Still im Kopf, wach im Moment

Shownotes

Wie lernt das Denken, wann es Pause hat?

Woher kommt "Timing": das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt?

Ausgangspunkt ist eine einfache Szene: Mitten im Ausruhen meldet sich die Arbeit. Der Strand ist da – und das Denken auch.

Wir sprechen darüber,

– warum Denken eine Gewohnheit ist und trotzdem lernfähig bleibt – wie ein Dialog mit dem Denken Orientierung schaffen kann – was „halbautomatisch“ bedeutet – wie körperliche Aufmerksamkeit (Puls, Sinneseindrücke) das Denken relativiert – warum Erleben und Erzählen nicht dasselbe sind – was Menschen als wesentlich erinnern – warum weniger Bedingungen mehr Präsenz ermöglichen

Ein Gespräch über Präsenz, Timing und einen kooperativen Umgang mit Denken.

**Mehr Informationen: ** https://dittmar-kruse.com/re-source

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00:00:00: [B] Ich glaube, es ist wieder Zeit für die Rubrik …

00:00:04: [D] Ach, wir haben Rubriken? Cool!

00:00:06: [B] Weiß ich nicht, aber vielleicht gibt’s schon eine, aber die Rubrik

00:00:10: „Ich habe eine Geschichte von einem Freund, aber nicht von mir

00:00:12: natürlich.“ Es gibt ja auch Zeit, einfach beruflich mehr ansteht bei

00:00:20: diesem Freund und der hat dann schon gut gearbeitet und Dinge, die er

00:00:27: machen wollte, abgeschlossen und dann ist er, sagen wir mal auf einen

00:00:31: Strand gegangen und in die Sonne gesetzt und sich hingelegt und ein biss

00:00:35: Meer geschaut und dann auf einmal sind wieder einige Stimmen über die

00:00:43: Arbeit gekommen, was noch zu tun ist, was als nächstes machen und so

00:00:47: weiter. Und er ist dann so damit umgegangen, dass er das mal beobachtet

00:00:54: hat und sich dann bewusst auf den Sand gefühlt hat und in die Sonne

00:01:01: geschaut hat und es war jetzt nicht dann so was er erzählt hat, dass es

00:01:05: gleich weg war, aber auf alle Fälle hat er schon eine Veränderung

00:01:09: gespürt im Denken und auch im Erleben generell.

00:01:13: [D] Mhm. Denken ist eine Gewohnheit. Bei den meisten Menschen läuft das

00:01:20: Denken wirklich solange sie wach sind, und dann gibt’s diese Sensationen,

00:01:28: um es mal so zu sagen, diese sinnlichen Momente von z.B. surfen oder was

00:01:33: super leckeres essen oder schmusen oder am Strand liegen. Das sind

00:01:38: Situationen - auch in denen kann sich das Denken melden, aber du könntest

00:01:43: das Denken bitten, dass es jetzt einfach diesen Moment genießt. "Was muss

00:01:49: ich beruflich noch machen?" oder sowas. Findest du, dass das ein guter

00:01:52: Zeitpunkt dafür ist, das jetzt zu besprechen? Oder findest du es schlauer,

00:01:58: diesen Moment zu genießen? Und wenn du deine Arbeit machst, dass du da

00:02:03: auch nicht an den Strand denken möchtest, ich wäre jetzt lieber am

00:02:06: Strand oder so. Also wär es nicht schlauer in der Arbeit voll bei der

00:02:10: Arbeit zu sein und am Strand voll am Strand zu sein. Das Denken redet

00:02:17: mit dir. Also kannst du auch mit dem Denken reden und mein Denken ist

00:02:23: sehr kooperativ dabei und lernt Timing. Und in meinem Denken ist ein

00:02:33: Gefühl dafür, wann ist ein guter Zeitpunkt über was nachzudenken und

00:02:36: wann nicht. Das heißt nicht, dass es dich mal meldet, aber das ist dann

00:02:41: auf diese Frage, ist das jetzt ein guter Zeitpunkt z.B. sagt eigentlich

00:02:45: nicht und dann wieder still ist. Nicht weil ich das wegmache, sondern

00:02:50: einfach, weil es diese Frage sinnvoll beantwortet, intelligent

00:02:54: beantwortet. Es ist kein guter Zeitpunkt, wenn es gerade was zu genießen

00:02:59: gibt. Außer es würde zu kurz kommen. Es würde sonst überhaupt keinen

00:03:04: Raum finden. Aber wenn es die Erfahrung macht, wenn ich den Strand

00:03:10: genossen habe, kümmere ich mich wieder um meine Arbeit. Wenn ich jetzt

00:03:15: gut geschlafen habe, bin ich morgen habe ich einen klaren Kopf und kann

00:03:19: alles denken, was jetzt gerade nicht lösbar ist. Also das Denken kann

00:03:26: das lernen. Und deswegen wäre eine Möglichkeit, dein Freund könnte mit

00:03:31: dem Denken auch mal reden, was natürlich ein interessanter Aspekt ist.

00:03:35: Wer redet denn da mit dem Denken? Und eine Antwort wäre, das ist nicht

00:03:43: das Ich, was mit dem Denken redet, sondern das ist aus diesem Gefühl für

00:03:47: diesen Moment. Ich bin hier am Strand und ich bin echt weit gefahren, um

00:03:54: das zu erleben. Und es ist ein wirklich schöner Moment und es war gerade

00:04:01: auch ein richtig schöner Moment, bevor das Denken sich eingeschaltet hat

00:04:05: und ich weiß, wenn das Denken aufhört, ist es wieder wirklich

00:04:10: rundum Genuss. aus diesem Gefühl für den Moment, aus dieser Gefühl für

00:04:16: Lebendigkeit kommt eine Klarheit darüber. Das ist jetzt einfach kein

00:04:20: guter Moment darüber nachzudenken. Und wenn das in Worte gefasst wird,

00:04:25: dann ist es kein guter Moment drüber nachzudenken.

00:04:31: Und das Denken kann das verstehen. Das ist halbautomatisch.

00:04:40: Es läuft automatisch an, aber es ist nicht

00:04:43: völlig unabhängig von der Situation oder von den Bedürfnissen.

00:04:49: [B] Ich finde den Satz ganz spannend. Wenn das Denken mit dir reden

00:04:56: kann, kannst du auch mit Denken reden, weil es kann vielleicht auch

00:05:00: sein, dass wir Menschen uns die Kompetenz und die Fähigkeit abgesprochen

00:05:08: haben, dass Denken auch seinen Platz finden kann. Wenn ich so an mein

00:05:12: Denken denke, dann scheint manchmal so sein, als wird mir der Eindruck

00:05:17: sein, mir fehlt da die Macht darüber, dass Denken seinen Platz findet,

00:05:24: dass es entweder passiert, dass ich nichts dafür tun kann, so habe

00:05:31: Eindruck.

00:05:32: [D] Mhm. Und das ist so mittelhilfreich, das zu beschreiben, ich habe

00:05:37: die Macht da drüber oder ich habe nicht die Macht da drüber.

00:05:40: [B] Dass es so einfach ist. Wir so, das Denken redet mit dir oder mit

00:05:45: mir und dann kann ich auch mit dem Denken reden und es ist ungewohnt und

00:05:52: es kann ungewohnt sein, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass es

00:05:55: so einfach ist, dass das so in den Dialog gehen kann im Denken, dass das

00:06:03: Denken seinen Platz finden kann, dass ich es dabei unterstützen kann.

00:06:08: [D] Ja, es gibt verschiedene Ansätze dazu, verschiedene Metaphern, in

00:06:13: denen du das beschreiben kannst. Wie z.B. es gibt verschiedene Teile,

00:06:21: Modelle, verschiedene Therapierichtungen, die mit Persönlichkeitsanteilen reden. Und z.B.

00:06:29: im NLP geht’s darum, dass all diese Persönlichkeitsanteile,

00:06:35: die einen z.B. zu einer Gewohnheit bringen, zu einer Sucht bringen,

00:06:43: dass die es gut mit uns meinen und eigentlich was Gutes für uns bewirken wollen,

00:06:49: aber oft nicht so auf dem neuesten Stand sind oder

00:06:53: nicht so synchron sind mit dem Rest des Organismus, also sehr isoliert ihr Ding

00:07:02: durchziehen wollen und je mehr Widerstand sie vom Rest des

00:07:08: Organismus kriegen, desto isolierter werden sie. Und so in diesen Metaphern sprechen wir mit

00:07:19: Persönlichkeitsanteilen, aber noch viel einfacher als dieses Modell ist,

00:07:24: in deinem Kopf ist etwas, was dich dutzt, was sagt du musst noch das und

00:07:31: das erledigen oder was in Ichform spricht. Und in beiden Fällen meint

00:07:40: es, es wüsste, mit wem es redet. Und aber mit wem redest du da? Da ist

00:07:48: ein Text und der ist offensichtlich nicht nur eine Aufzeichnung, das

00:07:54: meine ich mit halbautomatisch. Es läuft von selbst, aber es ist

00:07:58: zugänglich. Also, wenn ich da drüber spreche, z.B. wann wir beide uns

00:08:04: das letzte Mal live gesehen haben, dann gehen die Gedanken dahin. Und

00:08:10: ohne diese Frage wären sie dann nicht hingegangen.

00:08:14: [B] Das heißt eigentlich ohne dieses „He, liebes Denken, das ist jetzt

00:08:20: echt keine Zeit!“ Also ohne das tut sich das Denken vielleicht auch

00:08:25: schwer, dass es seinen Platz findet. Ich musst das auch wahrnehmen, was

00:08:31: das Denken gerade macht, und dann auch die Halbautomatik erkennen und

00:08:36: ändern. Also hinlenken, du hast es beschrieben mit hinlenken, dass ich

00:08:40: dem Denken sag: „He, Denken, jetzt ist Schlafenszeit, jetzt brauchen wir

00:08:44: es nicht. Danke schön!“, dass ich es auch hinlenke. Meinst du das damit?

00:08:48: [D] Das meine ich und dass es einfach auch eine Frage ans Denken sein

00:08:52: kann: „Findest du, dass das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist?“

00:08:58: Weißt du, einfach eine Frage. Du kannst das Denken fragen, wie viel ist

00:09:01: 5 + 7? Und zack hat’s eine Antwort. Und wenn du dem Denken eine Frage

00:09:08: stellst, dann schaut es, wie es das beantworten kann, wie z.B. „Wann

00:09:13: waren wir das letzte Mal im selben Raum?“ Dann fängt das Denken an

00:09:18: darüber nachzudenken. Und so wär es: “Ist es denn jetzt der gute

00:09:21: Zeitpunkt, darüber nachzudenken?“ Und ich sage nicht „mach das, das

00:09:26: funktioniert!“, sondern: „Was passiert, wenn du mit dem Denken sprichst,

00:09:32: wenn du ihm diese Frage stellst, was passiert dann?“ Und vielleicht

00:09:36: passiert was und vielleicht passiert nichts und das Denken sagt: „Ja,

00:09:39: ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, aber trotzdem.“ Aber das weißt

00:09:45: du vorher nicht, bevor du es nicht gemacht hast. Und deswegen statt

00:09:49: darüber nachzudenken, ist es einfacher das auszuprobieren. Was passiert?

00:09:56: Also kannst du deinem Freund ausrichten, was passiert, wenn du das

00:10:04: Denken fragst, ob es glaubt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist

00:10:08: oder ob es schöner wäre, einfach den Strand zu genießen.

00:10:14: Ich kann dir nur aus meiner Erfahrung sagen, dass das Denken sehr

00:10:19: kooperativ ist und sich darauf besinnt, dass es will, dass es mir gut

00:10:24: geht und den Menschen um mich rum gut geht und der Welt gut geht. Dass

00:10:32: es nicht darum geht, mich zu quälen sondern dass es was Sinnvolles

00:10:42: beitragen möchte und dass es eine Orientierung braucht. Was ist denn

00:10:46: sinnvoll? So wie ein Trompeter lernen kann. Okay, wenn ich nicht die

00:10:50: ganze Zeit spiele, ist die Musik viel schöner, mein Beitrag viel

00:10:57: schöner, statt dass es nervt. Unsere Eltern haben uns selten

00:11:03: beigebracht. Du denkst zu viel, mach doch mal eine Pause. Das ist was,

00:11:11: was wir nicht gelernt haben. Diese Option von: Das Denken kann wirklich

00:11:16: still sein. Und Stille heißt nicht – bei mir heißt es nicht – eine

00:11:23: Stunde ohne Gedanken, aber sehr wenige Gedanken und manche von denen

00:11:32: sind einfach unnötig. aber auch nicht weiter stören. Ich höre eine

00:11:37: Sirene und denke mir Feuerwehr oder Krankenwagen. Und gleichzeitig klar,

00:11:45: da wird’s keine Antwort drauf geben, außer ich würde jetzt raussprinten,

00:11:49: aber so sehr interessiert es mich dann auch nicht. Aber wo ist das

00:11:55: Problem? Dann kam diese Frage kurz auf Feuerwehr oder Krankenwagen und

00:11:59: die Antwort ist: „Hmm!“

00:12:05: [B] Ein Gedankenexperiment: Wie wär es, wenn Eltern oder erwachsene

00:12:09: Menschen das gelernt hätten und wir das als Kinder auch lernen? „Du

00:12:15: denkst zu viel, mach mal eine Pause!“ weil es weiß ja auch jeder und es

00:12:19: tut jedem gut, wenn er mal eine Pause macht. Also, wenn man mal

00:12:24: beruflich oder wie immer sich mit was beschäftigt und dann einmal

00:12:28: spazieren gehen, durchlüftet den Kopf Pause macht, dass es einfach gut

00:12:32: tut, das kennt glaube ich jeder hat jemand am eigenen Leib schon mal

00:12:36: erfahren, dass das gut tut.

00:12:39: [D] Ja, und was hilft ist, wenn die Aufmerksamkeit eingeladen ist,

00:12:45: woanders zu sein. Wir können sagen, schau mal hier, wo du gerade bist.

00:12:49: Und das Denken sagt: „Jo, check. Und was jetzt?“ Und dann gibt es solche

00:12:53: Sachen, wie z.B. Wir haben da drüber gesprochen, den Puls zu fühlen als

00:12:58: eine von ner Million Sachen. Und wir können den Puls so fühlen und wir

00:13:03: können fühlen, dass wenn wir gar nichts machen, sondern einfach nur

00:13:08: still sind, dass wir trotzdem ein Pulsieren im Körper spüren. Dieser

00:13:15: feine Puls, unser Herzschlag ist einfach fühlbar. Zu fühlen, wie das

00:13:22: Blut durch unsere Adern strömt. Das sind diese ganzen Sachen, die

00:13:27: untergehen im Denken. Das ist diese universelle Erfahrung. Z.B. Kennst

00:13:35: du das, Musik zu hören, vielleicht sogar auf einem Konzert und du bist

00:13:38: in Gedanken und du kriegst es nicht richtig mit oder was zu essen und in

00:13:44: Gedanken und du hat gut geschmeckt, glaube ich. Oder eine Massage zu

00:13:53: bekommen und du bist in Gedanken und ja war glaube ich ganz gut für ein

00:13:58: Körper hab es nicht so mitgekriegt so einfach wie viel uns entgeht durch

00:14:02: das Denken. Und dass wir uns das nicht vorenthalten, dass wir uns das

00:14:08: gönnen, diesen Reichtum zu erleben, z.B. Musik zu hören mit liebevollen

00:14:18: Ohren, wenn das Musik ist, die wir lieben. Und wenn wir in Gedanken

00:14:22: sind, hören wir sie nicht wirklich, dann lieben wir sie nicht wirklich.

00:14:30: Aber wenn wir mit liebevollen Ohren hören, wofür braucht’s dann

00:14:36: Gedanken? Und das ist eine Erfahrung, die im Denken ankommen kann, dass

00:14:43: viele Situationen an Qualität verlieren, an Schönheit verlieren durchs

00:14:49: Denken. Das ist nicht was das Denken am Plan hat, sondern was wovon es

00:14:57: sehr wenig Ahnung hat, außer die Erfahrung wird ins Denken übertragen,

00:15:04: die kommt im Denken an, dass die schönsten Momente im Leben sehr wenig

00:15:11: mit Gedanken zu tun haben in meinem Leben. Es kann sein, für ein

00:15:16: Mathematiker ist es, als ich diese Formel verstanden habe, das war ein

00:15:22: wirklich Highlight. Für mich hat’s sehr wenig mit Formeln und Worten zu

00:15:31: tun.

00:15:32: [B] Ich kann mich erinnern, ich war vor einigen Jahren mal Circus Roncalli

00:15:38: oder so, war da eine Vorstellung schauen, und ich kann mir daran erinnern - 

00:15:42: nicht an alles von der Vorstellung, aber an einen Künstler, Artisten,

00:15:48: der jongliert hat und ich weiß noch, da hat’s mir die Tränen

00:15:53: herausgedrückt, weil das so berührend war, so einfach „in Awe“ auf

00:15:58: Englisch sagt man glaube ich einfach so, dass das so unbeschreiblich

00:16:05: war, weil der voll präsent war, dann war ich voll präsent, das war

00:16:10: einfach nur Präsenz und es war natürlich weiß ich nicht mehr, wie sich

00:16:16: es angefühlt hat mit Worten und so weiter. Das bringt ja auch nichts,

00:16:19: brauchen wir auch nicht mit Worten beschreiben, aber dieses Gefühl,

00:16:22: nennen wir jetzt mal wirklich, diese komplette Präsenz, das bum.

00:16:28: [D] Ja, und einfach es ist super klar der Unterschied zwischen das

00:16:36: erleben und das erzählen. Angenommen, jemand würde dir das erzählen, so

00:16:43: wie du mir das jetzt erzählt hast. Das ist auch nett und macht

00:16:50: Erinnerungen an, wo ich in Awe war. Aber es ist einfach was anderes als

00:17:02: das wirklich zu erleben. Küssen ist was anderes als über ein Kuss zu

00:17:07: reden. Und der Jongleur, von dem du sprichst, der hat sich nicht viel

00:17:14: gedacht, was esse ich denn nachher oder sowas, sondern das sind eben

00:17:19: diese Situation auch ein Musiker kann sich das nicht leisten an was

00:17:25: anderes zu denken, während er spielt. Außer er spielt halt zum

00:17:29: hundertsten Mal dasselbe Ding runter, aber das ist halt auch wieder

00:17:32: hörbar. Viele Sachen sind einfach: wenn du nicht wirklich dich drauf

00:17:37: einlässt und mit ganzer Aufmerksamkeit da bist, dann ist es nichts. Und

00:17:43: manche Sachen gehen mit halber Aufmerksamkeit und dann sind sie einfach

00:17:47: nur „nicht so schön, aber auch ganz okay“. Aber den Unterschied zu

00:17:52: fühlen, wie sind diese Momente, wo das Denken einfach nichts zu sagen

00:17:57: hat, außer oh, deswegen heißt es oh, das ist einfach ein wirklich

00:18:05: fühlbarer Unterschied. Und wenn das klar ist,

00:18:12: warum sollten wir uns das entgehen lassen?

00:18:21: Das sind diese Momente, so wie du das beschreibst, die

00:18:25: eine Intensität haben, die echt schön ist. Ich habe neulich einen Film

00:18:33: gesehen von jemand, der am Sterben ist. Am Schluss ist er auch wirklich

00:18:42: gestorben. Und sein Rückblick ist vor allem eine Szene, wo er getanzt

00:18:47: hat. Es ist eine Feier von seinem Leben; seine Zusammenfassung ist: „Ich

00:18:55: habe getanzt.“ Und so wenn wir schauen, was ist wesentlich im Leben,

00:19:04: dann ist es: Ich habe getanzt, ich habe gefühlt, ich war lebendig. Ich

00:19:10: habe geliebt und „ich habe echt viel nachgedacht über meine Arbeit“ oder

00:19:18: sowas – das ist vielleicht dann nicht so das ist schon auch ein ganz

00:19:22: nettes Werkzeug, aber es ist nicht so ähnlich wie „ich habe echt viele

00:19:26: Schuhe gehabt“, nicht so wesentlich.

00:19:33: Und das ist was, das kann niemand für uns entscheiden, was ist

00:19:36: wesentlich in meinem Leben? Was liebe ich wirklich? Das ist eine

00:19:43: interessante Frage. Uns ist klar, dass das Denken dazu was zu sagen hat,

00:19:48: aber dass die wesentliche Antwort darauf nicht aus dem Denken kommt.

00:19:54: Diese Frage „Was liebe ich?“ ist zu wesentlich, um sie nur vom Denken

00:19:58: beantworten zu lassen. Aber es ist eine interessante Frage

00:20:05: [B] Und vor allem würde ja,

00:20:07: wenn man das nicht ein biss mal stehen lässt, wenn man es gleich beantwortet,

00:20:10: könnte z.B. kommen: „Fußball!“ oder „hoffentlich meine Partnerin!“,

00:20:14: aber da mal nicht nur diese Etiketten raufzuhängen.

00:20:20: [D] Ja. Und dann aber auch in diesen Beispielen, wann liebst du Fußball

00:20:26: wirklich? Wenn du nicht an was anderes denkst! Du kannst während so nem

00:20:32: Spiel, sagen wir mal, du siehst es am Fernseher, dann kannst du merken:

00:20:36: Ich bin in Gedanken und das ist eigentlich egal, ob das läuft oder

00:20:39: nicht. Zwischendurch mal kurz aufs Handy schauen oder so. Und dann

00:20:46: gibt’s diese Szenen von „der Wahnsinn!“ Wo es einfach wo du voll dabei

00:20:52: bist, und mit Partnerin natürlich sowieso.

00:20:55: [B] Absolut. Ja.

00:20:58: [D] Und bei allem muss das Denken auch nicht verschwinden. Es ist nicht

00:21:02: irgendwie: Du redest was mit deiner Partnerin und dann ist der Moment

00:21:08: versaut oder sowas. Sondern einfach das Denken hat ja auch eine sehr

00:21:13: witzige Seite, wo man Spaß durchs Denken hat oder wo man sich seine

00:21:23: Träume erzählt oder seine Fantasien oder seine was auch immer, ist

00:21:29: einfach auch was Verbindendes, aber es ist halt nicht das Wesentliche.

00:21:33: Das Wesentliche ist das Gefühl in diesem Moment, das Gefühl von

00:21:38: gemeinsam präsent zu sein, gemeinsam gerade lebendig zu sein – sage ich.

00:21:48: Ich bin ja nicht der Maßstab für andere Leute, aber für mich ist dieses

00:21:56: gemeinsame Lebendigsein, das liebe ich.

00:22:00: [B] Mhm. So lustig, weil wenn wir über das reden, ich merke, das liebe

00:22:07: ich auch und dann poppen schon wieder Erinnerungen auf, also Bilder oder

00:22:15: Momente, wo das einfach z.B. mit einem anderen Menschen war, aber nicht

00:22:20: geplant, nicht irgendwie sondern einfach muss auch keine intime

00:22:24: Beziehung jetzt gewesen sein oder irgendwas Sexuelles, überhaupt nicht.

00:22:28: Es kann mit vielen Menschen sein, mit vielen Momenten und ich find

00:22:32: spannend, dass das dann aber auch so klar wieder in Erinnerung vorkommt

00:22:39: und zwar nicht so beschreibbar mit es war so und so genau,

00:22:42: sondern so ein Gefühl.

00:22:45: [D] Ja, es ist nicht wirklich beschreibbar. Es ist so ein Gefühl und es

00:22:54: sind diese Momente, wo wir voll da waren mit ganzer Aufmerksamkeit, wo

00:23:02: dieser Moment nicht dazu diente, irgendwelche Bedingungen zu erfüllen.

00:23:06: [B] Genau.

00:23:10: [D] Und wenn das erkannt, dass es geht nicht so sehr darum, dass

00:23:16: Bedingungen erfüllt werden. Also manchmal geht’s darum, wenn wir

00:23:22: vielleicht geht’s bei unserem Hotelzimmer darum: „Das ist aber nicht,

00:23:26: was ich gebucht habe“ oder sonstige Sachen. Na klar gibt’s Situationen,

00:23:30: wo es darum geht das zu bekommen, was ich bestellt habe, im Restaurant.

00:23:38: Außer ich habe was Besseres gekriegt. Aber meistens sind unsere

00:23:50: Glücksmomente nicht, weil jetzt so viele von unseren Bedingungen erfüllt

00:23:54: sind, sondern weil wir keine Bedingung haben gerade. Und natürlich kann

00:24:00: das sich überlappen, von „Wow, echt genau wie ich es mir vorgestellt

00:24:04: habe!“, und dann wird es schöner als ich es mir vorgestellt habe. Aber

00:24:08: oft ist es eben auch ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Und

00:24:14: je weniger Bedingungen ich stelle, desto mehr Chancen hat dieser Moment,

00:24:19: schön zu sein. Und je mehr meine Aufmerksamkeit in der Gegenwart ist,

00:24:29: desto mehr Chancen hat dieser Moment, schön zu sein.

00:24:33: [B] Ist eine sehr gute Kombi, glaube ich:

00:24:36: Wenig Bedingungen und viel Aufmerksamkeit.

00:24:39: [D] Ja, weil Bedingungen in gewisser Weise von vornherein so eine

00:24:44: gespaltene Aufmerksamkeit machen, dass wir das Original haben, so wie es

00:24:47: jetzt ist und die Vorlage, wie es sein sollte, und zwischen denen am

00:24:52: Vergleichen sind. Und ohne Vergleich ist dieser Moment unvergleichlich.

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