Freiheit als Spielraum – Lebendigkeit als "kann"

Shownotes

Freiheit wird oft gedacht – und selten direkt erlebt.

In der ersten Folge sprechen Dittmar Kruse und Bernd Stadlober über Freiheit als Spielraum: als eine körperlich erfahrbare Lebendigkeit, die sich zeigt, wenn die Aufmerksamkeit sich von Gedanken löst – ohne etwas gegen sie zu unternehmen.

Ausgehend vom unmittelbaren Erleben erkunden sie, wie Denken aus Wahrnehmung entsteht – und was geschieht, wenn Gedanken den Moment vereinnahmen und verengen. Es wird deutlich, wie dadurch Anspannung im Körper entsteht – und wie sich im einfachen, klaren Bemerken ein Spielraum öffnet.

Grundlage dieser Reihe ist Dittmar Kruses Buch „Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit“.

Weitere Informationen: https://dittmar-kruse.com/re-source

Transkript anzeigen

00:00:00: [B] Willkommen zur

00:00:00: ersten Folge von Re-Source: Leben als Spielraum.

00:00:00: Kurz zu uns: Dittmar arbeitet seit vielen Jahren als

00:00:00: Heilpraktiker für Psychotherapie und mit NLP und hat unter anderem die Bücher

00:00:00: Anker im Jetzt und Re-Source, sein neuestes, geschrieben.

00:00:00: Ich bin Bernd, ich kenne Dittmar seit einigen Jahren

00:00:00: und ich war lange jemand mit vielen Fragen und viel Suche im Leben –

00:00:00: und damit bin ich wahrscheinlich nicht der Einzige.

00:00:00: Daher haben wir uns entschieden, diesen Podcast gemeinsam zu starten.

00:00:00: Lieber Dittmar,

00:00:00: Leben als Spielraum – was bedeutet das?

00:00:00: [D] Spielraum ist

00:00:00: eine Metapher für Freiheit.

00:00:00: Spielraum heißt Bewegungsfreiheit. Wir haben körperlich Bewegungsfreiheit

00:00:00: und wir haben geistig Bewegungsfreiheit, dass wir z.B. Metaphern wechseln können.

00:00:00: Großes Thema in dem Buch.

00:00:00: Und Spielraum ist in gewisser Weise

00:00:00: auch synonym mit Leben, Lebendigkeit.

00:00:00: Ein sehr kurzes Wort für Spielraum ist „kann“.

00:00:00: Das heißt, Spielraum ist auch ein Möglichkeitsraum.

00:00:00: Die Möglichkeit, wählen zu können,

00:00:00: variieren zu können,

00:00:00: sich bewegen zu können – das ist Spielraum.

00:00:00: Leben als Spielraum.

00:00:00: Das finde ich die passendste Metapher

00:00:00: für lebendig sein: dass wir was können,

00:00:00: dass wir uns bewegen können, dass wir wählen können.

00:00:00: Nicht alles. Ich tät mich jetzt schwer,

00:00:00: hier so hoch zu schweben oder so,

00:00:00: aber ich kann wählen, worüber ich als nächstes rede.

00:00:00: Bzw. in gewisser Weise kannst auch du wählen,

00:00:00: worüber ich als nächstes rede.

00:00:00: [B] In diesem Spielraum

00:00:00: werden wir uns austoben.

00:00:00: Und wir wollen uns voll hineinlassen

00:00:00: auf das direkte Erleben, auf das, was wirklich da ist.

00:00:00: Und da ist ja ein großer Punkt in unserem menschlichen Erleben,

00:00:00: dass da bei den meisten Menschen sehr

00:00:00: sehr oft – bei mir auch inklusive – Gedanken im Spiel sind.

00:00:00: Gedanken gehören zum Leben von uns Menschen dazu.

00:00:00: Ein Hund oder Tiere werden vermutlich

00:00:00: sich nicht so viele Gedanken machen können wie wir.

00:00:00: Das zeigt ja auch wieder nur dieses Können des Menschen:

00:00:00: Wir können uns Gedanken machen.

00:00:00: Und vielleicht starten wir hinein mit dem Thema Gedanken.

00:00:00: Was ist das überhaupt – jetzt nicht auf chemischer

00:00:00: oder biologisch-naturwissenschaftlicher Sicht, sondern:

00:00:00: Was sind Gedanken, was machen Gedanken

00:00:00: im direkten Leben mit Menschen oder was können sie machen

00:00:00: mit Menschen?

00:00:00: [D] Gedanken

00:00:00: sind ursprünglich einfach ein Abbild dessen,

00:00:00: was wir sinnlich erleben – was wir sehen, hören, fühlen.

00:00:00: Hinterher können wir uns daran erinnern,

00:00:00: Vergangenheit erzeugen aus unserem sinnlichen Erleben.

00:00:00: Und wir können eine Zukunft erzeugen, dass wir uns vorstellen,

00:00:00: dass das wiederkommt, was wir erlebt haben,

00:00:00: oder dass es besser wird oder schlimmer wird.

00:00:00: Ausgangspunkt ist sinnliches Erleben.

00:00:00: Wenn wir noch keine Wörter kennen als Kinder, kleine Kinder,

00:00:00: dann übersetzen wir das in Bilder,

00:00:00: an die wir uns erinnern, und an Stimmen,

00:00:00: die wir wiedererkennen und so.

00:00:00: Und dann kommen Wörter ins Spiel,

00:00:00: und die sind noch mal deutlich extremer.

00:00:00: Die Sachen, an die wir uns erinnern:

00:00:00: Wenn wir jetzt die Augen zumachen, ist der Raum, in dem wir sitzen,

00:00:00: wesentlich detaillierter als die Erinnerung,

00:00:00: obwohl wir das gerade vor zwei Sekunden gesehen haben.

00:00:00: Wenn das dann in Wörter übersetzt wird,

00:00:00: dann ist es einfach nur „Raum“ oder „Zimmer“ oder so –

00:00:00: keinerlei Details, kein sinnliches Erleben mehr übrig.

00:00:00: Wenn Gedanken überhandnehmen, also wenn wir sehr viel

00:00:00: in Worten denken, dann kann es sein,

00:00:00: dass das sinnliche Erleben in den Hintergrund tritt.

00:00:00: Und wir lassen uns vom Denken erzählen, was wir erleben.

00:00:00: Das macht es natürlich dann eher bissl unsinnlicher,

00:00:00: unkonkreter und auch eher asynchron

00:00:00: mit dem, was wir wirklich erleben, weil .

00:00:00: dadurch immer ne Verzögerung reinkommt oder eine

00:00:00: Verallgemeinerung, die diesen Moment so erscheinen lässt

00:00:00: wie so viele andere Momente: Ich sitze mal wieder in diesem Zimmer,

00:00:00: ich bin mal wieder in diesem Raum, ich bin mal wieder in dieser Stimmung.

00:00:00: So dass die Einmaligkeit und Besonderheit vom Erleben

00:00:00: im Denken verlorengeht,

00:00:00: weil es übersetzt wird in Kategorien,

00:00:00: in Worte und Abstraktionen.

00:00:00: Dadurch wird das Leben unkonkreter,

00:00:00: weniger fühlbar.

00:00:00: Und was wir dann fühlen, ist eher unsere Reaktion

00:00:00: auf die Worte, Reaktionen auf die Gedanken.

00:00:00: Das fühlt sich einfach wesentlich indirekter und deshalb getrennter

00:00:00: und gespaltener an als dieses Aufgehen im Moment,

00:00:00: Aufgehen im sinnlichen Erleben, was gerade wirklich da ist –

00:00:00: statt der Etiketten dafür, der Beschreibung dazu.

00:00:00: [B] Was bei mir aufpoppt

00:00:00: bei dem, was du am Schluss gesagt hast, ist ein Kleinkind,

00:00:00: ein Baby, das spielt

00:00:00: und wo alles, was ist, pure Präsenz im Moment ist.

00:00:00: Ein Kind ist pure Lebendigkeit im Momentsein

00:00:00: und denkt nicht viel darüber nach,

00:00:00: was es gerade lebt und was es tut.

00:00:00: Das sieht man in den Augen, im ganzen Wesen –

00:00:00: sei es etwas vermeintlich Schönes wie Lachen oder Strahlen

00:00:00: oder auch etwas vermeintlich

00:00:00: nicht so Schönes wie Schmerzen.

00:00:00: Gefühle, die das Baby erlebt,

00:00:00: erleben wir auch – nur:

00:00:00: Es bleibt nicht daran hängen,

00:00:00: sondern ist voll und ganz in diesem Moment.

00:00:00: [D] Ja,

00:00:00: und das hat Vorteile und Nachteile.

00:00:00: Einmal ist das Leben super lebendig

00:00:00: und intensiv, wie wir das kennen,

00:00:00: wenn wir nicht durch Gedanken

00:00:00: oder Konzepte gefiltert erleben.

00:00:00: Der Nachteil ist,

00:00:00: dass wir nicht auf Erfahrungen zurückgreifen können

00:00:00: wie: „Das wird schon wieder.“

00:00:00: Ein kleines Kind, ein Baby,

00:00:00: das nachts aufwacht, allein ist

00:00:00: und schreit und niemand kommt –

00:00:00: das kriegt richtig Angst,

00:00:00: weil es nicht denkt: Die Mama schläft,

00:00:00: sie braucht ein bisschen und kommt dann schon.

00:00:00: Warten ist eine Funktion vom Denken.

00:00:00: Auch dieses:

00:00:00: Ja, das tut jetzt weh, aber das vergeht auch.

00:00:00: Der Nachteil dieses intensiven Erlebens im Moment ist,

00:00:00: dass wir keine Perspektive haben von:

00:00:00: Das geht vorbei oder die Mama kommt dann schon.

00:00:00: Das hat aber auch die gute Seite,

00:00:00: dass beim Kind Schmerzen super intensiv sind –

00:00:00: und wenn der Schmerz aufhört oder die Aufmerksamkeit

00:00:00: woanders hingeht, ändert sich die Stimmung sofort,

00:00:00: weil es nicht weiter darüber nachdenkt.

00:00:00: Bei Erwachsenen dauert das oft länger,

00:00:00: bis sich das wieder beruhigt, weil es noch bedacht wird.

00:00:00: [B] Ich kenne es von mir auch so,

00:00:00: dass ich eine Zeit lang geglaubt habe, alle Gedanken seien schlecht,

00:00:00: weil sie mich fertig gemacht und in einen Sog gezogen haben.

00:00:00: Das ist aber gar nicht so.

00:00:00: Denken ist eine großartige,

00:00:00: lebensnotwendige Funktion – ein Wunder der Evolution.

00:00:00: Es hat viele Seiten.

00:00:00: [D] Ja.

00:00:00: Erfindungsgabe, Fantasie –

00:00:00: das sind alles Denkfunktionen.

00:00:00: Dass wir über etwas nachdenken können, das es noch gar nicht gibt.

00:00:00: Dass wir uns vorstellen können, wie es anders wäre.

00:00:00: Das kann ein Hund eher nicht: sich aus diesem Moment

00:00:00: gedanklich raus- und in einen anderen hineinversetzen.

00:00:00: Vorfreude. Lernen.

00:00:00: Reflektieren aus Erfahrungen.

00:00:00: Das ist alles super nützlich und wichtig.

00:00:00: Unsere Erfahrung in Worte zu fassen,

00:00:00: ist extrem hilfreich für Kommunikation.

00:00:00: So müssen wir nicht alle Erfahrungen selbst machen,

00:00:00: sondern können hören oder lesen und sagen:

00:00:00: Okay, daran halte ich mich.

00:00:00: „Iss bitte keine Maiglöckchen, die sind extrem giftig.“

00:00:00: Wir müssen das nicht selbst ausprobieren.

00:00:00: So entsteht Wissen der Menschheit.

00:00:00: Dass wir auf Erfahrungen anderer

00:00:00: aufbauen können oder auf Technik zurückgreifen,

00:00:00: von der wir keine Ahnung haben – außer:

00:00:00: diesen Knopf drücken und los geht’s.

00:00:00: Das Denken wird erst dann problematisch,

00:00:00: wenn es überhandnimmt – wenn es die Wirklichkeit ersetzt,

00:00:00: das wirkliche im Moment Fühlen, die sinnliche Wachheit.

00:00:00: Dann wird das Leben ein bisschen trocken.

00:00:00: [B] Oft sagt man dann Sätze wie:

00:00:00: Ich hänge im Kopf fest oder ich komme aus

00:00:00: meinem Denken nicht raus.

00:00:00: Oder diese wiederkehrenden Gedankenschleifen,

00:00:00: die fast automatisiert ablaufen und sehr belastend sein können.

00:00:00: [D] Da ist leicht überprüfbar:

00:00:00: Ist das wahr?

00:00:00: Fühle ich meine Füße? Sind meine Füße im Kopf?

00:00:00: [B] Wenn die ganze Aufmerksamkeit

00:00:00: nur auf den Gedanken liegt, gibt es wenig Spielraum.

00:00:00: Alles fühlt sich eng und ausweglos an,

00:00:00: weil die Aufmerksamkeit nur dort ist,

00:00:00: wo Gedanken etwas präsentieren.

00:00:00: [D] Dann verengt sich die Aufmerksamkeit

00:00:00: auf diesen gedanklichen Spielraum, in dem Lösungen erwartet werden:

00:00:00: Mache ich dies oder mache ich das?

00:00:00: Währenddessen ist im Hintergrund der Aufmerksamkeit

00:00:00: der ganze Organismus – alles, was nicht im Kopf ist.

00:00:00: Der Raum,

00:00:00: in dem ich sitze und atme, ist weiterhin da.

00:00:00: Auch das Licht, das ich sehe,

00:00:00: ist da.

00:00:00: Es erscheint nur unwichtig,

00:00:00: weil entweder eine Lösung im Denken wichtig scheint

00:00:00: oder das Denken endlich aufhören soll.

00:00:00: Beides verengt die Aufmerksamkeit.

00:00:00: Was dann auffällt,

00:00:00: wenn das Denken überhandnimmt, ist die körperliche Reaktion:

00:00:00: Verengung der Aufmerksamkeit, Verdüsterung der Stimmung.

00:00:00: Oder dass ich im Bett liege, schlafen möchte,

00:00:00: und das Denken darüber nachdenkt,

00:00:00: was passiert, wenn ich nicht schlafe.

00:00:00: All das ist körperlich erlebbar.

00:00:00: Wenn die Lösung nicht im Denken gesucht wird,

00:00:00: sondern Aufmerksamkeit fürsorglich zum Körper geht –

00:00:00: was fühle ich wirklich, was nenne ich Stress?

00:00:00: Wo ist Spannung, wo Entspannung?

00:00:00: Den Fußsohlen ist es vielleicht egal,

00:00:00: was gedacht wird.

00:00:00: Dann besteht die Welt nicht nur aus Gedanken

00:00:00: und Gefühlen dazu,

00:00:00: sondern aus diesem lebendigen Moment.

00:00:00: Die Lebendigkeit wird wieder gefühlt.

00:00:00: Wir sind nie nur im Kopf.

00:00:00: Aufmerksamkeit kann sich so verengen,

00:00:00: dass der Rest einfach nur wie Hintergrund erscheint.

00:00:00: Aber wenn die Aufmerksamkeit auf diesen Hintergrund geht,

00:00:00: dann wird er wieder klar – und die Aufmerksamkeit

00:00:00: auch wieder weit.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.