Ego - eine Erfindung?
Shownotes
Oft wird vom „Ego“ gesprochen, als wäre es eine eigene Instanz – etwas, das man überwinden oder auflösen sollte.
Aber was ist mit diesem Wort eigentlich gemeint?
Im Gespräch schauen wir darauf, wie der Begriff „Ego“ in verschiedenen Kontexten verwendet wird und warum er leicht missverständlich wird. Ausgangspunkt ist die einfache Beobachtung, dass „Ego“ ursprünglich einfach „Ich“ bedeutet – ein Wort, das im Alltag als praktisches sprachliches Kürzel dient.
Missverständlich wird der Begriff dort, wo aus diesem Wort eine scheinbare Instanz gemacht wird.
Das Gespräch lädt dazu ein, Begriffe wie „Ego“ oder „das Ich“ nicht ungeprüft als etwas Reales anzunehmen, sondern genauer hinzuschauen, wie Sprache, Denken und Erleben zusammenwirken.
Themen:
„Ego“ als scheinbare Instanz
„Ich“ als praktisches Kürzel
wie das Denken aus Erfahrungen eine Selbstsimulation erzeugt
unterschiedliche Bedeutungen von „Ego“ in Spiritualität, Psychologie und Alltag
was mit „wahrem Selbst“ gemeint sein kann
wie unmittelbares Erleben sich von gedanklichen Beschreibungen unterscheidet
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00:00:01: das heutige Thema hat mit einem Wort zu tun, das wir oft gebrauchen
00:00:05: und das man ganz auf verschiedene Arten und Weisen verstehen kann
00:00:08: . Und zwar: Was ist das Ego?
00:00:11: Das Ego kann man ja im umgangssprachlichen Gebrauch verwenden,
00:00:15: wenn man, … es ist eher ein mit Arroganz behaftetes Wort,
00:00:19: wenn man sehr ichbezogen ist, wenn man irgendwie Bestätigung sucht,
00:00:24: das Bedürfnis nach Bestätigung hat.
00:00:26: Aber wir wollen es nicht nur jetzt von dieser Perspektive aus,
00:00:30: von dieser Definition aus beleuchten,
00:00:32: sondern auch von einer anderen,
00:00:33: nämlich in Richtung, was vielleicht auch im psychologischen Sinne „Ego“ bedeutet,
00:00:36: aber auch was so in spirituellen Kreisen unter „Ego“ verstanden wird.
00:00:40: Das ist eine Frage, auf die freue ich mich schon sehr, weil das
00:00:44: Wort wirklich ganz unterschiedlich verwendet werden kann.
00:00:48: Deswegen jetzt die Frage, das heutige Thema: Was bedeutet Ego? Was ist das Ego?
00:00:56: [D] Eine Erfindung.
00:00:58: [B] Danke. Hiermit ist die Folge beendet.
00:01:03: [D] Also „Ego“ ist ja einfach lateinisch für „ich“.
00:01:10: Und in spirituellen Kreisen oder nondualistischen Kreisen
00:01:16: wird oft von „dem Ich“ geredet,
00:01:20: als wäre das ein eigenständiges Wesen,
00:01:24: oder als wäre das Ego etwas in uns,
00:01:28: was irgendwie eine Art Substanz hat oder so.
00:01:31: Und dann geht's darum, zu erkennen: es hat keine Substanz.
00:01:34: Also das Ego ablegen oder verlieren oder durchschauen oder was auch immer.
00:01:41: Aber erstmal wird es erfunden, benannt, und dann scheint es ein Problem zu sein,
00:01:49: dieses Wort „ich“, das einfach ein Kürzel ist und eine praktische Art zu kommunizieren.
00:01:55: Wenn wir im Restaurant sind und dann ist es: „Wer hat die Pizza bestellt?“ „Ich.“
00:02:01: Statt dass wir sagen: „Dieser Organismus.“
00:02:05: In dem Fall heißt „ich“ einfach nur „dieser Organismus“.
00:02:09: Oder jetzt in diesem Moment spreche ich, aber es ist nicht „das Ich“, was spricht oder „das Ego“.
00:02:18: Und deswegen, das ist einfach ein sehr missverständlicher Begriff,
00:02:21: so wie du es vorhin gesagt hast,
00:02:23: es gibt diese Themen wie egozentrisch: „Mir geht es nur um meine Interessen und um mein Wohl“.
00:02:31: Und das ist wie: „rücksichtslos“ z.B. wäre ein anderes Wort dann dafür.
00:02:37: Aber was eben wie gesagt in spirituellen Kreisen
00:02:40: gern gemacht wird, ist, dass es erstmal zu etwas gemacht wird,
00:02:45: und dann scheint dieses Etwas das zu sein, was verschwinden muss.
00:02:50: Und Leute außerhalb der spirituellen Kreise oder meinetwegen
00:02:54: auch Psychologie reden nicht von „dem Ich“, „das Ich“,
00:03:03: sondern die sagen halt, „ich finde das und das“ und meinen damit diesen Organismus.
00:03:08: Man kann das korrigieren auf dieselbe Art, wie jemand sagt:
00:03:12: „Ach, was für ein hübscher Sonnenuntergang!“
00:03:14: Und du sagst: „Na, in Wirklichkeit geht die Sonne nicht unter, die Erde dreht sich davon weg.“
00:03:21: Und trotzdem ist „Sonnenuntergang“ ein super praktisches Wort für das, was da gesehen wird.
00:03:30: Und so ist es ohne „das Ich“ – ist da einfach nur z.B. ein Organismus und Gedanken und so weiter.
00:03:38: Was ein anderer Aspekt vom „Ich“ ist – „das Ich“ –, ist, als was das Denken uns darstellt:
00:03:46: als den Einsatzleiter im Leben und den Denker und Lenker sozusagen,
00:03:54: den es im Gehirn irgendwie oder im Denken wie so eine Simulation gibt,
00:04:00: so ein simuliertes „Ich“ von uns.
00:04:06: So „ich, der jetzt das und das entscheidet“ oder so und
00:04:10: das ist einfach halt die Erzählung vom Denken,
00:04:14: was diese ganzen Sinneseindrücke und Erfahrungen und so weiter gemacht hat,
00:04:21: zusammenfasst in einem Begriff: Ich.
00:04:24: Ja, und da täuscht es sich halt oft, was das ist und was es nicht ist.
00:04:30: Und trotzdem ist es so, ich habe Erfahrungen gemacht, die du nicht gemacht hast,
00:04:35: und du hast Erfahrungen gemacht, die ich nicht gemacht habe,
00:04:39: und ich sitze an einem anderen Ort als du,
00:04:42: also das ist einfach … insofern ist das eine praktische Benennung,
00:04:45: solange es nicht mehr ist als eine praktische Benennung,
00:04:49: so wie „Sonnenuntergang“ eine praktischere Benennung ist für das, was wir gerade sehen,
00:04:56: auch wenn wir wissen,
00:04:58: dass das nur eine Vereinfachung ist oder nur eine Art der Darstellung,
00:05:04: und in Wirklichkeit geht die Sonne nicht unter, sondern die Erde dreht sich halt.
00:05:11: [B] Vielleicht gehen wir noch mal kurz ein bisschen mehr auf
00:05:14: diese – die Definition in spirituellen Kreisen ein,
00:05:16: weil da wird ja öfter unterschieden zwischen dem Ego Mind,
00:05:19: also dem Ich-Gedanken, der Ichkonstruktion,
00:05:22: was du ja auch schon beschrieben hast und auch diesen True Self oder diesem „das wahre Selbst“.
00:05:27: Wie würdest du diese Differenzierung dann beschreiben?
00:05:31: Gibt's die überhaupt?
00:05:32: Oder ist es ein Versuch oder ein Wording, das irgendwie begreifbarer oder erklärbarer zu machen?
00:05:37: Dass es da dieses Ich gibt, was ein Gedanke ist.
00:05:41: Du hast ja auch beschrieben,
00:05:42: dass das eigentlich ein Selbst … also ich würde sagen: Ich ist ein Selbstbild.
00:05:46: Ich ist das, was ich von mir selber … Ich habe irgendwann mal gehört,
00:05:51: es ist die Summe aller Erfahrungen, die ich von mir, mit mir und über mich selbst gemacht habe.
00:05:56: Das könnte eine Beschreibung sein über diesen Ich-Gedanken, über das Ich.
00:06:01: Aber vielleicht zurück zu dieser Aufsplittung zwischen Ego Mind und True Self,
00:06:05: weil ja auch wie gesagt oft in so spirituellen Büchern beschrieben wird.
00:06:09: Ist das ein Versuch, es erklärbarer zu machen oder wie würdest du das beschreiben?
00:06:12: [D] Ja, das ist, weißt du, eine andere Art von Definition und dann wäre es immer …
00:06:19: Ich kann jetzt versuchen zu erklären, was jemand wohl da drunter meint.
00:06:25: Aber dann schaust du dir zehn Bücher an und die meinen schon zehn verschiedene Sachen,
00:06:31: auch wenn sie sich vielleicht auf denselben Guru
00:06:33: oder was auch immer beziehen oder auf dieselben Schriften.
00:06:38: [B] Ja, der Versuch ist ja bisschen so auch mit diesem
00:06:40: Begriff – nicht aufzuräumen, will nicht sagen,
00:06:42: aber das Ganze mit deinen Augen zu beleuchten und anzuschauen.
00:06:47: Deswegen vielleicht ziehe ich die Frage doch zurück und …
00:06:50: [D] Ja, ich könnte sie aber auch beantworten.
00:06:54: [B] Dann bin ich leise und hör dir zu.
00:06:57: [D] Das falsche Selbst, von dem du gerade geredet hast,
00:07:05: das würde ich sagen, ist ähnlich wie diese Simulation,
00:07:10: Selbstsimulation, von der ich geredet habe,
00:07:12: dass das Denken da eine Version von uns, gedankliche Version schafft,
00:07:18: die das Leben im Griff haben sollte und der Denker der Gedanken ist und so weiter.
00:07:26: Und bisschen ist es vielleicht auch so wie diese Beschreibung von „die Summe all der Erfahrungen“,
00:07:33: die du gerade gesagt hast.
00:07:34: Ja, und das ist trotzdem bisschen anders, weil ja, da ist diese Summe der Erfahrungen,
00:07:39: da ist unsere Fähigkeiten, dass wir beide z.B. Deutsch sprechen,
00:07:44: aber unterschiedlich Deutsch sprechen.
00:07:46: Ja, aus unseren Erfahrungen, aus unseren …
00:07:49: [B] Du verständlich, ich nicht verständlich.
00:07:52: [D] Das kommt drauf an, mit wem wir reden.
00:07:59: Aber wir könnten sagen, dieses „nicht wahre Selbst“ ist diese Simulation von Gedanken,
00:08:06: also die Simulation in Gedanken,
00:08:08: die immer nur gedanklich ist und das nicht erfassen kann,
00:08:13: was nicht in Gedanken abgebildet ist.
00:08:16: Und das könnten wir sagen: True Self, das ist, was übrig bleibt,
00:08:23: wenn wir nicht durch Gedanken gefiltert uns wahrnehmen,
00:08:30: also diese Offenheit des Erlebens, dass wir im Moment erleben.
00:08:38: Und das, was da erlebt, wenn wir es in Worte fassen, ist es super leicht:
00:08:44: „Ja, da ist halt Erleben“ oder sowas, aber was das heißt:
00:08:47: Da ist was wir so sehen, Materie, und dann gibt es noch Leben.
00:08:52: Ja, und Leben heißt: Da ist Erleben, da ist eine Subjektivität, um es mal so zu sagen,
00:09:01: die diesen Moment jetzt wahrnimmt.
00:09:03: Da ist Wahrnehmung und Lebendigkeit, die hört, was ich sage.
00:09:11: Und fürs Denken ist das: „Ja, ist schon klar. Und jetzt?“
00:09:14: Ja, aber das zu fühlen: Da ist Lebendigkeit jetzt.
00:09:19: Das ist wahres Selbst, wenn man diese Unterscheidung möchte.
00:09:24: Das ist Lebendigkeit, ist wahres Selbst.
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