Ego - eine Erfindung?

Shownotes

Oft wird vom „Ego“ gesprochen, als wäre es eine eigene Instanz – etwas, das man überwinden oder auflösen sollte.

Aber was ist mit diesem Wort eigentlich gemeint?

Im Gespräch schauen wir darauf, wie der Begriff „Ego“ in verschiedenen Kontexten verwendet wird und warum er leicht missverständlich wird. Ausgangspunkt ist die einfache Beobachtung, dass „Ego“ ursprünglich einfach „Ich“ bedeutet – ein Wort, das im Alltag als praktisches sprachliches Kürzel dient.

Missverständlich wird der Begriff dort, wo aus diesem Wort eine scheinbare Instanz gemacht wird.

Das Gespräch lädt dazu ein, Begriffe wie „Ego“ oder „das Ich“ nicht ungeprüft als etwas Reales anzunehmen, sondern genauer hinzuschauen, wie Sprache, Denken und Erleben zusammenwirken.

Themen:

  • „Ego“ als scheinbare Instanz

  • „Ich“ als praktisches Kürzel

  • wie das Denken aus Erfahrungen eine Selbstsimulation erzeugt

  • unterschiedliche Bedeutungen von „Ego“ in Spiritualität, Psychologie und Alltag

  • was mit „wahrem Selbst“ gemeint sein kann

  • wie unmittelbares Erleben sich von gedanklichen Beschreibungen unterscheidet

Mehr Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source

Transkript anzeigen

00:00:01: das heutige Thema hat mit einem Wort zu tun, das wir oft gebrauchen

00:00:05: und das man ganz auf verschiedene  Arten und Weisen verstehen kann

00:00:08: . Und zwar: Was ist das Ego?

00:00:11: Das Ego kann man ja im  umgangssprachlichen Gebrauch verwenden,

00:00:15: wenn man, … es ist eher ein  mit Arroganz behaftetes Wort,

00:00:19: wenn man sehr ichbezogen ist, wenn  man irgendwie Bestätigung sucht,

00:00:24: das Bedürfnis nach Bestätigung hat.

00:00:26: Aber wir wollen es nicht nur  jetzt von dieser Perspektive aus,

00:00:30: von dieser Definition aus beleuchten,

00:00:32: sondern auch von einer anderen,

00:00:33: nämlich in Richtung, was vielleicht auch  im psychologischen Sinne „Ego“ bedeutet,

00:00:36: aber auch was so in spirituellen  Kreisen unter „Ego“ verstanden wird.

00:00:40: Das ist eine Frage, auf die freue  ich mich schon sehr, weil das

00:00:44: Wort wirklich ganz unterschiedlich  verwendet werden kann.

00:00:48: Deswegen jetzt die Frage, das heutige  Thema: Was bedeutet Ego? Was ist das Ego?

00:00:56: [D] Eine Erfindung.

00:00:58: [B] Danke. Hiermit ist die Folge beendet.

00:01:03: [D] Also „Ego“ ist ja  einfach lateinisch für „ich“.

00:01:10: Und in spirituellen Kreisen  oder nondualistischen Kreisen

00:01:16: wird oft von „dem Ich“ geredet,

00:01:20: als wäre das ein eigenständiges Wesen,

00:01:24: oder als wäre das Ego etwas in uns,

00:01:28: was irgendwie eine Art Substanz hat oder so.

00:01:31: Und dann geht's darum, zu  erkennen: es hat keine Substanz.

00:01:34: Also das Ego ablegen oder verlieren  oder durchschauen oder was auch immer.

00:01:41: Aber erstmal wird es erfunden, benannt,  und dann scheint es ein Problem zu sein,

00:01:49: dieses Wort „ich“, das einfach ein Kürzel  ist und eine praktische Art zu kommunizieren.

00:01:55: Wenn wir im Restaurant sind und dann ist  es: „Wer hat die Pizza bestellt?“ „Ich.“

00:02:01: Statt dass wir sagen: „Dieser Organismus.“

00:02:05: In dem Fall heißt „ich“ einfach  nur „dieser Organismus“.

00:02:09: Oder jetzt in diesem Moment spreche ich, aber es  ist nicht „das Ich“, was spricht oder „das Ego“.

00:02:18: Und deswegen, das ist einfach ein  sehr missverständlicher Begriff,

00:02:21: so wie du es vorhin gesagt hast,

00:02:23: es gibt diese Themen wie egozentrisch: „Mir geht  es nur um meine Interessen und um mein Wohl“.

00:02:31: Und das ist wie: „rücksichtslos“ z.B.  wäre ein anderes Wort dann dafür.

00:02:37: Aber was eben wie gesagt in spirituellen Kreisen

00:02:40: gern gemacht wird, ist, dass es  erstmal zu etwas gemacht wird,

00:02:45: und dann scheint dieses Etwas das  zu sein, was verschwinden muss.

00:02:50: Und Leute außerhalb der  spirituellen Kreise oder meinetwegen

00:02:54: auch Psychologie reden nicht  von „dem Ich“, „das Ich“,

00:03:03: sondern die sagen halt, „ich finde das und  das“ und meinen damit diesen Organismus.

00:03:08: Man kann das korrigieren auf  dieselbe Art, wie jemand sagt:

00:03:12: „Ach, was für ein hübscher Sonnenuntergang!“

00:03:14: Und du sagst: „Na, in Wirklichkeit geht die Sonne  nicht unter, die Erde dreht sich davon weg.“

00:03:21: Und trotzdem ist „Sonnenuntergang“ ein super  praktisches Wort für das, was da gesehen wird.

00:03:30: Und so ist es ohne „das Ich“ – ist da einfach nur  z.B. ein Organismus und Gedanken und so weiter.

00:03:38: Was ein anderer Aspekt vom „Ich“ ist – „das  Ich“ –, ist, als was das Denken uns darstellt:

00:03:46: als den Einsatzleiter im Leben und  den Denker und Lenker sozusagen,

00:03:54: den es im Gehirn irgendwie oder im  Denken wie so eine Simulation gibt,

00:04:00: so ein simuliertes „Ich“ von uns.

00:04:06: So „ich, der jetzt das und  das entscheidet“ oder so und

00:04:10: das ist einfach halt die Erzählung vom Denken,

00:04:14: was diese ganzen Sinneseindrücke und  Erfahrungen und so weiter gemacht hat,

00:04:21: zusammenfasst in einem Begriff: Ich.

00:04:24: Ja, und da täuscht es sich halt oft,  was das ist und was es nicht ist.

00:04:30: Und trotzdem ist es so, ich habe Erfahrungen  gemacht, die du nicht gemacht hast,

00:04:35: und du hast Erfahrungen gemacht,  die ich nicht gemacht habe,

00:04:39: und ich sitze an einem anderen Ort als du,

00:04:42: also das ist einfach … insofern  ist das eine praktische Benennung,

00:04:45: solange es nicht mehr ist als  eine praktische Benennung,

00:04:49: so wie „Sonnenuntergang“ eine praktischere  Benennung ist für das, was wir gerade sehen,

00:04:56: auch wenn wir wissen,

00:04:58: dass das nur eine Vereinfachung ist  oder nur eine Art der Darstellung,

00:05:04: und in Wirklichkeit geht die Sonne nicht  unter, sondern die Erde dreht sich halt.

00:05:11: [B] Vielleicht gehen wir noch  mal kurz ein bisschen mehr auf

00:05:14: diese – die Definition in  spirituellen Kreisen ein,

00:05:16: weil da wird ja öfter unterschieden  zwischen dem Ego Mind,

00:05:19: also dem Ich-Gedanken, der Ichkonstruktion,

00:05:22: was du ja auch schon beschrieben hast und auch  diesen True Self oder diesem „das wahre Selbst“.

00:05:27: Wie würdest du diese  Differenzierung dann beschreiben?

00:05:31: Gibt's die überhaupt?

00:05:32: Oder ist es ein Versuch oder ein Wording, das  irgendwie begreifbarer oder erklärbarer zu machen?

00:05:37: Dass es da dieses Ich gibt, was ein Gedanke ist.

00:05:41: Du hast ja auch beschrieben,

00:05:42: dass das eigentlich ein Selbst … also  ich würde sagen: Ich ist ein Selbstbild.

00:05:46: Ich ist das, was ich von mir selber  … Ich habe irgendwann mal gehört,

00:05:51: es ist die Summe aller Erfahrungen, die ich von  mir, mit mir und über mich selbst gemacht habe.

00:05:56: Das könnte eine Beschreibung sein über  diesen Ich-Gedanken, über das Ich.

00:06:01: Aber vielleicht zurück zu dieser  Aufsplittung zwischen Ego Mind und True Self,

00:06:05: weil ja auch wie gesagt oft in so  spirituellen Büchern beschrieben wird.

00:06:09: Ist das ein Versuch, es erklärbarer zu  machen oder wie würdest du das beschreiben?

00:06:12: [D] Ja, das ist, weißt du, eine andere Art  von Definition und dann wäre es immer …

00:06:19: Ich kann jetzt versuchen zu erklären,  was jemand wohl da drunter meint.

00:06:25: Aber dann schaust du dir zehn Bücher an und  die meinen schon zehn verschiedene Sachen,

00:06:31: auch wenn sie sich vielleicht auf denselben Guru

00:06:33: oder was auch immer beziehen  oder auf dieselben Schriften.

00:06:38: [B] Ja, der Versuch ist ja  bisschen so auch mit diesem

00:06:40: Begriff – nicht aufzuräumen, will nicht sagen,

00:06:42: aber das Ganze mit deinen Augen  zu beleuchten und anzuschauen.

00:06:47: Deswegen vielleicht ziehe ich  die Frage doch zurück und …

00:06:50: [D] Ja, ich könnte sie aber auch beantworten.

00:06:54: [B] Dann bin ich leise und hör dir zu.

00:06:57: [D] Das falsche Selbst, von  dem du gerade geredet hast,

00:07:05: das würde ich sagen, ist  ähnlich wie diese Simulation,

00:07:10: Selbstsimulation, von der ich geredet habe,

00:07:12: dass das Denken da eine Version von  uns, gedankliche Version schafft,

00:07:18: die das Leben im Griff haben sollte und  der Denker der Gedanken ist und so weiter.

00:07:26: Und bisschen ist es vielleicht auch so wie diese  Beschreibung von „die Summe all der Erfahrungen“,

00:07:33: die du gerade gesagt hast.

00:07:34: Ja, und das ist trotzdem bisschen anders,  weil ja, da ist diese Summe der Erfahrungen,

00:07:39: da ist unsere Fähigkeiten, dass  wir beide z.B. Deutsch sprechen,

00:07:44: aber unterschiedlich Deutsch sprechen.

00:07:46: Ja, aus unseren Erfahrungen, aus unseren …

00:07:49: [B] Du verständlich, ich nicht verständlich.

00:07:52: [D] Das kommt drauf an, mit wem wir reden.

00:07:59: Aber wir könnten sagen, dieses „nicht wahre  Selbst“ ist diese Simulation von Gedanken,

00:08:06: also die Simulation in Gedanken,

00:08:08: die immer nur gedanklich ist  und das nicht erfassen kann,

00:08:13: was nicht in Gedanken abgebildet ist.

00:08:16: Und das könnten wir sagen: True  Self, das ist, was übrig bleibt,

00:08:23: wenn wir nicht durch Gedanken  gefiltert uns wahrnehmen,

00:08:30: also diese Offenheit des Erlebens,  dass wir im Moment erleben.

00:08:38: Und das, was da erlebt, wenn wir es  in Worte fassen, ist es super leicht:

00:08:44: „Ja, da ist halt Erleben“ oder sowas, aber was das heißt:

00:08:47: Da ist was wir so sehen, Materie,  und dann gibt es noch Leben.

00:08:52: Ja, und Leben heißt: Da ist Erleben, da ist  eine Subjektivität, um es mal so zu sagen,

00:09:01: die diesen Moment jetzt wahrnimmt.

00:09:03: Da ist Wahrnehmung und Lebendigkeit,  die hört, was ich sage.

00:09:11: Und fürs Denken ist das: „Ja,  ist schon klar. Und jetzt?“

00:09:14: Ja, aber das zu fühlen: Da ist Lebendigkeit jetzt.

00:09:19: Das ist wahres Selbst, wenn man  diese Unterscheidung möchte.

00:09:24: Das ist Lebendigkeit, ist wahres Selbst.

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