Wie finde ich, was ich liebe?
Shownotes
Wie finde ich heraus, was ich wirklich liebe – bei all den Möglichkeiten?
Viele Interessen, viele Optionen. Doch die Suche nach der „richtigen Entscheidung“ führt oft eher zu Unruhe als zu Klarheit.
Im Gespräch zeigt sich eine andere Perspektive:
Freude und Sinn entstehen nicht erst durch die Wahl selbst – sondern durch die Art der Aufmerksamkeit, mit der du etwas tust.
Achtsamkeit im Moment macht erfahrbar, was sich lebendig und stimmig anfühlt.
Das Denken dagegen vergleicht ständig: Könnte es nicht noch besser sein? Was gäbe es sonst noch?
So verliert das, was gerade da ist, leicht an Wert.
Eine einfache Orientierung wird sichtbar: nicht die perfekte Entscheidung, sondern das unmittelbare Erleben im Tun.
👉 Woran merkst du, was wirklich passt?
Darum geht es in diesem Gespräch.
Re-Source – Leben als Spielraum Gespräch 10
Mehr Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source
Transkript anzeigen
00:00:00: [B] Lieber Dittmar, die heutige Frage kommt von einer Zuhörerin:
00:00:04: Wie finde ich heraus, was ich wirklich gerne mache? – vor
00:00:08: allem bei den vielen Möglichkeiten und zahlreichen Interessen, die ich habe.
00:00:12: [D] Das Schöne an dieser Frage ist:
00:00:16: Es gibt so vieles, für das ich mich begeistern kann, also so viel, was mir Spaß macht.
00:00:21: Und das ist ja, finde ich,
00:00:22: eigentlich schon mal das Wesentliche. Es gibt einfach auf der Welt sehr,
00:00:27: sehr viele Möglichkeiten, was man machen könnte, und deswegen ist es wichtiger, darauf zu achten:
00:00:34: Wie ist die Aufmerksamkeit, wenn ich das mache, als: Was ist es denn genau?
00:00:40: Das ist ja schon mal so das Wesentliche, habe ich Spaß an dem, was ich tue?
00:00:44: Und dann eine andere Frage wäre: Wie sinnvoll ist das?
00:00:49: Also ist das ein Beitrag zu einer besseren Welt? Was finde ich sinnvoll?
00:00:53: Und dann gibt es natürlich diese anderen Faktoren bei Arbeit,
00:00:58: wie zum Beispiel, wie ist die Bezahlung, wie ist das Umfeld, wie ist der Arbeitsweg und so.
00:01:02: Aber das ist ja alles im Endeffekt sekundär im Vergleich zu, gehe ich gern hin,
00:01:07: finde ich das sinnvoll, was ich tue, habe ich Spaß an dem, was ich tue?
00:01:10: Ist das eine schöne Art der Aufmerksamkeit?
00:01:14: Und deswegen finde ich, das ist ja eher beneidenswert oder schön, Auswahl zu haben.
00:01:20: [B] Ist es dabei wichtig oder relevant,
00:01:23: dass man bei einer Sache bleibt? Weil ich glaube, es könnte so ein inneres
00:01:28: Gefühl sein, ich möchte irgendwas finden, was mir länger Spaß macht, was mir länger dabei bleibt,
00:01:32: wo ich wirklich vielleicht ein Profi werden kann auf eine gewisse Art und Weise.
00:01:35: Also jetzt nicht vielleicht der Weltmeister im Sport, aber einfach richtig gut,
00:01:38: weil es macht ja auch was dann auch mit meinem eigenen Gefühl, wenn ich etwas besser kann.
00:01:42: Es macht mehr Spaß, wenn man sich wo reinfuchst, wenn man dran bleibt. Und ist es da vielleicht so,
00:01:47: dass man eine Entscheidung treffen sollte? Oder ist es auch voll okay, wenn man
00:01:52: viele Interessen hat und einfach nirgends jetzt so richtig gut wird?
00:01:57: [D] Ja, sicher ist es okay. Das ist einfach: Was macht Spaß und was ist das Ziel?
00:02:03: Also zum Beispiel, ich habe früher sehr viele Musikinstrumente gespielt und
00:02:08: alle so ganz okay. Und irgendwann habe ich mich dafür entschieden,
00:02:12: ein Instrument zu spielen und da mehr in die Tiefe zu gehen.
00:02:17: Und das geht natürlich nicht, wenn man heute dies spielt und morgen das spielt,
00:02:21: so wie wenn man alle zwei Wochen die Sportart wechseln würde.
00:02:25: Und deswegen ist es schon eine gute Vorauswahl,
00:02:30: was macht mir am meisten Spaß und woran habe ich voraussichtlich langfristig Freude.
00:02:38: Beim Musikinstrument ist es so, dass es, finde ich, richtig Spaß macht,
00:02:44: wenn man spielt, ohne darüber nachzudenken.
00:02:46: Und das kommt halt einfach durch Dranbleiben.
00:02:50: Je mehr Zeit ich da verbringe, je mehr Erfahrung ich da mache, desto leichter wird das.
00:02:58: Wozu sollte ich wechseln, wenn ich diese Tiefe liebe?
00:03:02: Ich glaube, dass es möglich ist, diese ganzen anderen Optionen zu sehen und
00:03:07: trotzdem bei dem zu bleiben, wie gesagt, was ich sinnvoll finde,
00:03:12: was ich schön finde, was mir Spaß macht, wo ich gern hingehe.
00:03:17: Und da zu merken, es gibt keinen Endpunkt von dem,
00:03:21: was ich da entdecken oder erleben kann oder erschaffen kann.
00:03:28: Und es reicht ja – wie bei einem Umzug und ich habe zwei oder drei
00:03:32: Wohnungen zur Auswahl –, dann zu sagen: Okay, tendenziell ist es die Wohnung,
00:03:37: und dann da hinzuziehen, ohne den anderen Wohnungen nachzutrauern.
00:03:42: [B] Ich glaube, das ist ein springender Punkt, dass man halt auch das Bewusstsein,
00:03:46: dass das Bewusstsein wichtig darüber ist, wie der Verstand funktioniert und dass er halt
00:03:49: dann auch wieder Gründe für alles finden kann, warum die anderen Wohnungen jetzt vielleicht
00:03:54: doch besser gewesen wären oder die eigene eh auch die beste ist bei deinem Beispiel.
00:04:00: Und ich glaube, das ist auch wichtig, das klar zu sehen, weil sonst kann es sehr kompliziert
00:04:05: werden oder können stressigere Gedanken aufkommen, wenn man dem Glauben schenkt.
00:04:12: [D] Ja, genau, das Denken kann immer wieder neue Themen aufwerfen von ja,
00:04:20: schön und gut, aber da hätte ich das und das gehabt und so.
00:04:25: Und das ist zu wissen, ja, das ist eine Funktion vom Denken,
00:04:27: sich mit Alternativen zu beschäftigen und das tut es halt und es ist kein Grund,
00:04:33: das ernst zu nehmen, wenn ich Spaß habe an dem, was ich tue.
00:04:37: Und das entscheidet sich vielleicht in dem Moment, wo ich in der Arbeit bin.
00:04:40: Und ich glaube, dass es bei den meisten Arbeiten Sachen gibt, die jetzt nicht so umwerfend sind.
00:04:47: Also zum Beispiel, ich bin jetzt nicht so der Fan von dieser ganzen Buchhaltung und
00:04:52: Rechnungsschreiben oder Finanzamt und so weiter, aber das ist einfach was,
00:04:56: das ist so ein kleiner Teil von der Arbeit, das gehört halt dazu.
00:05:01: Und so kann es natürlich immer sein irgendwie, ja, jetzt habe ich gerade eine Kollegin,
00:05:05: die ist ein bisschen anstrengend oder was auch immer, aber also nicht zu
00:05:09: erwarten, und das ist die hundertprozentige Erfüllung, die ich jetzt da beruflich habe.
00:05:15: Und wenn da Schwierigkeit aufkommt, heißt das nicht, ah, ich habe aufs falsche Pferd gesetzt,
00:05:20: sondern das wäre in jeder Arbeit so, ja, das ist, jetzt habe ich da nette Kollegen,
00:05:26: aber der Arbeitsweg ist blöder oder das Büro ist
00:05:30: so laut oder was auch immer dann das sein mag. Irgendwas ist immer.
00:05:35: [B] Ich glaube, es ist schon sehr geholfen oder es kann sehr hilfreich sein,
00:05:39: einfach das zu wissen, es ist voll okay, man muss sich da jetzt keinen Druck machen.
00:05:43: Es muss nicht jeder, wie gesagt, sein Element finden und dieses Abwägen und mal
00:05:46: wirklich breit drauf schauen und dann eine Entscheidung zu treffen.
00:05:51: Ich glaube, das ist ein guter Anhaltspunkt.
00:05:54: Und um vielleicht zurückzukommen auf die Freundin, von der die Frage gekommen ist,
00:05:58: ich glaube, es ist auch so, dass diese Vielzahl der Möglichkeiten auch ein bisschen Stress
00:06:02: erfolgen können, weil man dann denkt, ich habe so viele Möglichkeiten und mich zieht es da, da, da,
00:06:05: da hin, wie wenn man in den Supermarkt geht und man hat so viel Angebot. Und dann kann es sein,
00:06:10: dass man alles einpacken möchte, aber es geht halt nicht alles in den Einkaufswagen.
00:06:14: Man hat jetzt nicht unendlich Zeit oder unendlich Energie, dass man alles gleichzeitig macht.
00:06:19: Und da einfach vielleicht, um dieses Beispiel, was ich gerade genommen habe,
00:06:22: auch nochmal herzuführen, klarer einkaufen zu gehen und vielleicht bewusst was in
00:06:26: den Einkaufswagen zu legen und das dann wirklich auch zu genießen und zu benutzen,
00:06:32: anstatt ganz viele Dinge zugleich reinzugeben.
00:06:35: [D] Ja. In dem Supermarktbeispiel ist es schön, wenn wir in einem
00:06:40: Supermarkt sind, der Auswahl hat. Und es ist unpraktisch, wenn uns das stresst.
00:06:47: [B] Aber gleichzeitig könnte es auch entspannender eigentlich sein oder angenehmer, sondern einfacher
00:06:53: sein, wenn man weniger Auswahl hat. Also, wenn ich jetzt so meine,
00:06:56: irgendwas plane oder so, kann es ja auch irgendwie eher relaxend wirken, oder?
00:07:01: Wenn man gar nicht so viele Möglichkeiten hat und so viel Auswahl hat.
00:07:04: [D] Natürlich. Dass wenig Auswahl ist, sagen wir mal, ein Extrembeispiel wäre Gefängnis.
00:07:13: Das ist nicht: "Hmm, was esse ich denn heute oder was mache ich denn
00:07:18: heute?" Das ist irgendwie ziemlich festgelegt.
00:07:21: Da gibt es eine gewisse Sicherheit auf Kosten von Freiheit und von Auswahl.
00:07:28: Und Mensch sein heißt halt einfach extrem viel Auswahl haben. Zumindest in Ländern wie unseren.
00:07:36: Und wenn ich 100 Fernsehsender habe und 10.000 Filme streamen kann und
00:07:45: unbegrenzte Musikauswahl habe, ist es schön, diese Auswahl zu haben, solange das nicht ist:
00:07:53: Ich könnte jetzt noch was Besseres hören oder was verpasse ich gerade?
00:08:00: Das ist, glaube ich, was dann Stress reinbringt. Das ist das Denken: Ist es denn, ist es das
00:08:04: Allerbeste, was ich jetzt überhaupt machen kann? Es ist auf alle Fälle gut genug.
00:08:11: Nehmen wir mal ein anderes Beispiel: Beziehungen. Wenn ich in einer Beziehung bin, natürlich kann
00:08:16: ich denken: "Ist das wirklich der Mensch auf der ganzen Welt, mit dem ich am besten zusammenpasse?"
00:08:24: Oder es ist irgendwie: "Es ist schön, mit diesem Menschen zusammen zu sein." Reicht völlig.
00:08:33: Also zu merken, dass da eine Unruhe durchs Denken reinkommt und dass die bei allem, was ich tue,
00:08:40: jedem, mit dem ich zusammen bin, allem, was ich esse, allem, was ich anschaue, reinkommen könnte:
00:08:47: Könnte ich es nicht noch besser haben? Dass das eine Art ist, dass das eine Art
00:08:50: von Denken ist, dass das Denken immer über Alternativen nachdenken kann.
00:08:55: Dass es nie ist: So, jetzt ist es so toll,
00:08:59: ich werde nie wieder was anderes wollen. Oder mir wird nie wieder eine andere
00:09:04: Alternative attraktiv erscheinen. Das ist einfach das Denken.
00:09:09: Und insofern ist es auch eine Gelegenheit, zu merken, was das Denken macht und wie oft
00:09:14: das verhindert, dass wir das genießen, was wir gerade haben und was wir gerade erleben.
00:09:21: Weil es sagt: Könnte es nicht noch ein bisschen besser sein und was
00:09:27: gibt es eigentlich noch für Alternativen? Und dass das die Aufmerksamkeit spaltet und
00:09:31: dann mit dieser gespaltenen Aufmerksamkeit fühlt sich nichts besonders toll an.
00:09:38: Und das zu wissen ist: Ja, ich lerne das Denken kennen und das bietet Alternativen an.
00:09:43: So wie wenn ich was super Leckeres esse und dann kommt der Kellner und sagt:
00:09:47: Wir hätten aber auch noch das und das. Ja, danke, es schmeckt mir gut.
00:09:54: Und das zu genießen, was da ist, im Wissen, dass das Denken immer woanders hinspringt,
00:10:00: zu anderen Menschen, zu anderen Orten. „Was für ein schöner Urlaub.
00:10:07: Hm, wo war ich denn noch nie?“ Ja, so, dass es, dass das einfach
00:10:11: eine Unruhe reinbringt ins Erleben, weil die Aufmerksamkeit nicht ganz hier ist,
00:10:16: sondern immer sich auch noch mit einer Alternative beschäftigt – das zu merken ist hilfreich.
00:10:23: Ich möchte es schön haben, das Denken trägt in dem Moment nicht viel dazu bei. Im Gegenteil,
00:10:29: es macht, dass es sich nicht so schön anfühlt.
00:10:32: [B] Ja, und dann auch zu wissen, dass man das jetzt nicht mit Denken lösen kann,
00:10:38: sondern dass man das, dass man das halt sieht und das Bewusstsein drüber hat,
00:10:42: aber auch weiß, ich werde es nicht so machen können und es wird sich ändern,
00:10:46: weil das, also, das geht halt nicht. Sonst würde ja jeder, wenn man so könnte,
00:10:52: nur noch die angenehmsten Dinge denken und nichts vergleichen, wenn man das uns aussuchen könnte.
00:10:57: Ich glaube, das kann auch ganz wichtig sein, zumindest hat das mir – oder hilft mir das,
00:11:01: diese Klarheit drüber: Das Denken funktioniert einfach so.
00:11:05: Und ich kann jetzt nicht einen Ein- und Ausschalter benutzen und,
00:11:09: ja, das ändern in dem Moment. Und ich kann, das Bewusstsein
00:11:12: drüber kann was ändern, ja, oder das Wissen drüber, oder das zu sehen,
00:11:15: aber nicht, dass es dann auf einmal nie mehr die Angebote bringt oder sich das sofort ändert.
00:11:20: [D] Genau, aber dann ist das, wenn das durchschaut ist, was das Denken da so macht,
00:11:25: dann ist es halt wie eine Werbeeinblendung: „Kaufen Sie jetzt, Sie brauchen das!“ oder so.
00:11:33: Und zu wissen, ja, es ist einfach Werbeeinblendung.
00:11:36: Ja, das Denken denkt über Alternativen nach, das macht es gern.
00:11:40: Und das ist kein Grund, wie bei der Werbeeinblendung: "Ja gut,
00:11:43: wenn die Werbung das sagt, dann muss ich das jetzt auch machen",
00:11:46: sondern zu wissen: Ja, so ist das Denken halt drauf.
00:11:53: Willst du mehr, wirkt es wie weniger, was du hast.
00:11:58: Willst du was anderes, fühlst du nicht mehr das Eine, diesen Moment jetzt so, wie er ist,
00:12:05: dass der überraschend schön ist, wenn das Denken nicht über Alternativen nachdenkt.
00:12:13: Ich bin mit einem Partner zusammen und denke über einen anderen Partner nach.
00:12:17: Ich bin mit einer Sache beschäftigt und … das ist einfach zu merken,
00:12:22: dass das Denken diesen Moment entwertet auf die Art und dass das nicht in unserem Sinn ist.
00:12:30: Und wenn dem Denken geglaubt wird, dann ist es ja, stimmt, fühlt sich gar nicht so toll an mit
00:12:34: diesem Menschen oder mit diesem Instrument oder mit diesem, ich bin nicht so ganz bei der Sache.
00:12:40: Und das ist halt einfach auch Lebenserfahrung, ja, das hört nicht auf dadurch, dass man
00:12:46: das Richtige gefunden hat, sondern indem wir erkennen, was das Denken halt macht,
00:12:53: und dass das Denken nicht die Autorität ist, sondern etwas,
00:12:58: was gerne über Alternativen nachdenkt.
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