Antreiber-Gedanken – und der Frieden dahinter
Shownotes
Wie gehe ich mit der inneren Stimme um, die ständig Produktivität fordert – selbst wenn ich krank bin oder Ruhe brauche?
In dieser Folge sprechen wir über Antreiber-Gedanken, Leistungsdruck und die Frage, warum es oft nicht hilfreich ist, diese Stimme „loswerden“ zu wollen.
Statt Kampf geht es um Klarheit:
– Woher kommen diese inneren Forderungen? – Welche Bedürfnisse stecken dahinter – Sicherheit, Anerkennung, Fürsorge? – Warum ist Regeneration Teil von Leistungsfähigkeit? – Wie können alte innere Stimmen erkannt und aktualisiert werden? – Was passiert, wenn wir für einen Moment alle Bedingungen loslassen?
Anhand von Beispielen aus Arbeit, Schlaf und Meditation wird deutlich: Denken ist nicht der Feind – aber es braucht einen angemessenen Platz.
Ein Gespräch über Produktivität, Klarheit und inneren Frieden vor den Gedanken.
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Transkript anzeigen
0: ,0: B] Wir haben ja wieder eine Frage bekommen,
0: ,0: was – ich glaube, ich spreche für uns beide – uns sehr freut.
0: ,0: Die Frage, sie lautet:
0: ,0: Wie werde ich die Stimme in meinem Kopf los, die permanent von mir fordert, produktiv zu sein,
0: ,0: auch wenn es mir gar nicht so gut geht, dass ich in der Lage bin, etwas zu leisten?
0: ,0: D] Das wäre interessant, was die Motivation hinter dieser Stimme ist.
0: ,0: Ich bin produktiv – um … was?
0: ,0: Was ist das Versprechen hinter dem Produktivsein?
0: ,0: B] dass man etwas erledigt hat, dass man seine To-dos ja machen muss wegen Job oder privat.
0: ,0: So kann ich es mir nur, so wie ich mich reinfühle in die Frage, vielleicht auch dieses so:
0: ,0: Eigentlich bin ich krank und liege im Bett und müsste jetzt auf meine Gesundheit schauen.
0: ,0: Aber ich sollte noch das und das und das vorbereiten und das und das erledigen.
0: ,0: Dass diese Stimme so stark ist und so laut ist, dass man sich gar nicht wirklich die
0: ,0: Erlaubnis gibt, zu gesunden, sondern dass ein innerer Kampf ist zwischen:
0: ,0: Eigentlich brauche ich Ruhe und bin krank – und andererseits fordert da
0: ,0: diese permanente Stimme im Kopf, dass ich produktiv bin, etwas erledige.
0: ,0: D] Ja. Dann könnte es interessant sein zu bemerken:
0: ,0: Die Stimme – erstens hört die eh nicht auf, weil diese To-do-Liste ja wahrscheinlich
0: ,0: auch nicht unbedingt endet. Und deswegen ist es wurscht,
0: ,0: wann ich mich nicht mehr nach der richte. Das wäre also ein möglicher Ansatz:
0: ,0: Wenn die eh nie zufrieden ist, dann kann sie auch ruhig jetzt unzufrieden sein.
0: ,0: Und das andere wäre: Wenn wir krank sind zum Beispiel, dann gibt es diese zwei Ansätze,
0: ,0: und Leute haben diese … verfolgen diese Ansätze. Der eine ist: Es geht schon, und wir schleppen
0: ,0: uns in die Arbeit oder wir erledigen trotzdem unsere To-dos.
0: ,0: Und erfahrungsgemäß zieht sich die Krankheit dadurch deutlich länger.
0: ,0: Und die Alternative ist: Ich gönne mir diese Ruhe,
0: ,0: und dann bin ich sehr schnell wieder sehr viel fitter und leistungsfähiger.
0: ,0: Und die Arbeit wird deutlich leichter, wenn ich die Energie dafür habe,
0: ,0: wenn ich die Aufmerksamkeit dafür habe. Oft ist die Erfahrung ja: Man zwingt sich
0: ,0: zu irgendwas, und dann macht man eh so viele Fehler rein, dass man locker mal
0: ,0: die doppelte Zeit brauchen würde, wie man sonst brauchen würde, wenn man fit ist.
0: ,0: Also es könnte sein einfach, wenn das Bedürfnis ist: Ich möchte viel
0: ,0: erledigen – wenn das das Bedürfnis hinter dieser Antreiberstimme ist – könnte es sein:
0: ,0: Ja, und wenn ich mir jetzt Ruhe gönne, erledige ich hinterher viel schneller wieder viel mehr,
0: ,0: und auf eine Art, wo ich mich nicht zwingen muss, wo ich es vielleicht sogar gern mache.
0: ,0: So, es ist ja offensichtlich, dass wir nicht 24 Stunden arbeiten können,
0: ,0: sondern dass Schlaf hilft, damit wir wieder fit und aufmerksam und intelligent sind.
0: ,0: Ohne Schlaf ist das sehr schnell … können wir zuschauen, wie unsere Intelligenz sinkt, und
0: ,0: andere Leute können das auch sehr gut beobachten. Und so ist halt einfach, dieses Regenerieren ist
0: ,0: einfach ein wichtiger Teil vom Produktivsein. Und das ist was, was vielleicht
0: ,0: bei dieser Stimme ankommen kann. Ich glaube, dass es grundsätzlich schwierig
0: ,0: ist zu sagen: Wie werde ich eine Stimme los? Man könnte Hirnchirurgie ausprobieren oder so was.
0: ,0: Aber so ist es einfach ein Ausdruck von einem Bedürfnis.
0: ,0: Und das zu klären: Ist das denn wirklich mein Bedürfnis, oder ist das etwas, was ich mal gelernt
0: ,0: habe, von zum Beispiel super produktiven Eltern oder so ner Umgebung, in der Leistung alles war?
0: ,0: Und sind das denn meine eigenen Bedürfnisse? Würde ich das an meine Kinder weitergeben
0: ,0: wollen zum Beispiel? Oder ist es etwas,
0: ,0: das habe ich mal gelernt, und dann habe ich es wieder abgelegt?
0: ,0: Wie so vieles, was wir gelernt haben: Haben wir mal ausprobiert, und dann war‘s das nicht,
0: ,0: dann haben wir es gelassen. Bei mir zum Beispiel: Geometrie
0: ,0: habe ich ausprobiert, hat mir nichts gebracht, habe ich gelassen.
0: ,0: B] Was du gerade auch beschrieben hast mit dem, dass man das vielleicht ja von
0: ,0: den Eltern mitbekommen hat oder so, von dem, wie man aufgewachsen ist, das ist ganz spannend, weil:
0: ,0: Diese Ergänzung kommt dann auch meistens, auch bei Gesprächen, die ich mit Freundinnen und Freunden
0: ,0: führe, dass man das so mitbekommen hat, dass man so erzogen worden ist.
0: ,0: Und ich kann mich erinnern, dass wir immer öfters gesprochen haben über eine Art Update:
0: ,0: Dass das erkannt werden kann, dass das jetzt nicht meins ist,
0: ,0: oder dass mir das angezogen worden ist, obwohl ich das gar nicht so wollte vielleicht.
0: ,0: Leben bedeutet es irgendwie, dass man Dinge mitbekommt, aber dass man dann,
0: ,0: wenn man die Klarheit besitzt, dass man das auch wieder ablegen kann.
0: ,0: Und dass man sich selbst ein Update gönnt, gönnen kann.
0: ,0: D] Ja, die Stimmen in unserem Kopf – insofern sind diese Stimmen,
0: ,0: die etwas sagen, mit dem wir nicht einverstanden sind,
0: ,0: wirklich ganz hilfreich, um zu erkennen: Wer oder was spricht denn da einfach?
0: ,0: Also das deckt sich nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion, um es mal so zu sagen.
0: ,0: Das deckt sich nicht unbedingt mit unserem Erleben.
0: ,0: Das sind halt sehr oft alte Aufzeichnungen, von zum Beispiel unseren Eltern.
0: ,0: Und jetzt gibt es aber viele Sachen, die wir gemacht haben, mit denen unsere Eltern nicht
0: ,0: einverstanden wären, und wir haben deutliche Unterschiede zwischen uns und unseren Eltern.
0: ,0: Wir hören vielleicht ganz andere Musik, nur so als ein Beispiel, oder die Kleidung,
0: ,0: die die uns angezogen haben, die würden wir heute nicht mehr freiwillig anziehen.
0: ,0: Also dass es dazugehört, Meinungen zu ändern oder Überzeugungen abzulegen, das ist
0: ,0: einfach Teil vom Erwachsenwerden. Und ein wesentlicher Punkt dabei ist zu erkennen:
0: ,0: Ja, es ist halt einfach eine Aufzeichnung, es ist eine Stimme, die immer wieder abläuft.
0: ,0: Und vielleicht in dem Beispiel, getrieben von dem Drang, die ganze Zeit irgendwas zu leisten,
0: ,0: produktiv zu sein oder aktiv zu sein zumindest – nicht einfach nur nichts zu tun.
0: ,0: Und wenn wir sehr aufs Denken fixiert sind, wenn das unsere Orientierung ist:
0: ,0: Was das Denken über uns sagt, ist wichtiger als was wir eigentlich vor dem Denken erleben
0: ,0: – also wenn das unsere Autorität ist sozusagen –, dann ist diese Zeit ohne
0: ,0: Gedanken, oder wo nichts passiert, wo wir nichts machen, ungefüllte Zeit sozusagen,
0: ,0: ist fürs Denken Orientierungslosigkeit, Sinnlosigkeit, unproduktiv.
0: ,0: Diese Erfahrung macht ja, glaube ich, auch jeder Mensch, der meditieren möchte in dem Sinne von:
0: ,0: Ich setze mich jetzt hin und mache einfach mal gar nichts.
0: ,0: Und zu merken: Joah, außer das Denken, das macht so weiter wie bisher.
0: ,0: Außer dass es zwischendurch vielleicht sagt: Wie lange war das jetzt? Können wir vielleicht mal
0: ,0: wieder etwas anderes machen? oder so. Aber das Denken hat halt die Tendenz,
0: ,0: den Raum zu füllen mit, was ihm halt gerade so durch den Kopf geht:
0: ,0: Gerne mit To-dos, gerne, was ich nach der Meditation machen werde und so weiter.
0: ,0: Meditation ist eine Gelegenheit, das zu bemerken. Es ist nicht eine Gelegenheit, Stimmen
0: ,0: loszuwerden, sondern zu bemerken, was da alles abgeht, ohne dass es irgendwie ein Zutun gibt.
0: ,0: Also wie das Denken einfach so ein Selbstläufer ist, der sich mit sich selbst beschäftigt,
0: ,0: den vorigen Gedanken kommentiert, und das führt zum nächsten Gedanken und so weiter.
0: ,0: Und wie die Emotionen da drauf einsteigen, wie das körperlich fühlbar wird.
0: ,0: Das ist ganz interessant in der Meditation, weil dadurch auch Gelegenheit ist zu fühlen:
0: ,0: Was ist denn außerhalb vom Denken? Wie ist dieser Moment?
0: ,0: Wie fühlen sich die Fußsohlen an? Wie fühlt sich die
0: ,0: Raumtemperatur an? und so weiter. Was sind für Geräusche außerhalb vom Denken?
0: ,0: Diese ganze Welt, die jenseits vom Denken ist und vom Denken nicht erfasst wird,
0: ,0: auch wenn … das Denken wird immer sagen: „Wieso? Ich erfasse es doch:
0: ,0: Vogelgezwitscher, Raumtemperatur haben wir doch.“ Ja, du hast die Benennung dazu,
0: ,0: aber nicht das Erleben. Wenn man jetzt krank im Bett liegt, kann es sein:
0: ,0: Das Denken hätte gerne wieder diesen Normalzustand und kann sich mit dem Einfach-jetzt-nichts-tun
0: ,0: nicht so richtig anfreunden. Ja! Muss es auch nicht.
0: ,0: Aber vielleicht freundest du dich mit dem Nichtstun an, mit dem Einfach-da-sein und Erleben.
0: ,0: B] Und das finde ich einen voll schönen und liebevollen – liebevolle Haltung
0: ,0: oder Zugang, weil ich kenne sie, wie gesagt. Ich kann von mir sagen, dass man solche Gedanken
0: ,0: jetzt nicht unbedingt willkommen heißt oder so, dass man diese Stimme ja, wie bei der Frage,
0: ,0: irgendwie loswerden möchte. Aber was du jetzt gerade beschrieben hast,
0: ,0: ist irgendwie eine ganz andere Haltung dem Ganzen gegenüber zu haben oder zu bekommen,
0: ,0: weil man irgendwie – wie du auch beschrieben hast – man kann irgendwie auch froh sein
0: ,0: oder das so erkennen als: Da möchte einfach was angeschaut werden und ein Update bekommen.
0: ,0: Und ich finde diese Haltung, diesen Zugang einfach ganz anders auch vom direkten Empfinden her.
0: ,0: Wenn ich darüber spreche oder wenn es auch auf mich wirkt,
0: ,0: das fühlt sich ganz anders an, viel liebevoller.
0: ,0: D] Ich glaube, dass es auch wirklich ein hilfreicher Ansatz ist, zu schauen,
0: ,0: dass die Gedanken es ja gut meinen. Selbst die strengsten und kritischsten
0: ,0: Gedanken wollen ja im Endeffekt, dass es uns gut geht.
0: ,0: Also „wenn du produktiv bist, dann kannst du stolz auf dich sein“,
0: ,0: oder „dann hast du anschließend frei“, oder „dann bist du zufrieden“,
0: ,0: oder „andere sind mit dir zufrieden“, oder „du bist sicher, wenn du viel
0: ,0: Geld verdienst“ oder was auch immer. Also es ist ja einfach gut gemeint.
0: ,0: So wie meistens unsere Eltern das ja auch gut gemeint haben
0: ,0: mit dem, was sie uns angezogen haben oder beigebracht haben.
0: ,0: Also dass das Denken nicht der Feind ist, sondern dass das Denken auch aus nem liebevollen Impuls
0: ,0: kommt, aus dem Wunsch, dass es uns gut geht. Und selbst die strengsten Kommentare,
0: ,0: die uns da irgendwie beschimpfen oder so – die sind halt unzufrieden damit, wie wir uns
0: ,0: verhalten oder wie wir sind oder nicht sind. Und denken halt: Wenn wir anders wären,
0: ,0: wenn wir uns anders verhalten würden, dann würde es uns besser gehen.
0: ,0: Und das heißt: Da ist ein liebevoller Wunsch eigentlich dahinter – nur die Umsetzung,
0: ,0: da hapert’s halt ein bisschen. „Warum kannst du nicht glücklich sein,
0: ,0: du Idiot!“ – dass das von vornherein ein bisschen kontraproduktiv ist.
0: ,0: Aber dass trotzdem der Wunsch nach Glücklichsein dahintersteht.
0: ,0: Oder danach, ein guter Mensch zu sein oder was immer das ist.
0: ,0: B] Was ja auch wieder sehr liebevoll ist.
0: ,0: D] Ja. Nur die Bedingungen, die das Denken dann daran stellt an Liebe oder an liebevolles Erleben,
0: ,0: die sind halt oft sehr veraltet oder sehr eindimensional, engstirnig – unnötig oft.
0: ,0: „Wenn meine Bedingungen nicht erfüllt sind,
0: ,0: dann kann ich diesen Moment auch nicht genießen.“ Und dann ist ein interessanter Punkt:
0: ,0: Sind es denn wirklich meine Bedingungen? Wie ist es, wenn ich auf die verzichte?
0: ,0: Meine Empfehlung ist meistens: Verzichte für eine Minute darauf.
0: ,0: „Ich muss im Leben das und das erreichen“ oder „meine Partnerschaft muss so und so sein“ oder
0: ,0: „meine Gesundheit …“ – egal, was auch immer. Wie ist es, wenn du dir ne Minute freinimmst
0: ,0: Nicht: „Ich verzichte für immer darauf, ab jetzt ist mir alles egal“,
0: ,0: sondern diese Minute habe ich frei von allen Bedingungen,
0: ,0: allen Wünschen, allen Hoffnungen,
0: ,0: allen Befürchtungen. Wie ist dieser Moment dann,
0: ,0: wenn der einfach freigelassen wird und nicht für irgendwas herhalten muss?
0: ,0: B] Aber ich glaube, dass das schon die Champions League ist.
0: ,0: Ein Zwischenschritt wäre vielleicht auch einmal,
0: ,0: alle Bedingungen wegzulassen, die man sowieso nicht ändern kann,
0: ,0: zum Beispiel das Wetter oder solche Dinge. Und was du beschrieben hast,
0: ,0: ist irgendwie schon die oberste Klasse, so: Einfach mal alle Bedingungen weglassen.
0: ,0: Oder vielleicht einmal zumindest die weglassen, die ich sowieso nicht ändern kann,
0: ,0: und dann im nächsten Schritt alle anderen auch noch.
0: ,0: D] Weißt du, wenn wir einschlafen, dann lassen wir alle Bedingungen weg.
0: ,0: Wir gehen nicht mit Bedingungen in den Schlaf. Das wäre etwas, was uns wachhalten würde.
0: ,0: Wenn wir einschlafen, lassen wir alles zurück:
0: ,0: alle Vergangenheit, alle Zukunft und sind einfach nur im Schlafland.
0: ,0: Also das ist nicht so außergewöhnlich. Und es ist klar:
0: ,0: Am nächsten Tag stehen wir auf und haben wieder Bedingungen
0: ,0: und haben wieder etwas zu tun und haben Hoffnungen und Befürchtungen
0: ,0: und so … ja! Das ist unsere
0: ,0: tägliche bzw. nächtliche Erfahrung, dass wir alle Bedingungen ablegen.
0: ,0: Wie ist es, wenn wir das als bewusste Entscheidung machen für – wie gesagt – eine Minute?
0: ,0: Eine Minute ist einfach nur: Ich fühle, wie es ist.
0: ,0: Ohne Bedingungen, ohne Hoffnungen, ohne Befürchtungen.
0: ,0: Ohne dass das was bringen muss. Wie ist das, frei zu sein von dieser
0: ,0: Bewertungs-Instanz da –scheinbaren Instanz. Da ist eine Stimme oder sonst
0: ,0: irgendwie ein Kommentar, der eine Anspannung in den Organismus bringt.
0: ,0: Und so oft ist es wie beim Wetter: Was willst du jetzt an deiner
0: ,0: Karrieresituation ändern am Samstag um drei Uhr nachts?
0: ,0: B]
0: ,0: Kann das sein, dass auch diese Angebote, zum Beispiel Karriere, Samstag nachts kommen,
0: ,0: weil man ihnen vorher nicht einmal diesem Bedürfnis Raum gibt?
0: ,0: Warum meldet sich dieser Wunsch dann am Samstag drei Uhr nachts?
0: ,0: D] Das kann verschiedene Gründe haben. Einer ist, wie du sagst:
0: ,0: Vielleicht wäre es sinnvoll, sich über bestimmte Themen Gedanken zu machen –
0: ,0: über die Beziehung, über die Karriere, über die Gesundheit, über die Zukunft oder so.
0: ,0: Vielleicht gibt es da was zu bedenken, zu entscheiden, zu planen, was auch immer.
0: ,0: Und wenn wir uns tagsüber nicht Zeit nehmen, dann meldet sich das,
0: ,0: wenn nichts anderes wichtig erscheint. Wenn dieser Moment nicht gefüllt ist,
0: ,0: dann kommen diese Themen halt auf. Und deswegen wäre es sinnvoll,
0: ,0: wenn wir gut schlafen wollen, dass diese Themen im Lauf des
0: ,0: Tages ne Zeit bekommen. Zum Beispiel –das empfehle
0: ,0: ich oft Patienten, Klientinnen –, dass sie sich wirklich an ihren Schreibtisch setzen
0: ,0: und dieses Thema: Was möchte ich morgen in der Arbeit machen? oder:
0: ,0: Was war heute in der Arbeit? Was gibt es noch zum Thema Arbeit zu sagen?
0: ,0: Sich wirklich Zeit zu nehmen für diese Gedanken, die sonst mitten in der Nacht kommen.
0: ,0: Und die Gedanken einzuladen, dass sie jetzt wirklich willkommen sind –
0: ,0: für diese 20 Minuten oder was auch immer das sein mag.
0: ,0: Dass es so eine Art innere Konferenz gibt, wo das alles willkommen ist,
0: ,0: was es zum Thema Arbeit gibt. Und dann, wenn es dazu nichts mehr zu sagen gibt,
0: ,0: sich von diesen Gedankengängen zu verabschieden und die am Schreibtisch zu lassen.
0: ,0: So: Gibt es noch etwas zu sagen? Nein? Danke! Dann bis morgen.
0: ,0: So wie wir das nicht wollen würden, wenn uns jemand aus dem Büro
0: ,0: um drei Uhr nachts am Samstag anruft und sagt: „Ich habe übrigens mir überlegt,
0: ,0: wir könnten in der Arbeit …“
0: ,0: Da würden wir sagen: Jetzt doch nicht!
0: ,0: Das ist kein guter Zeitpunkt dafür.
0: ,0: Ein Aspekt könnte sein: Ja, diese Gedanken brauchen irgendwann nen Platz,
0: ,0: wenn sie berechtigt sind. Das heißt, sie brauchen auch einen Zeitpunkt.
0: ,0: Und der andere Aspekt könnte sein: Das Denken hat einfach kein Timing gelernt.
0: ,0: Das Denken läuft halt so dahin, ohne unbedingt einen Bezug zur Situation.
0: ,0: Und das ist aber was, was das Denken lernen kann.
0: ,0: Zum Beispiel durch dieses: Setz dich an den Schreibtisch
0: ,0: und schließ das Thema da ab für heute. Und so kann das Denken auch lernen,
0: ,0: wann sein Einsatz ist und wann es Pause hat.
0: ,0: Ich habe in dem Buch Re-Source dieses Beispiel gebracht,
0: ,0: dass das Denken ist wie ein Trompeter:
0: ,0: Wenn ein Trompeter die ganze Zeit durchspielt, das ganze Lied über oder die ganze Symphonie über,
0: ,0: dann nervt das unglaublich.
0: ,0: Und wenn der Trompeter weiß,
0: ,0: wann sein Einsatz ist und wann er Pause hat,
0: ,0: dann ist Trompete –finde ich – ein mega tolles Instrument.
0: ,0: Aber in ner Band zum Beispiel sollte ein Trompeter deutlich weniger spielen
0: ,0: als ein Bassist oder ein Schlagzeuger.
0: ,0: Das wären Instrumente, die die ganze Zeit oder die meiste Zeit durchspielen –
0: ,0: so wie zum Beispiel unser Gefühl die ganze Zeit da ist.
0: ,0: Aber das Denken ist gut, wenn es ist wie so ein Trompeter:
0: ,0: Wenn es etwas Wesentliches beizutragen hat.
0: ,0: Nicht, wenn es einfach so eine Art Klangteppich macht,
0: ,0: so „Wort-Teppich“.
0: ,0: Und das ist etwas,
0: ,0: was das Denken lernen kann: Wo ist sein Platz und wann ist seine Zeit und wann nicht?
0: ,0: Und es lernt eben durch die Erfahrung auch,
0: ,0: wie zum Beispiel: Wenn ich Ruhe gebe, bin ich leistungsfähiger, bin ich produktiver.
0: ,0: Durch Meditation wird der Geist wirklich klarer.
0: ,0: Nur so als ein Beispiel, dass das Denken ja wie gesagt will, dass es uns gut geht.
0: ,0: Und dass im Denken selber nichts verzeichnet ist von: Ja, hör halt auf mit dem Denken!
0: ,0: Oder wenn’s das Denken versucht, dann sagt es: „Hm, wie hört man denn auf mit dem Denken?“ und
0: ,0: schaut dann: „Gegenmaßnahmen gegen das Denken“, überlegt, wie es das Denken loswird und so.
0: ,0: Statt: Wie ist es, wenn die Aufmerksamkeit weiter wird als das Denken? Wenn die Aufmerksamkeit beim
0: ,0: Atem ist und bei den Geräuschen und bei dem, wie es hier so riecht und dieser Fülle von Eindrücken.
0: ,0: Wie das sich jetzt in diesem Moment zeigt, dass wir lebendig sind.
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