten ja auch

00:07:53: sein. Mir geht es manchmal auch so, dass ich mit einer Tätigkeit beginne,

00:07:56: mit einer Mail und dann die vielleicht nicht ganz fertig habe. Und dann eine andere Sache

00:08:01: schon ein bisschen beginne und dann da wieder etwas mache. Ist das unbedingt nur negativ?

00:08:07: [D] Natürlich, was sich für dich gut anfühlt,

00:08:11: ist gut für dich. Aber es ist wahrscheinlich hilfreich, wenn das verschiedene Tätigkeiten

00:08:15: sind. Also zum Beispiel, dass du eine Mail schreibst oder irgendwie vielleicht

00:08:22: einen Bericht oder was weiß ich und dann zwischendurch bissl Geschirr spülst, ja? Also,

00:08:26: dass es einfach Abwechslung braucht. Dass es zum Beispiel nach viel Formulieren oder sowas einfach

00:08:31: was mit mehr Bewegung und weniger Gedanken braucht. So wie Geschirrspülen zum Beispiel.

00:08:39: [B] Ja. Das finde ich ganz spannend, oder? Dass das wirklich auch, merke ich schon,

00:08:43: dass diese Abwechslung echt auch gut tut.

00:08:45: [D] Genau. Da ein Gefühl dafür zu haben, weißt du, das ist so ähnlich, wie wir das beschrieben

00:08:51: haben mit dem Fuß. Zu fühlen, schön langsam fühlt es sich nicht mehr gut an, auf diesem

00:08:57: Fuß zu sitzen und ihm dann Bewegung zu gönnen. Das heißt nicht, es ist eine schlechte Idee,

00:09:03: auf diesem Fuß zu sitzen, sondern nach einer Weile braucht es was anderes.

00:09:09: [B] Und ich glaube auch, das so zu sehen und das auch zu sagen, das braucht es einfach,

00:09:13: weil manchmal ist vielleicht schon so der Gedanke da, also ich muss es jetzt durchziehen,

00:09:17: das und das und das und das und das. Aber dabei kann man es auch vielleicht lebensfreundlicher

00:09:23: oder liebevoller machen, wenn man sich, wenn man mal durchatmet vielleicht nach jeder Tätigkeit,

00:09:28: dann schaut, was braucht es jetzt oder auf was hab ich jetzt Lust, so vielleicht das Ganze anzugehen.

00:09:32: [D] Ja, weißt du, so, wenn man an Schule denkt zum Beispiel, man könnte theoretisch ja sagen,

00:09:38: so Montag ist der Mathe-Tag. Da wird den ganzen Tag Mathematik gemacht und Dienstag

00:09:45: ist dann der Sporttag. Da wird den ganzen Tag Sport gemacht. Aber natürlich ist es besser,

00:09:51: schlauer, leichter, eine Stunde Mathe zu haben und dann eine Stunde Sport zu haben.

00:09:57: [B] Ja, ich finde das, vielleicht ist es eine Banalität, dass man sich den Raum gibt, aber

00:10:03: ich glaube, man vergisst öfters drauf, dass man wirklich mal so eincheckt vielleicht und schaut,

00:10:06: was es gerade braucht oder manchmal ist es ja auch natürlich, dass der Körper sich dann anpasst

00:10:11: und so, ja, das tut, was gerade sich richtig anfühlt, aber manchmal halt eben auch nicht.

00:10:17: Und manchmal ist es vielleicht sogar ein bisschen zu spät. Beispiel wie der Fuß eingeschlafen, weil

00:10:20: eigentlich ist das ein Zeichen, dass ich dem Fuß ja zu wenig Aufmerksamkeit gegeben habe und der

00:10:25: sich dann, wie du auch vorher schon beschrieben hast, vielleicht ein bisschen beleidigt meldet,

00:10:28: dass es dann intensiver wird. Und dann ist es eh wieder so, wie es sich angenehm anfühlt.

00:10:34: Aber, also ich kann, wie gesagt, eh nur von meiner Erfahrung reden, aber es wird schon leicht auch

00:10:39: übersehen. Also es kann leicht übersehen werden, dass man da eincheckt und dass man

00:10:43: dem mehr Raum gibt, was sich vielleicht auch stimmiger oder angenehm anfühlt.

00:10:47: [D] Ja, verständlich, weil wir ja in einem To-Do-Modus sind und weil es was

00:10:54: zu erledigen gibt. Und dann gibt es die Tendenz, das will ich jetzt hinter mich

00:10:59: bringen und Pausen kosten mich nur Zeit. Ja, so ein klassisches Beispiel wäre ja

00:11:05: auch beim Autofahren: Ja, schön langsam wird die Fahrt anstrengend, aber wenn ich jetzt

00:11:12: eine Pause mache, dauert es ja noch länger. Und trotzdem kann es eine gute Idee sein,

00:11:17: Pause zu machen und die Fahrt dann zu genießen. Dass es nicht nur darum geht,

00:11:22: anzukommen, sondern einen schönen Tag zu haben, eine schöne Fahrt, einen schönen Arbeitstag.

00:11:30: Statt die Gefühle in den Hintergrund zu drängen und nur mental da sein zu wollen. Dann reagiert

00:11:37: halt der Körper beleidigt. Und dann kommen wir nach Hause und der Körper ist so ein dumpfes,

00:11:44: zusammengedrücktes Etwas im Hintergrund. Und dass sich das ausbazen kann, dauert

00:11:51: dann halt ein bisschen und fühlt sich eben nicht so wirklich von vornherein schön an.

00:11:56: Und dann versuchen wir, uns was Gutes zu tun, und machen uns das Bier auf oder die Chips oder den

00:12:03: Fernseher oder was auch immer. Das sind nicht so die tauglichsten Maßnahmen, um den Körper

00:12:10: wieder in den Vordergrund zu bringen. Und dem Körper wieder die Aufmerksamkeit zu schenken,

00:12:15: die für ihn natürlich ist. Dass wir als körperliches Wesen in unserer Wohnung sind.

00:12:21: Nicht weiterhin mental, aber jetzt mit lustigeren Sachen und ein bisschen zugedröhnt vom Bier.

00:12:27: [B] Ich muss jetzt eine Flagge hochhalten für alle Biertrinkerinnen und Trinker,

00:12:31: weil ich trinke schon auch gerne Bier. Aber ich glaube, es ist verständlich,

00:12:36: wie es gemeint ist. Und dass es per se nicht gegen Bier allgemein geht, sondern dass es da

00:12:44: auch ums Timing geht. Und auch um das körperliche Empfinden einmal und nicht gleich wieder in diese

00:12:48: Ablenkung reinzugehen. Ja. Oder sich überhaupt nicht den Raum zu geben, einmal einzuchecken

00:12:54: und wirklich zu schauen, was tut mir jetzt wirklich gut oder was braucht es jetzt wirklich?

00:12:58: [D] Ja, und das ist einfach die Frage, weißt du, erstens, es gibt auch alkoholfreies Bier.

00:13:05: Und die Frage ist, wozu mache ich das? Also ist das zum Beispiel, ich trinke Bier, damit ich

00:13:15: körperlich runterkomme. Dann ist es vielleicht die zweitbeste Möglichkeit, statt sich ein bisschen

00:13:21: Bewegung zu gönnen zum Beispiel. Ein bisschen Spielraum dem Körper wieder zu geben, statt

00:13:27: ihn weiterhin ruhig zu stellen. Und jetzt halt mit irgendeiner Droge oder Chips oder Instagram.

00:13:34: [B] Ja, und das kann schon auch sein, dass da am Anfang vielleicht so ein Gefühl ist von, ah, das

00:13:40: ist fast ein bisschen anstrengend. Und dann macht man vielleicht ein, zwei Bewegungen, die sich

00:13:46: nicht vielleicht im ersten Moment gut anfühlen, aber du merkst: Ah da, das wäre eigentlich gut,

00:13:50: da ein bisschen rein zu bewegen. Und dann fühlt sich es viel lockerer an, viel besser an.

00:13:55: [D] Ja, viele Leute sind das einfach nicht gewöhnt, wenn sie müde sind,

00:13:59: sich ein bisschen Bewegung zu gönnen. „Ich will mich nicht mehr bewegen.“ Ja, und dann bleibt

00:14:06: aber Anspannung im Körper. Und die Anspannung können wir auch in den Schlaf mitnehmen, ja,

00:14:13: oder wir fühlen diese Anspannung und das hält den Geist weiterhin irgendwie in so einem To-Do-Modus,

00:14:19: ja. Und wir denken halt dann über den nächsten Tag nach zum Beispiel. Und wenn der Körper offiziell

00:14:27: und mit ganzem Herzen sich ausbazen darf, bewegen darf, seinen Spielraum wieder fühlen darf,

00:14:34: dann ist es leichter aus diesem Arbeitsmodus, aus diesem gedanklichen, was steht noch alles an,

00:14:41: rauszukommen. Und weil es ungewohnt ist, ist es oft, scheint es so eine Art Überwindung zu sein;

00:14:48: ich empfehle das eher als Experiment zu machen. Wie ist das, wenn ich mir eine Minute Bewegung

00:14:57: gönne? Was macht das mit dem Körpergefühl? Was macht das mit dem Gefühl von Dasein? Und wenn

00:15:08: das sich gut anfühlt, dann, wie gesagt, ich rede jetzt nicht von: Mach Sport. Ich habe auch nichts

00:15:17: dagegen, aber was ich meine, ist einfach, dass der Körper die Erlaubnis fühlt, so da zu sein,

00:15:23: wie es ihm jetzt gefällt. Und das kann sein mit ein bisschen Bewegung, der Körper fühlt gern

00:15:29: seinen Spielraum, das kann sein mit ein bisschen mehr Bewegung. Manche Leute rennen dann gern durch

00:15:35: die Gegend und andere Leute dehnen sich einfach ein bisschen. Was fühlt sich für den Körper gut

00:15:43: an? 

00:15:45: [B] Also das Experiment, dem Raum zu geben, das kann ich nur empfehlen. Mir ist es halt

00:15:51: auch ab und an passiert, dass wenn ich Musik angemacht habe in der Früh oder so,

00:15:55: dass sich dann einfach auch der Körper bewegen wollte. Das kommt halt manchmal so,

00:16:00: dass der Körper sich bewegen möchte und das fühlt sich sehr,

00:16:04: sehr lebendig an. Das ist schon spannend, das mal zu erleben oder auszuprobieren.

00:16:08: [D] Ja. Du lebst mit einem Hund zusammen und du weißt, dass der sehr wenig denkt: „Ich sollte

00:16:14: mich mal wieder bewegen, das wäre gut für die Gesundheit. Ich habe zwar jetzt keine Lust,

00:16:17: aber ich mache es mal“ oder sowas. Und wir haben, würde ich denken, von Natur aus ein ähnliches

00:16:23: Bewegungsgefühl wie alle anderen Säugetiere. Und wir kennen das ja, als wir Kinder waren,

00:16:29: dass wir uns natürlich bewegt haben und dass wir viel mehr rumgesprungen sind und das

00:16:36: verlernt haben, dadurch, dass wir stundenlang still sitzen mussten. Und

00:16:41: dann kam Sportunterricht, wo wir dann auch Sachen machen mussten,

00:16:44: auf die wir vielleicht auch keine Lust hatten. Dann wird es auch wieder zu was, was wir machen

00:16:48: müssen. Und wenn wir frei haben, dann sagen wir, ich muss hier gar nichts mehr, ich habe

00:16:53: Feierabend. Statt dass diese Bewegungslust und dieses Körpergefühl, dass wir uns das gönnen,

00:17:01: wieder wie als Kinder da zu sein und Lebendigkeit, körperliche Lebendigkeit zu fühlen.

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